Inquisitior – The Quantum Theory Of Id | 2010 | Forgotten Path | CD | Black Metal

Der litauische Fünfer Inquisitor wurde bereits 2002 gegründet, doch erst im vergangenen Jahr kam es, nach zwei Demos, zur Veröffentlichung des Debütalbums The Quantum Theory of Id. Musikalisch bewegt man sich im Avantgarde Black Metal, wobei der konzeptionelle Inhalt des Albums mindestens genau so interessant ist. In ihrem Album beschäftigen sich Inquisitor mit mathematischer Identität, Determinismus und Indeterminismus. Dieses riesige mathemtisch physikalische Themengebiet passt sehr gut zum modernen Black Metal und spiegelt sich auch im ansprechenden sowie klug gestalteten Booklet des Digipaks wieder. Jedes der vier Lieder (Infimum ist lediglich eine Einleitung) ist in drei Kapitel unterteilt, zu dem es einen eigenen abgedruckten Text gibt.

Musikalisch ist The Quantum Theory Of Id ein sehr vielfältiges Album, auf dem Eingängigkeit ein Fremdwort zu sein scheint. Die vier Lieder sind alle um die zehn Minuten lang und enthalten viel Abwechslung, wobei ein Grundelement immer wieder auftaucht. Es ist oft ein melodisch gespieltes Piano zu hören, welches schon für sich genommen sehr experimentell ist und mich immer wieder an die wahnsinnige EP Kittens von Caverns erinnert. Mir gefallen diese Pianopassagen sehr gut, da sie überaus unkonventionell sind und nicht mit den ansonsten üblichen symphonischen Keyboardarrangements im Black Metal zu vergleichen sind. Das Piaonospiel von Inquisitor ist manchmal irrwitzig und rasant, dabei auch überaus melodisch, aber doch niemals zu übertrieben oder aufdringlich. Der Black Metal, der drumherum zu hören ist, ist manchmal überaus technisch, vollgepackt mit trockenen aber melodischen Riffs, andernorts aber auch enorm zupackend und kraftvoll treibend. Da jedes Lied in drei Kapitel aufgeteilt ist, ist jedes Lied auch sehr abwechslungsreich ausgestaltet worden. Es ist permanent etwas in Bewegung, es gibt keine Wiederholungen und es fehlen klassische Strukturen, in der sich Strophe, Refrain und Wiederholung abwechseln. Auf den ersten Blick mag dies sperrig und schwierig erscheinen, doch es funktioniert erstaunlich gut. Im Prinzip wirkt das Album sogar wie ein einziges, überlanges, sich ständig veränderndes Lied, bei dem man gespannt ist, in welche Richtung die nächste Veränderung führen wird. Inquisitor verstehen es ausgezeichnet, eigenwillige Harmonien und konsequente Abwechslung zu einem flüssigen roten Faden zu vereinen. Mich stört oft an solchen melodisch-avantgardistischen Platten das Flackernde und Unstete. Gefrickel, lebendiges Riffing und technische Verschachtelungen gibt es zwar auch hier, aber in einem gesunden Maße, zu dem auch direkt und geradeaus gespielte Passagen gehören. Zudem sind immer wieder auch tolle Melodien zu hören, die klar und ergreifend sind.

The Quantum Theory Of Id ist eine sehr gute und intensive Scheibe, die auf der einen Seite zwar überaus melodisch und verspielt ist, auf der anderen Seite aber eben auch direkte Klarheit und packende Härte besitzt. Zusammen mit der inhaltlichen Thematik und dem gut gemachten Digipak ist das Album jedem zu empfehlen, der unkonventionellen, experimentellen Black Metal mag.

9/10
Aceust

01. Infimum
02. Pricipia mathematica philosophiae naturalis
03. Die Welt als Wille und Vorstellung
04. Corpus hermeticum
05. The end of certainty; supremum

http://www.inquisitor.lt/
http://forgotten-path.lt/

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