Mortis Mutilati – Sombre NeurasthÉnie | VERÖFFENTLICHT: 2012 | PLATTENFIRMA: Naturmacht Productions

MORTIS MUTILATI wurde erst im März 2011 gegründet, doch das Debütalbum Sombre Neurasthénie ist nach zwei Demos und einer Split bereits die vierte Veröffentlichung. Zudem handelt es sich bei MORTIS MUTILATI um ein Einmannprojekt, ist also Vorsicht geboten?

Sombre Neurasthénie ist auf Kassette erschienen und beinhaltet auf 48 Minuten verteilt melodischen sowie atmosphärischen Black Metal. Für den melodischen Aspekt ist ausschließlich das Gitarrenspiel zuständig. MORTIS MUTILATI kombiniert im Grunde melodischen, riffbetonten Black Metal in schleppender Rhythmik mit einem stark verzerrten, harschen Kreischgesang. Kurze schnelle Einlagen, die durch monotones Tempo auffallen, stellen einen kleinen Kontrast zum sonst ruhig gestalteten Inhalt dar. Auch wenn es zumeist langsam zugeht, hat MORTIS MUTILATI aufgrund des vielfältigen Gitarrenspiels für jede Menge Abwechslung gesorgt. Sowohl verzerrte als auch klare Gitarren kommen zum Einsatz. Manchmal stehen die melodischen Riffs stark im Vordergrund und ertönen gar lieblich und verträumt. Meistens hört sich das auch gut an, obgleich MORTIS MUTILATI sich manchmal fast schon verzettelt und den Riffs zu viel abverlangt, was dann kurzweilig nervt. Dies geschieht aber nicht allzu oft.

Da die Kompositionen insgesamt ruhig und atmosphärisch gelagert sind, kann sich manchmal so etwas wie Langeweile einstellen. Mir geht es jedenfalls so, dabei spürt man aber das Streben des Musikers nach Wiedererkennungswert, indem er an einer Stelle eine Frau eine Textzeile einsingen lässt oder andernorts auf ein Piano zurückgreift. Die einzelnen Stilelemente sind für sich genommen nicht schlecht, aber an der gesamten Konzeptionierung ließe sich noch feilen. Für ein Einmannprojekt ist Sombre Neurasthénie aber gewiss nicht schlecht, da habe ich schon viel schlimmeres gehört. Im direkten Vergleich zu anderen Solokünstlern schneidet MORTIS MUTILATI sogar recht gut ab, da es hier keinen plumpen Depressive Black Metal zu hören gibt, wie es ja meistens der Fall ist. Sombre Neurasthénie klingt sehr eigenständig und ist sehr melodisch. Man muss melodischen Black Metal in jedem Fall mögen um an dieser Veröffentlichung gefallen zu finden. Für meinen persönlichen Geschmack ist der melodische Aspekt zu stark vertreten, doch kann man das Album all jenen empfehlen, die melodischen und atmosphärischen Untergrund Black Metal mögen. Gute Ansätze sind in jedem Fall vorhanden und für eine Einmanngruppe ist das Material tatsächlich nicht schlecht. Insofern muss ich die eingangs gestellte Frage nach der Vorsicht verneinen. Für Kassettenfanatiker also durchaus von Interesse, sofern der melodische Aspekt nicht abschreckt.

6/10
Aceust

01. Intro
02. Concession perpétuelle
03. Sombre neurasthénie
04. Mortis mutilati
05. Taphophillia
06. Le dernier souffle
07. Outro

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