Unru – Als Tier ist der Mensch nichts

Unru - Als Tier ist der Mensch nichts

Unru - Als Tier ist der Mensch nichtsDer Bielefelder Vierer UNRU hat sich für sein Debütalbum „Als Tier ist der Mensch nichts“ ein recht lustiges, zumindest aber interessantes Cover, zugelegt. Man kann es als sinnlose Narretei abtun oder aber tiefenpsychologische Interpretationen anstellen. Vermutlich ist UNRU beides recht. Bei genauerer Betrachtung, unter Zuhilfenahme der Texte, kann man UNRU einen Hang zur kryptischen Philosophie attestieren. Einerseits lesen sich die Texte wirr, unersprießlich und krude, doch im Kern verbirgt sich dann doch eine tiefgreifende Gedankenwelt, die zu ergründen nicht ganz einfach ist. UNRU spielen und kokettieren damit, missverstanden zu werden. Man kann es als geschmacklos und infantil oder als profund und vollkommen abtun, beides würde stimmen. „Als Tier ist der Mensch nichts“ ist ein Werk der Interpretationen, gedanklich als auch musikalisch.

Nicht nur der geistige Unterbau ist alles andere als leicht verdaulich, auch das musikalische Vier-Gänge-Menü erweist sich mitunter als und zäh, schwer und sperrig. UNRU wollen nicht um jeden Preis gefallen, was schon recht schnell am Klang herzuleiten ist. Die Produktion ist alles andere als klar und perfekt. Es gibt Hall, Rauschen und vereinzelte Dissonanzen, die Instrumente klingen irgendwie rau und auch der harsche Kreischgesang wirkt nicht gerade auf Hochglanz poliert.

UNRU verdichten ihre Instrumentierungen immer wieder zu einem wüsten Klangsturm, der sich aus rasendem Schlagzeug und surrender Gitarre zusammensetzt. Vor allem in den beiden ersten Liedern verdichten sich die rapiden Klänge und Töne zu einem gleichförmigen, bohrenden und infernalischen Lärm. Einfach großartig. Das gab es im Black Metal zwar schon häufiger, doch jedes Mal freut es mich, wenn es gut umgesetzt wurde. Die Einen finden es langweilig, die Anderen ergötzen sich an der bedingungslosen Hässlichkeit, die eine ganz eigene Ästhetik hat. Ästhetisch ist „Als Tier ist der Mensch nichts“ nicht im herkömmlichen Sinne. Es ist eher eine Ästhetik des Unvollkommenen.

Auch wenn der Black Metal gerne mal schnell und monoton ist, bietet das Album mehr. Ein stilistischer Ausreißer ist „Hēdonḗe“, welches zäh und schleppend ist, wo sich UNRU in einer bleihaltigen Mischung aus Noise und Doom ergehen. Das Stück ist irgendwie apokalyptisch und miesepetrig und steht im krassen Kontrast zu den beiden ersten Stücken, die durch Schnelligkeit, Gleichförmigkeit und harschen Gesang auffielen. In „Hēdonḗe“ verbirgt sich denn auch die schönste Textzeile des Albums, die da lautet: „…der gelebte Wiederspruch…“. Ich liebe Wiedersprüche, Gegensatze, Spannungen und Kontraste. In seiner Gesamtheit ist „Als Tier ist der Mensch nichts“ ein ebensolches Werk, voller Spannungen und nicht immer ganz rational.

Mir gefallen UNRU auf ihrem Debütalbum jedenfalls richtig gut. Sie trafen eine gute Mischung aus Rohheit, harscher Aggression, subtiler Vielschichtigkeit und Melodik. Im Übrigen gefällt mir „Als Tier ist der Mensch nichts“ hundertmal besser als „Pale Dawn“ von SUN WORSHIP, über die man ab und zu stolpert, wenn man sich mit UNRU beschäftigt.

Unru – Als Tier ist der Mensch nichts
Vinyl / CD | Supreme Chaos Records
2016 | Black Metal

1. Zerfall & Manifest
2. Das Anna-Karenina-Prinzip
3. Hēdonḗe
4. Totemiker

https://www.facebook.com/unruband/ | https://unru.bandcamp.com/
http://scrmetal.de/ | https://scrmetal.bandcamp.com/

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