Orthanc – L’Age De Raison | 2010 | Eigenproduktion | CD | Black Metal

Fünf Jahre ist es her, seit Orthancs letzter Tonträger erschien. Nun hat man sich dazu entschlossen, mit L’Age de Raison eine Zusammenstellung alter, neu eingespielter Lieder, neuer Titel und Livestücken herauszubringen. Bei den ersten sechs Titeln handelt es sich um Studioaufnahmen aus den Jahren 2007 und 2008. Da ich das alte Material nicht kenne, kann ich keinen Vergleich machen, aber der Klang ist stellenweise überaus warm und druckvoll aber von Lied zu Lied unterschiedlich. Musikalisch zeugen die fünf Eigenkompositionen von französischem Black Metal mit extremen Kreischgesang (wie man ihn von französischen Bands öfters hört). Der Sänger kreischt sich also voller Verzerrung und Innbrunst jeglichen Groll von der Seele, während man an den Saiteninstrumenten auf melodische Riffs setzt. Die sechs Studiolieder sind allerdings recht unterschiedlich ausgefallen. Statues de sel ist ein über weite Strecken eingängig eingehämmertes, sehr aggressives Lied mit starkem Bassgitarreneinsatz und minimaler Melodik. Andernorts agiert Orthanc jedoch überaus melodisch und verspielt. Diese sechs Lieder überzeugen auf Anhieb, da es Orthanc sehr schön versteht, barbarische Rohheit und harsche Aggressivität mit melodischem Spiel zu verbinden. Manchmal klingen einzelne Riffs etwas sonderbar, aber das war es bei französischen Gruppen eigentlich fast immer. Eigenartig sind allerdings die klanglichen Unterschiede der Studioaufnahmen, die stark schwanken. Die sechs Lieder sollen in zwei Sitzungen aufgenommen worden sein, was sich klanglich absolut nicht nachvollziehen lässt. Klangliebhaber sollten also aufpassen, da es zum Teil überaus grell und roh erklingt, was aber auch sehr französisch ist, wenn ich an Gruppen wie Seigneur Voland, Kristallnacht oder Blessed in Sin denke.

Die nachfolgenden sechs Titel sind Liveaufnahmen von einem Konzert, das am 17. Februar in der Schweiz gespielt wurde. Für ein kleines Untergrundkonzert ist die Klangqualität überaus passabel und vielleicht sogar überraschend gut, wenn man ihn mit den neueren Studioaufnahmen vergleicht. Jedenfalls ist er etwas dumpf, dunkle Töne dominieren das Klangbild und live kann der Sänge nicht die harsche Eindringlichkeit der Studiolieder erreichen, was angesichts der extremen Verzerrung und Bedingungen auch nicht verwundert. Wer Livelieder mag, wird hiervon nicht enttäuscht sein, zumal vereinzelt auch Stimmen aus dem Publikum zu hören sind. Am Ende von L’Age de Raison gibt’s dann noch von Absurd das nachgespielte Stahl blitzt kalt. Das Original kenne ich nicht, aber die Version von Orthanc weiß zu gefallen, was aber vornehmlich an Orthancs Gesangsstil liegt.

L’Age de Raison ist eine interessante wie auch überzeugende Kompilation. Vor allem die Studiolieder haben mich überzeugt, da sie doch bester französischer Black Metal sind. Wer den französischen Black Metal vom Anfang dieses Jahrtausends kennt und mag, sollte sich diese Veröffentlichung also auf gar keinen Fall entgehen lassen.

7/10
Aceust

01. Orthanc (1ère partie: Héritiers de numénor)
02. Statues de sel
03. Les secrets de la pierre
04. Succubus (In Articulo Mortis Cover)
05. Cénotaphe
06. Ora pro nobis
07. Le bon pasteur s’endort
08. Le Glaive
09. The dark crusade
10. Les chiens & les loups
11. 732
12. Nos paradis perdus
13. Stahl blitzt kalt (Absurd Cover)

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