Manetheren – Time | 2012 | Debemur Morti Productions | CD | Black Metal

Die amerikanische Gruppe MANETHEREN existiert bereits seit neun Jahren und mit Time wird in Kürze das vierte Album veröffentlicht. Allerdings liegt der Vorgänger bereits sechs Jahre zurück und die aktuelle Besetzung besteht nur noch aus Azlum (Gitarre, Bass, Gesang) sowie den 2011 angeheuerten Schlagzeuger Thorns, der unter anderem schon bei MACABRE OMEN, FROSTMOON ECLIPSE oder GLORIOR BELLI trommelte, nur um die drei wichtigsten Stationen zu nennen.

Ich kannte MANETHEREN bisher nicht und konnte völlig erwartungsfrei an das lange Time rangehen. Mit einer Spielzeit von 75 Minuten ist es alles andere als kurz. Die einzelnen Stücke sind zwischen neun und 17 Minuten lang, es gibt also viel Raum für atmosphärische Arrangements. Time ist nämlich ein dunkelatmosphärisches Album, das über weite Strecken sanft eingespielte, dunkle und melancholische Harmonien zum Besten gibt. Die Gitarrenmelodien sind phasenweise sehr sphärisch und gehen somit leicht in Richtung Post-Rock. Diese Stilübergriff wird aber eher angedeutet als tatsächlich vollzogen. Time ist also keine echte Vermischung von Black Metal und Post-Rock, lediglich eine von Schwermut angedeutete Tendenz.

Mit I beginnt das Album zudem stark und eindringlich. Die Qualitäten von I liegen im exquisiten Gitarrenspiel Azlums, der hier sehr ergreifende und sehr melancholische Melodien aus den Fingern zaubert, die mir auf Anhieb gefallen, da sie packend und einfach, sehr klar und schlicht ergreifend sind. Dazu passt auch das treibende Schlagwerk, das gemeinsam mit den Gitarren für eine fast schon hypnotische Stimmung sorgt, die latent dunkel ist.
III geht da einen ganz anderen Weg. Es ist ein langes und sehr unterschiedlich ausgefallenes Lied, das zum Teil sehr melodische bzw. atmosphärische Parts mit Chorälen besitzt. Ebenso gibt es aber auch lange instrumentale Passagen, in denen das Schlagwerk antreibend flott zu hören ist und es im Hintergrund atmosphärische, wabernde Klänge zu bestaunen gibt. Während dieser Passagen bilden die Saiteninstrumente und das Keyboard, welches extrem dezent ist und kaum auffällt, eine perfekte atmosphärische Einheit. Die Gitarren und das Keyboard ergänzen sich gegenseitig großartig, so dass punktuell hervorragende düstere Harmonien entstehen, die aus der ohnehin schon guten Grundmelodie dunkel und ergreifend ausbrechen. Auf Time ist aber nicht alles behutsam und atmosphärisch. Das kürzeste Lied, IV, welches immerhin auch über neun Minuten andauert, beinhaltet schnelle und ruppige Parts, die eine gewisse Eingängigkeit haben, sich melodisch aber sehr gut in die langsameren Stücke einfügen. Auch in V gibt es neben sehr sphärischen Monumentalpassagen die eine und andere, schnelle und eher roh geartete Passage.

Time ist ein sehr gutes Album, das extrem vielschichtig und abwechslungsreich ist. MANETHEREN verbinden atmosphärische, melancholische Passagen epischen Ausmaßes mit abwechslungsreicher Spielfreude und einer gewissen Härte. Time ist ein Album, welches mir schon beim ersten Durchgang vollends gefällt, das gibt es nicht allzu oft. Auf Time stimmt einfach alles: die Atmosphäre, das Gitarrenspiel, das Schlagwerk und die Produktion. Kurzum: Time ist ein großartiges Album!

01. I
02. II
03. III
04. IV
05. V
06. VI

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