Traumatic Voyage – Khiaoscuro | 2008 | Merciless Records | CD | Dark Metal

Khiaoscuro ist das mittlerweile sechste Album von Traumatic Voyage, einer sehr interessanten Einmann-Gruppe, deren Anfänge im Jahr 1986 liegen. Wie die fünf Vorgängeralben ausgefallen sind, weiß ich nicht. Merciless Records beschreibt das aktuelle Album Khiaoscuro jedenfalls als „Sick Psycho Black Metal“, was sicherlich recht zutreffend ist. Khiaoscuro ist etwas mehr als 76 Minuten lang und enthält somit viel Material, das vor allem aber eines ist: dunkel und düster. Deshalb könnte man hierzu auch Dark Metal sagen, da das stilistische Spektrum sehr breit gefächert ist und Khiaoscuro alles andere als klar und einfach gegliedert ist.

Auf Khiaoscuro herrschen vor allem düster angelegte Harmonien und Melodien, die mittels klarer und verzerrter Gitarren, klarem und verzerrtem Gesang sowie einigen Keyboardarrangements erzeugt werden. Der Rhythmus ist zumeist ein sehr langsamer und ruhiger, weshalb er meist eine untergeordnete Rolle spielt und die dunklen Harmonien ins Zentrum stellt. Natürlich gibt es auch vereinzelt schnelle Ausbrüche, die dann durchaus auch etwas harsch sind und eine gewisse Aggressivität in die Atmosphäre einbringen.

Der Name Traumatic Voyage ist jedenfalls Programm, da Khiaoscuro tatsächlich wie eine einzige lange Reise durch obskure, makabre und krankhafte Wirrungen wirkt, da die Übergänge der Lieder fließend und nahtlos sind, und man statt zehn Liedern nur noch ein einziges großes vor sich hat. Durch diese Beschaffenheit wirkt das Album auch am besten, wenn man es von Anfang bis Ende in einem Zug hört. Bei irgendeinem beliebigen Lied aus der Mitte des Albums anzufangen bringt nicht so viel, weil es dann ein wenig so wäre, als würde man ein Buch auf Seite 95 beginnen und nicht mit der ersten. Dadurch ist Khiaoscuro auch ein schwieriges Werk, für das man unter Umständen einige Zeit benötigt, um sich reinzuhören und Zugang zur Materie zu finden. Mir erging es jedenfalls so, denn Traumatic Voyage kreiert nicht einfach nur dunkle Harmonien und morbide Klanglandschaften. Dem ganzen wohnt eine zermürbende Vehemenz bei, die in gewisser Weise durchaus psychotische respektive traumatische Züge trägt.

Wer düstere und komplexe Musik mit progressivem Anstrich mag, sollte Khiaoscuro ruhig mal probieren. Lässt man sich erstmal auf die Klanglandschaften ein, wird man auf eine 76 Minuten währende Reise entführt. Zum mal eben zwischendurch hören ist Khiaoscuro allerdings absolut nichts. Wer nicht die Zeit oder Lust hat, sich eingehender hiermit zu beschäftigen, sollte lieber die Finger davon lassen.

01. Sick transit gloria mundi
02. Low resolution profile
03. Subyoumanity (Make me laugh…)
04. Knowhere
05. Third eye view
06. Eisendzeit
07. New rage
08. Coretextension
09. Wayward willwind
10. Gratwanderung

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