Geïst – Kainsmal | 2006 | Cold Dimensions | CD | Black Metal

Mit dem ersten Album Patina sind Geïst irgendwie unbemerkt an mir vorüber gezogen. Deshalb habe ich nun mal kurz hineingehört, um zu schauen wie sich Geïst nun mit Kainsmal so machen. Wenn ich mich nicht völlig irre, ist Kainsmal härter, druckvoller und teilweise auch eingängiger als sein Vorgänger. Mit Erben der Einsamkeit beginnt das Album jedenfalls rasend schnell und antreibend mit einer gewissen aggressiven Note. Es gibt allerdings einige, gut in Szene gesetzte Pausen, die durch eine brillante Melodik bestechen und die Brachialität somit ein wenig entschärfen. Einst war es Wein beginnt zwar sehr ruhig mit einer instrumentalen Einleitung, doch danach legen Geïst ebenso schnell und geradlinig los wie schon zuvor in Erben der Einsamkeit. Die ruhigen und melodischen Arrangements kommen in Einst war es Wein jedoch weitaus öfters und ausgiebiger vor, so ist die zweite Hälfte des Liedes eine sehr atmosphärische und kraftvolle Inszenierung, fern von jeglicher Härte.

Trotz des schnellen und eingängigen Anfangs ist Lykoi ein sehr melodisches Stück, in dem sowohl ein Chor wie auch ein Keyboard zum Einsatz kommen. Aber auch die vielfältig gespielten Gitarren, die zum teilweise sehr im Vordergrund stehen, tragen maßgeblich zu dieser hohen atmosphärischen und melodischen Dichte des Liedes bei. