Scum From The Sun – 4 | 2013 | Avantgarde Music / Decimopianeta | CD | Doom Metal / Experimental

4 ist ein ideales Werk für all jene, die sich gerne in experimentellen Klanglandschaften verlieren. 4 ist absolut kein Album, welches sich in eine einzige Schublade stecken lässt. SCUM FROM THE SUN ist ein Klangkollektiv, welches sich den unterschiedlichsten Stilen und Einflüssen bedient, diese umwidmet, neu formt und zusammensetzt. So formen sich Elemente aus Rock, Industrial, Ambient, Doom, Post-Rock zu einer umfangreichen Klangcollage zusammen. Um Gefallen an 4 finden zu können muss man also ein durchaus aufgeschlossener Hörer sein, der ein Ohr für experimentelle Klänge hat.

Die Vier findet sich in sämtlichen Belangen wieder. Das Album umfasst vier Titel, ist 44:44 Minuten lang und heißt auch so. Zu jedem der vier Lieder wurden verschiedene Gastmusiker eingeladen und jedes Stück soll eine eigene Geschichte, einen eigenen Hintergrund haben. Obwohl das Album über lange Strecken instrumental gehalten ist, sollen die vier Lieder eine Reise durch die verschiedenen Kulturen und Zeitalter der Menschheit darstellen und deren Schwäche und Obsession offenlegen.

Das erste Stück Daleth beginnt sehr ruhig und ist in den ersten Minuten minimalistisch gehaltener Ambient aus leiser Gitarre und dezenten Geräuschen. Irgendwann verändert sich das Lied vollständig und es ist eine Endlosschleife des selben Riffs und Rhythmus zu hören, zu der eine italienisch sprechende Stimme zu hören ist. Irgendwie klingt dieser Part wie eine obskure Mischung aus Drone und Hip Hop. Danach verändert sich Daleth erneut und es wird etwas melodischer und lieblicher, auch wenn diese Melodie sich lange wiederholt. Trotz der verschiedenen Passagen ist Daleth extrem eingängig und über lange Strecken gleichbleibend. Etwas abwechslungsreicher ist dann La Nave Dei Folli, in dem SCUM FROM THE SUN sphärische Gitarrenläufe mit doomiger Schwere kombinieren, Piano und Samples, Klänge und Tribal-Schlagzeugrhythmen miteinander abwechseln und austauschen. Das klingt interessant, ist aber auf die Dauer etwas langweilig.

Dies gilt für das gesamte Werk. 4 ist ein eher ruhiges Album auf dem sich die Musiker in langen Klangpassagen verlieren, die für sich genommen durchaus interessant sind, aber auch Anflüge von Langeweile entstehen lassen können. Schuld daran ist eben auch die eher helle und freundliche atmosphärische Ausrichtung. Mir fehlt das Bizarre und Düstere, der Biss. Für meine Begriffe ermangelt es dem Album an Gegensätzen und Kontrasten. Im letzten Lied erinnern mich SCUM FROM THE SUN dann auch ein wenig an EARTH, da das Lied eine Mischung aus ruhigem Drone, Doom, Stoner und Post-Rock ist, was ich schon bei EARTH‘ jüngeren Alben sterbenslangweilig fand.

Wer ruhige Instrumentalmusik mit experimentellen Auswüchsen, etwas Drone und Doom mag, kann 4 und SCUM FROM THE SUN probieren. Wer es aber gerne etwas düsterer, bizarrer und schwärzer mag, dem dürfte 4 weniger gut gefallen und schnell langweilen.

01. Daleth
02. La nave dei folli
03. Mammon
04. La fine dell’essere nella cattedrale della morte

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