Grausamkeit / Khaomega – Anfahrt liegend Kranke

Grausamkeit & Khaomega - Anfahrt liegend Kranke

Grausamkeit & Khaomega - Anfahrt liegend KrankeIrgendwie beschreibt der Name dieser Split-CD kryptisch und treffend zugleich den Inhalt. Das saarländische Einmann-Black-Metal-Kommando GRAUSAMKEIT lärmt bereits seit 1994 durch den Untergrund, sät dabei Hass und Abscheu und verherrlicht nicht nur den obligatorischen Teufel, sondern auch Drogen wie Heroin. In gewissen Kreisen genießen einige der zahlreichen Demos so etwas wie Kultstatus. Dies liegt sicherlich nicht nur am besonderen Stil, der andere Bands womöglich inspiriert hätte, sondern vor allem an dem Auftreten und der Selbstinszenierung, aber auch Demonamen wie „Pink Green 666“ oder Lieder die „PCP Jesus“ heißen, trugen dazu bei.

Über KHAOMEGA gibt es vorab weniger zu berichten, die Diskographie gibt einfach nicht genug her, so existiert neben dieser Split-CD nur eine 2014 veröffentlichte Demo.

GRAUSAMKEIT ist mit sechs Liedern vertreten, die genau das enthalten was man von GRAUSAMKEIT auch erwartet: Primitivsten, rohen Black Metal. Die saarländische Einmann-Armee spielt ‚grausamen‘ Black Metal für Freunde des schlechten Geschmacks. Der Klang ist sehr bescheiden, von der Gitarre ist oft kaum etwas zu hören, da die Keyboards und der massiv verzerrte Gesang im Verhältnis zu laut sind, und auch das Schlagzeug findet relativ vernachlässigt im Hintergrund statt.


Die meisten Menschen werden den Black Metal von GRAUSAMKEIT als Schrott abtun. Mich persönlich stört vor allem das grässliche und lästige Keyboard, einerseits weil es oftmals krude und obskur ins harmonische Geschehen eingreift, andererseits weil ich dieses Instrument grundsätzlich skeptisch betrachte und der Meinung bin, weniger ist mehr. Wer bizarren, rohen, lärmenden und fanatischen Black Metal von Gruppen wie OLD PAGAN, GRABSCHÄNDER, STAUB und Konsorten schätzt, wird mit GRAUSAMKEIT ganz sicher glücklich werden.

Nordan und Frater Epitheton von KHAOMEGA spielen zwar nicht unbedingt auf Hochglanz polierten Black Metal, doch sind die drei Arrangements leichter zugänglich als die von GRAUSAMKEIT. Roh und primitiv sind aber auch KHAOMEGA, daran besteht kein Zweifel, doch verfolgen sie eher als GRAUSAMKEIT eine klangliche Zuträglichkeit, die nicht nur Fanatiker anspricht.


KHAOMEGA erweisen sich bei genauerer Betrachtung sogar als überraschend vielfältig. Wenn man mal das programmierte Schlagzeug außen vor lässt, welches leider gerade während der rasenden Parts etwas störend, da arg mechanisch und künstlich klingend, in Erscheinung tritt, erweisen sich vor allem die Gitarren als recht facettenreich. Neben kalten und melodischen Black-Metal-Akkorden, die bisweilen ein wenig wirr und konfus wirken, gibt es auch Akustikgitarre oder (thrashige) Soli zu hören. Manchmal ist mir das Gitarrenspiel zu melodisch, bzw. die melodische Gitarre sagt mir harmonisch einfach nicht zu. Doch dies liegt überhaupt nicht am etwaigen Unvermögen, denn mit den thrashigen Soli oder den ruhigen, für sich allein stehenden Melodien, wird spielerisches Können bewiesen. Da wundert es vielleicht auch nicht, dass mir „Micama Goho pe-IAD“ am besten gefällt. Es ist das längste Lied von KHAOMEGA und zugleich auch ein Instrumental. Es ist eine spielerische Genreverschmelzung von Black, Thrash und Death Metal. Ich finde, es hat ziemlich gute Riffs und hier wirkt auch das programmierte Schlagzeug nicht so unecht.

 

„Anfahrt liegend Kranke“ ist absoluter Untergrund Black Metal. Beide Gruppen sind Lichtjahre davon entfernt, irgendwem gefallen zu wollen. Sie machen ihr Ding und fühlen sich dem Black Metal verbunden, dies ist auch hör- und spürbar. Hier geht es musikalisch ehrlich und schlicht zu, was eben auch mal gemein und verstörend ist. Ich bin mit GRAUSAMKEIT noch nie warm geworden, daran ändert auch „Anfahrt liegend Kranke“ nichts. Da finde ich KHAOMEGA wesentlich interessanter, schade dass es die Formation nicht mehr gibt.

Grausamkeit / Khaomega – Anfahrt liegend Kranke
CD | Dominance Of Darkness Records / Narbentage Produktionen / Walpurgisfeuer
2016 | Black Metal

GRAUSAMKEIT
1. Intro – Okkultes Blut
2. Satan’s Hass
3. Schwefel
4. Freude am Töten
5. Journey In The Abyss
6. Kein N-tkommen

KHAOMEGA
7. Khaomega
8. [Z] Ehrfurcht
9. Micama Goho pe-IAD

https://www.facebook.com/GrausamkeitBand
http://sacreddread.blogspot.de/p/blog-page_19.html
http://www.dod-records.de/
http://www.narbentage.de/

Schreibe einen Kommentar