Interview: Odal

OdalHATEFUL METAL: Grüß Dich, Taaken. Da ich von den Einleitungsfragen nach Bandgeschichte nichts halte – kann ohnehin jeder auf der Odal- Seite nachlesen -, hoffe ich, ist es Dir Recht, wenn ich sofort auf aktuelle Tatsachen zu sprechen komme. Die Veröffentlichung des zweiten Odal- Albums „… wilde Kraft“ steht kurz bevor. Steht denn ein genaues Datum bereits fest und bist Du mit dem Resultat zufrieden und entspricht es Deinen Vorstellungen?

TAAKEN: Sei gegrüßt Aceust,
für das Album gibt es kein genaues Datum zur Veröffentlichung, das Material liegt dem Label jetzt seit 1 Woche vor, und ist von da aus auch gleich zum Presswerk gegangen. Mit dem Material bin ich durchaus zufrieden, sonst wäre es nicht den Weg der Veröffentlichung gegangen. Sicher es gibt immer wieder einige Punkte die man hätte besser machen können, aber ich bin auch so vollauf zufrieden mit dem Erschaffenen. Einziges Manko ist, dass das CD Presswerk meinen Wunsch leider nicht ganz in die Tat umsetzen kann. Die ersten 1000 CD sollten mit einem Pappschuber im Goldprägedruck erscheinen. Da das Odal- Logo aber so viele feine Striche hat, ist das so mit dem Prägedruck nicht möglich. Die Konsequenz ist, dass es nun nur mit Gold gedruckt wird. Ich hoffe, dass es wenigsten bei der LP Version möglich sein wird.

Wenn man sich „…wilde Kraft“ anhört, fällt sofort auf dass das neue Werk um einiges professioneller produziert wurde als „Sturmes Brut“ damals. Siehst Du dabei die Gefahr oder Möglichkeit, durch die Verwendung besserer Aufnahmetechniken etwas an Atmosphäre oder Authentizität einzubüßen? Ich empfinde das neue Album um einiges kälter und abweisender als das alte Material, ist dies bewusst von Dir so gewollt oder siehst Du das vielleicht sogar ganz anders?

Die Frage hatte ich mir selbst bei den Aufnahmen immer wieder gestellt und ich bin für mich zu dem Entschluss gekommen; nein. Die Kälte die ich für „…wilde Kraft“ erspielen wollte ist zu 100% gelungen und wieder einmal muss ich zu einer der Odal- Aufnahmen sagen, dass der Sound wie die Faust aufs Auge passt. Er ist kalt, relativ roh und dennoch kraftvoll. Der Klang von „Sturmes Brut“ beispielsweise hätte zu „…wilde Kraft“ nicht gepasst, genauso wie es auch anders herum ist. In der Tat liegt das auch an der besseren Aufnahmetechnik, immerhin wurde „Sturmes Brut“ auf nur 4 analogen Spuren aufgenommen, „…wilde Kraft“ hingegen auf einigen mehr, was auch wieder der Musik zugute kommt, denn die Fülle an Gitarren hätte ich mit 4 Spuren nicht umsetzen können.
Allerdings muss man sicher etwas aufpassen, denn man kommt schnell dazu etwas zu verspielt im Sound zu werden, was aber dann nicht passieren kann, wenn man sich von vornherein im Klaren darüber ist, was man aufnehmen will. Und das bin ich mir grundsätzlicher immer, bevor ich etwas aufnehme.

Auffällig am neuen Klang ist nämlich auch, dass sowohl Gesang als auch – und vor allem – die Gitarren nicht mehr so im Vordergrund stehen. Warum? Gerade die vordergründigen Gitarren haben mir bei Odal immer sehr gefallen.

Nun ja, um die Aggression etwas mehr aus dem Album zu holen musste das Schlagzeug diesmal einfach etwas mehr in den Vordergrund gerückt werden, was durch das Mastern im Necromorbus Studio noch etwas verstärkt wurde, aber letztlich denke ich, dass die Instrumente so nun gut ausgewogen sind. Sie sind gleichwertig und bilden eine geschlossene Einheit. Sodass der Gesang etwas mehr in den „Hintergrund“ gerückt ist, wenn man es mit Sturmes Brut vergleicht, aber es passt einfach auf dieses Album, es ist – wie ich finde – keine leichte Kost, man muss das Album erst einige Male in der angemessenen Stimmung hören, um es zu verstehen.

Einhergehend mit dieser kalten Atmosphäre, sind die Strukturen auf „…wilde Kraft“ eingängiger und schneller als man es von Odal bisher kannte und gewohnt war. Wie kam es zu dieser Entwicklung und wird sich dieser Weg festigen?

