Spectral Lore – I | 2006 | Saturnine Society | Kassette | Ambient Black Metal

Der Anfang von I ist sehr primitiv, eingängig und roh. Ein schneller, dumpfer und hämmernder Takt ist eine Zeit lang zu hören, dazu irgendwelche Klänge und Geräusche die an Metall und Maschinen erinnern. Diese lärmende Geräuschkulisse steigert sich allmählich. Leise und langsame Gitarrenmelodien kommen hinzu, die später sehr sphärisch und atmosphärisch werden.

Spectral Lore eröffnet diese Kassette mit Layers of conception überaus düster und beklemmend. Der anfängliche primitive Eindruck verflüchtigt sich allerdings recht schnell. Es gibt immer wieder kürzere oder längere Pausen der Stille sowie ruhige instrumentale Passagen. Diese Klangpassagen sind mitunter von langer Dauer und von relativ minimalem Aufwand, was zuweilen nach düsterem Ambient klingt. Es gibt aber auch abwechslungsreiche Klangpassagen mit einer Vielzahl von Instrumenten, etwa einer Harfe oder einem Piano. Ich mag es eigentlich nicht, wenn extremer, zuweilen lärmender Metal mit solchen ruhigen Ambientklängen kombiniert wird. Doch im Falle von Spectral Lore ist es anders. Die Kompositionen und Strukturen sind von Anfang an sehr vereinnahmend und trotz des Wechsels zwischen den extremen, minimalistischen Abschnitten und den ruhigen, klaren und auch melodischen Passagen sehr flüssig. Es ist jedoch unmöglich festzustellen, wann ein Lied endet und das nächste anfängt.

Gesang kommt selten vor, doch wenn er zu hören ist, ist er sehr bizarr und extrem und für diese Stilistik wohl auch untypisch. Man würde wohl eher ein hellverzerrtes und verzweifeltes Kreischen vermuten. Doch stattdessen ist eine dunkele, dumpfe verzerrte Stimme zu hören die nicht richtig geflüstert aber auch nicht richtig gesprochen wird. An einer Stelle von I klingt Spetral Lore sogar ein wenig nach einer alten griechischen Gruppe, was wohl mit der Herkunft von Spectral Lore zu erklären ist. An besagter Stelle erinnern die Riffs vielleicht ein wenig an Rotting Christ. Dazu eine dunkle, kehlige Stimme, im Hintergrund ein Keyboard und später eine melodische Flöte. Diese Stilistik und die damit einhergehende Atmosphäre findet man bei einigen alten griechischen Bands, eben Rotting Christ oder auch Deviser. I besteht aus sehr eigenwilligen und eigenständigen Kompositionen, die allesamt düster sind. Diese Eigenwilligkeit wird auch mit dem letzten Stück betont, das in seiner Rhythmik und Melodieführung an einen Tango erinnert.

Für mich ist I ein wunderbares Werk bei dem ich mich voll und ganz zurückziehen kann, das extreme Gegensätze beinhaltet und von einer massiven Schwermütigkeit durchsetzt ist. Erschienen ist die Kassette in einer ebenfalls sehr schönen Aufmachung sowie einer Limitierung auf 250 Stück.

01. Layers of conception
02. The drowning
03. Echoes of a long dead & forgotten place
04. The descent
05. Sigma receptor
06. The cleansing rain / Morningrise in the eternal fields
07. Exodus

Schreibe einen Kommentar