Germ – Wish | 2012 | Eisenwald | CD | Experimental Black Metal

Hinter GERM steht der umtriebige Australier Tim, der unter anderem durch sein Mitwirken in AUSTERE, NAZXUL oder GREY WATERS bekannt sein dürfte. Es gibt noch wesentlich mehr Gruppen in denen er seine Finger mit im Spiel hat oder hatte, aber für GERMs Debütveröffentlichung reichen diese Informationen völlig aus. Mit GREY WATERS konnte ich persönlich zwar nicht viel anfangen, doch war der Einsiedler von Below The Ever Setting Sun begeistert. Das Album Wish könnte man nun irgendwie als eine Mischung aus AUSTERE und GREY WATERS verstehen. Musikalisch ist Wish ein eher ruhiges, atmosphärisches und sphärisches Werk, auf dem oft und ausgiebig Synthesizerklänge zu hören sind, die mich stark an die Synthesizermusik der 80iger erinnern (da verwundert auch der Verweis zu Jean Michel Jarre nicht, den GERM hier mit den Liednamen Oxygen gibt). Zumeist ist dies auch richtig gut, aber manchmal auch etwas zu viel, da der Synthesizer dann die weitaus besseren Gitarren übertönt. So ist es jedenfalls in An Overdose On Cosmic Galaxy, in dem es hervorragende Gitarrenmelodien gibt, die absolut ergreifend sind und eine packende Emotionalität zwischen tiefster Depression und frühlingshaftem Erwachen besitzen. Durch den permanenten – und gewiss nicht schlechten – Synthesizer wird dieser Gitarrenklang aber manchmal, bedauerlicherweise, abgeschwächt.

Wish ist durch seine Konzeption heraus ohnehin ein sehr emotionales Werk. Da ist der sterile Kreischgesang, wie man ihn von AUSTERE her kennt, der mit 80iger Jahre Synthesizer gemeinsam ertönt, was für sehr interessante und intensive Momente sorgt. Durch diese kontrastreiche Komposition entstehen aneinander reibende und aufreibende Gebilde, die, wie in Breathe In The Sulphur / A Light Meteor Shower dann auch noch großartig orchestral angereichert werden. Dort treffen dann klassischer Bombast, schwärzeste Depression und die unbedachte Leichtigkeit der 80iger Jahre grandios aufeinander. Musikalisch kann man diese Form der Musik kaum in ein Genre zusammenfassen. Dafür ist Wish zu eigenständig. Durch den Gesang ist der Black Metal zwar vertreten, doch musikalisch und instrumental, ist Wish rockig, „spacig“, auch hinsichtlich der Liednamen, aber auch bombastisch, atmosphärisch, klassisch und episch. Ich weiß nicht so genau für welche Hörerschaft dieses Werk geeignet oder gedacht ist, aber das was GERM hier geschaffen hat, ist in jedem Fall großartig. Da stören mich sogar die Klargesänge nicht, die meinen Geschmack zwar verfehlen, doch durch die großartigen Harmonien und ausladenden epischen Arrangements mehr als wett gemacht werden. Anders als bei AUSTERE, gefällt mir hier jedoch der sterile und von Depression geschwängerte Kreischgesang. Denn die Musik, die durchaus auch sehr melodisch ist und viel Synthesizer-Elektronik beinhaltet, gibt dem Kreischgesang einen völlig neuen Kontext, in dem er ganz anders wirkt und zur Geltung kommt. Im Grunde kann man Wish auch als düsteren Space Rock kategorisieren, der auch Elemente der Klassik und Elektronik beinhaltet. Am Ende des Albums, genau genommen mit Your Smile Mirrors The Sun, schlägt sich dann doch vermehrt der Black Metal durch. Es ist ein schnelles, ja geradezu rasendes Lied, mit symphonischer Untermalung, die orchestral anmutet und durchaus auch an NAZXUL erinnert.

Ich bin jedenfalls sehr überrascht, wie gut die Vermischung von Klassik, Rock, 80iger Jahre Elektronik und Depressive Black Metal funktioniert. Wish ist ein überaus eindringliches und emotionales Album, welches wohl auch eine eigenes Genre bildet. Der Verweis auf Musik der 80iger ist zwar nicht neu, neu hingegen ist aber doch diese vehemente Verwendung der Synthesizerklänge, wie man sie früher viel und gern von Jean Michel Jarre hörte. Mindestens ebenso gelungen und gut sind die Einflüsse der Klassik, die der Musik eine sehr bombastische und eindringliche und nicht zuletzt auch epische Beseelung beschert. Wish ist absolut empfehlenswert und seit heute im Handel erhältlich! Auch wenn mir persönlich der Klargesang – der selten vorkommt – missfällt und ich in An Overdose On Cosmix Galaxy die Gitarre gern etwas deutlicher hören würde, komme ich nicht umhin für Wish die volle Punktzahl zu vergeben, denn Wish hat Klasse und ist ein Gesamtkunstwerk von herausragendem Range, dies gilt es zu würdigen.

10/10
Aceust


01. An overdose on cosmic galaxy
02. Asteroid of sorrow
03. Oxygen
04. Breathe in the sulphur / A light meteor shower
05. Gravity
06. Flowers bloom and flowers fall, but I’m still waiting for the spring
07. Infinity
08. Your smile mirrors the sun
09. Wish

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