Das Material ist besser ausgearbeitet und hat deshalb flüssigere Zusammenhänge, ich denke aber nicht, dass das Album im Ganzen eingängiger ist, da es viel detailfreudiger als „Sturmes Brut“ ist. Auch deshalb denke ich, dass dieses Werk schwerer zu verdauen ist.
Richtig ist, dass es ein schnelles Album geworden ist, was einfach wieder an dem Material an sich liegt. Es war also nicht von vornherein klar, dass ein schnelles Album aufgenommen wird und genauso wenig kann ich sagen, dass Odal jetzt konsequent weiter so klingen wird. Bis zum nächsten Album werden sicherlich noch einige Stürme über das Land ziehen und ich vermag jetzt wirklich nicht zu sagen, wie Odal dann klingen wird.

Es ist ja allgemein bekannt, dass Du neben Odal die kleine Plattenfirma „Irminsul Records“ sowie dazugehöriger Klangschmiede betreibst. Weshalb erscheinen die Odal- Veröffentlichungen nicht darüber sondern über Christhunt Productions?

Das hat verschiedene Gründe, der wichtigste ist das ich mit Irminsul einfach nicht den Rahmen für eine Odal Veröffentlichung schaffen kann / will. Mit Christhunt arbeite ich nun auch schon seit vielen Jahren gut zusammen und man bekommt alles so wie man es will, also gibt es auch keinen Grund für mich das Label zu wechseln.

Bedeutet das, dass Du mit Odal ein anderes, größeres Publikum erreichen möchtest als mit Wolfsschrei, Barastir oder den Irminsul Records Erscheinungen generell?

Nein, es ist eher so, dass mir die Arbeit damit einfach zuviel werden würde und Christhunt auch viel professioneller arbeiten können. Wie viele Leute ich damit erreiche ist mir letztlich egal, darum muss sich das Label kümmern. Es ist ja nicht so, dass ich damit Geld verdiene, im Gegenteil, es wäre wohl sogar eher so wenn ich es selbst über Irminsul produzieren würde. Ich kann und will aber auch nicht über Irminsul so große Veröffentlichen finanzieren, also nicht mal eben so 500 LPs und ein Paar CDs pressen.

Was für Möglichkeiten eröffnen sich Dir, neben Odal noch in Barastir und Wolfsschrei tätig zu sein?

Zu Barasir ist zu sagen, dass ich hier einen Kameraden unterstütze, Skoll, welcher eben in einem Projekt singen wollte. Daraus gebaren wir die Idee Barastir. Maniac Thunder, ein langjähriger Freund von Skoll, wurde von ihm auch mit ins Boot geholt. Und die Idee war und ist rohe, einfache und ehrliche Musik zu machen.
(auf Wolfsschrei wird später eingegangen)

Von Barastir ist kürzlich die zweite Veröffentlichung „The hate legion“ erschienen. Seit der ersten Veröffentlichung hat sich vieles verbessert, da drängt sich mir die Frage auf, ob Du womöglich mit dem Barastir- Beitrag zur 7“ Split EP mit Yersinia unzufrieden warst oder liegt das lediglich in einer gewöhnlichen Entwicklung geschuldet?

Nein, das ist etwas anders gelegen, die Stücke der EP wurden von mir und :corvus: (Yersinia) zusammen in 4 Stunden geschrieben und mit Schlagzeug und Gesang aufgenommen, die Stücke des Tapes habe ich hingegen im Alleingang geschrieben. Die beiden Stücke wurden allerdings auch in wenigen Stunden geschrieben und mit Schlagzeug aufgenommen. Barastir besteht jetzt auch nur noch aus 3 Mitgliedern, was das Ganze auch einfacher macht. Ich bin aber mit beiden Veröffentlichungen relativ zufrieden, die Musik soll roh und ehrlich klingen und ich denke das ist uns gelungen. Es ist also im Allgemeinen so, dass Barastir, was die Musik betrifft, eher ein „improvisiertes“ Projekt ist, also kann in der jetzigen Phase nicht von einer Entwicklung die Rede sein. Es ist geplant zu gegebener Zeit ein Album in der jetzigen Besetzung aufzunehmen, allerdings wird das Material dann etwas länger durchdacht werden. Auch hier kann ich jedoch nicht sagen was letztlich – außer ehrlicher Musik – entstehen wird.

