Thyrgrim – Dekaden

Thyrgrim - Dekaden

Thyrgrim - DekadenNachdem das nordrhein-westfälische Todeskommando THYHRGRIM die letzten Jahre als Duo fristete, erwuchs man nun zu einer kompletten, aus vier Musikern bestehenden Band. Dass nun mehr Leute mitmischen spürt man deutlich, obgleich sich THYRGRIM treu blieben und nach wie vor direkten und kompromisslosen Black Metal spielen. „Dekaden“ ist inzwischen das fünfte Album und wird am 9. Oktober entfesselt.

Mit dem Stück „Dette Er Tysk Svart Metal“ beginnen THYRGRIM rasend, brutal und getrieben von erbarmungsloser Zerstörungswut MARDUK’scher Ausmaße. Das ist ein gelungener Einstieg, ganz nach meinem Geschmack. Allerdings behält man diese tödliche Vernichtungsmaschinerie nicht lange am Laufen und das Tempo wird ins Schleppende umgekehrt. Kann man machen, muss man aber nicht. Mir wäre eine konsequent durchgehende Raserei irgendwie lieber gewesen. Die Abwechslung ist nicht schlecht, darum geht es auch gar nicht. Die Vier verändern Rhythmus und Melodik gekonnt, hier ein Break, dort ein Riff. Gut umgesetzt, ohne Frage. Es ist auch wesentlich interessanter abwechslungsreiches Material zu spielen als stupide Monotonie. Kann ich alles nachvollziehen, allerdings geht dieser Schritt hin zu mehr Abwechslung, Veränderung und Dynamik eben auch auf die Kosten von Härte, Aggression und Kälte.

THYRGRIM klingen auf „Dekaden“ vielschichtiger als auf „Erwachen“ und „Monument“, wobei es auch bei den beiden Vorgängern Abwechslung und Melodik gab, jedoch etwas anders als anno 2015. Während „Erwachen“ ein ausgeglichenes Verhältnis von Härte und Melodik hatte, empfinde ich das neue Album in dieser Hinsicht ein wenig aus dem Gleichgewicht geraten.

Thyrgrim (Kain)
© photophobia

Auf „Dekaden“ gibt es gnadenlos harte und aggressive Schübe, die richtig gut sind. Doch wesentlich ausgiebiger geben THYRGRIM mittelschnelle und langsame Arrangements zum Besten. Atmosphärische und melodische Inszenierungen machen das Album komplexer und ‚erwachsener‘ aber zugleich auch weicher und zahnloser. Mit „Hass“ und „Wenn es schneit“ gibt es auch zwei neu eingespielte Lieder der ersten beiden Alben. „Hass“ ist ein relativ kurzes Lied geballter Raserei und Brutalität; in gewisser Weise ist es gar ein Fanal, denn alles was folgt ist langsam bis mittelschnell und erheblich melodischer. „Dekaden“ lässt sich in zwei Hälften aufteilen. Die erste Hälfte die in „Hass“ ein eruptives Ende findet und in die zweite vielschichtigere, atmosphärischere und melodischere Hälfte, die mit dem ruhigen Instrumental „Interlude“ ihren Lauf nimmt.

Auch wenn ich in dieser Bemusterung vieles kritisierte, ist „Dekaden“ deshalb kein schlechtes Album. Es ist eine neue Evolutionsstufe des THYRGRIM’schen Black Metals, der sich nicht nur musikalisch äußert sondern sich überdies auch im Artwork niederschlägt. Kompromisslose Härte geht mit rhythmischer und harmonischer Abwechslung einher. Handwerklich ist „Dekaden“ gut gemacht, nur trifft es nicht gänzlich meinen Geschmack. Obgleich „Dekaden“ das professionellste und anspruchsvollste Werk bisher ist, sagen mir „Monument“ und vor allem „Erwachen“ insgesamt mehr zu. Wer will kann bei Soundcloud in zwei neue Lieder und die beiden Vorgänger „Monument“ und „Erwachen“ reinhören und selbst vergleichen und entscheiden.

Thyrgrim – Dekaden
2015 | Talheim Records
CD | Black Metal

1. Dette Er Tysk Svart Metal
2. Die Hölle ist hier
3. Die Seuche Mensch
4. Zeichen deiner Schwäche
5. Hass (Neuaufnahme)
6. Interlude
7. Der Weg
8. Gezeiten
9. Sterbend II
10. Wenn es schneit (Neuaufnahme)

https://www.facebook.com/Thyrgrim
https://soundcloud.com/thyrgrim_band
https://talheim-records.at/

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