Inquisitor – Clinamen | Episteme

Inquisitor - Clinamen | Episteme

Inquisitor - Clinamen | EpistemeVor etwa vier Jahren konnten mich INQUISITOR aus Litauen mit ihrem Erstling „The Quantum Theory of Id“ völlig überraschend überzeugen. Sowohl thematisch als auch inhaltlich hinterließen INQUISTOR mehr als nur einen interessanten Eindruck. Auch auf dem Nachfolger „Clinamen | Episteme“ geht man in die Vollen. Musikalisch gibt es erneut ein komplexes, vielseitiges und hochgradig progressives Gebräu. Inhaltlich wird es wieder hochphilosophisch, beschäftigen sich INQUISITOR doch erneut mit dem Determinismus sowie dem Begriff ‚Clinamen‘, der eng mit Titus Lucretius Carus, einem römischen Dichter und Philosphen, verwoben ist.

Musikalisch gefällt mir „Clinamen | Episteme“ besser als der Vorgänger, unter anderem weil INQUISITOR druckvoller, energischer und klarer klingen. Der Klang ist zudem etwas wärmer, was dem verschlungenen und dynamischen Spiel sehr gut tut. Obgleich INQUISITOR immer wieder auf komplizierte, vertrackte und chaotisch anmutende Strukturen zurückgreifen, empfinde ich die Kompositionen wesentlich zugänglicher und bekömmlicher als etwa die von ABIGIOR, ARCTURUS oder VED BUENS ENDE.

INQUISITOR sind einerseits sehr technisch und komplex. Sie arbeiten mit einer ungeheuren rhythmischen und harmonischen Vielfalt, was nicht immer leicht zu fassen ist. Andererseits gibt es neben dem harschen, traditionellen Black Metal Gesang auch immer wieder rigorose und geradlinige Raserei. Dies sind erdende Elemente, die das Progressive und technisch Komplizierte geschickt im Zaum halten.

Besonders gut gefallen mir, das war auch schon auf „The Quantum Theory of Id“ so, die wunderbaren Piano-Einlagen. Sie haben einen besonderen Reiz, da das Piano manchmal wahnsinnig, entrückt und fehlplatziert wirkt, was manchmal einen heftigen Kontrast zum Black Metal darstellt. Doch das ist nicht immer so. Andernorts überzeugt das Piano durch wunderschöne klare Melodien die kraftvoll, bombastisch und ergreifend sind.

Ich bin und war noch nie ein besonderer Freund des Avantgarde Black Metals. Oftmals empfinde ich diese Spielart als viel zu anstrengend und kompliziert. „Clinamen | Episteme“ ist alles andere als monoton und schlicht, dennoch gelingt es INQUISTOR, im Gegensatz zu vielen anderen Bands in diesem Bereich, mich anzuspreche, mich zu berühren und zu fesseln. Trotz aller vertrackter Komplexität und Vielschichtigkeit gibt es immer wieder eine klare Linie, tolle Melodien sowie die nötige Härte.

Inquisitor – Clinamen | Episteme
2014 | Forgotten Path
CD | Black Metal

1. Hearken, Memmius!
2. Hence The Mouthful Of Time
3. Quae Sint
4. Evidence. The Inexorable Dowry
5. Of Waters And Circling Thetis
6. Peri Hermeneias

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