Mit Wolfsschrei (Deinem Solo-Projekt) bist Du auch recht aktiv, zuletzt sind zwei Split-Veröffentlichungen mit Har Shatan sowie Erhabenheit erschienen. Im Bezug zu „…wilde Kraft“ scheint sich Wolfsschrei an alte und rauere Odal- Zeiten zu orientieren. Interpretiere ich da zuviel hinein oder ist Wolffschrei für Dich tatsächlich ein Mittel und Weg, musikalische Intentionen zu verwirklichen die mit Odal nicht mehr möglich sind?

Ja es ist richtig, ich lebe in Wolfsschrei meine Liebe zum Black Metal der alten Schule aus, was sich mit Odal nicht vereinen lässt und nie hat lassen. Wolfsschrei ist pur und antichristlich, gelegentlich melancholisch. Etwas das ich noch in Wolfsschrei auslebe ist meine Schwäche fürs Schlagzeugspiel, welches ich leider nur bescheiden beherrsche.

Aufgrund Deiner zahlreichen und inzwischen jahrelangen Aktivitäten hast Du einen guten Überblick über die Entwicklungen im deutschen Black Metal. Wie beurteilst Du die die Tendenz, dass immer mehr Gruppen entstehen, da die Möglichkeiten Musik generell (Black Metal insbesondere) durch Internet und preiswerte technische Hardware-Lösungen für den heimischen PC immer einfacher werden?

Ah, das ist mittlerweile ein wunder Punkt bei mir, es gibt nur noch sehr wenige deutsche Gruppen die ich wirklich schätze, mich kotzen diese Ein-Mann-Drumcomputer-Combos, welche kein Instrument beherrschen, nur noch an.

Nicht nur die Zahl der Gruppen steigt stetig, auch Plattenfirmen und Vertriebe vermehren sich schier unkontrolliert, was einerseits vorteilhaft sein kann, andererseits aber auch eine Orientierung erschwert. Welche Position nimmt Irminsul Records hierbei ein und welche Philosophie und Ziele verfolgst Du mit Deiner Plattenfirma?

Welche Position Irminsul dabei einnimmt, diese Beurteilung überlasse ich anderen. Irminsul gibt es nun schon einige Zeit und mein Ziel war stets dasselbe; Untergrund-Gruppen zu veröffentlichen ohne gewinn orientiert zu arbeiten oder danach zu gehen, welche Band oder welcher Trend gerade in ist.

Wie sieht es mit künftigen Veröffentlichungen über Irminsul Records aus, gibt es nennenswerte Vorhaben?

Das erste Wolfhetan Album „Entrückung“ wird wohl noch dieses Jahr als CD erscheinen und man kann auf dieses Album wirklich sehr gespannt blicken, eines der besten deutschen Black Metal Alben das ich in den Letzten Jahren hörte. Sonnst gibt es derzeit keine Pläne, aber ich bin für gute Untergrund Bands, die mir gefallen, immer offen.

Die älteren Odal- Veröffentlichungen sind längst schon ausverkauft und zuweilen gesuchte Raritäten. Besteht jemals die Möglichkeit einer Wiederveröffentlichung und unabhängig davon, wie stehst Du zu Wiederveröffentlichungen generell?

„Sturmes Brut“ wurde ja bereits als Digipack wieder veröffentlicht, für LP Widerveröffentlichungen bin ich jedoch nach wie vor nicht zu sprechen, die „Einst verehrt von allen“ MCD war ja nicht limitiert und sie wird voraussichtlich Anfang kommendes Jahr noch einmal aufgelegt werden. Also meine Meinung zu Widerveröffentlichen: CD neu auflegen ja, LP Version auf keinen Fall.

„…wilde Kraft“ ist zwar noch nicht veröffentlicht worden, gibt es dennoch bereits Pläne oder Neuigkeiten für anstehende Aktivitäten die schon spruchreif sind?

Für Odal ist im Moment nichts spruchreif, ich arbeite an neuem Material, aber es wird allerdings eine Zeit dauern bis neue Veröffentlichungen fixiert werden. Für Wolfsschrei – wenn ich an dieser Stelle darauf hinweisen darf – nehme ich zur Zeit das erste Album auf, welches Anfang/Mitte 2006 erscheinen soll. Und es wird an der Seelengreif CD gearbeitet, das Projekt in welchem die Ideen von Grroll umgesetzt werden.

Taaken, ich danke Dir für das Gespräch und überlasse Dir das letzte Wort.

Ich bedanke mich bei Dir Aceust, für deine Unterstützung und dein Interesse an unserem Schaffen. Des Weiteren wünsche ich Dir weiterhin ein Gutes gelingen mit deinem Netzmagazin.

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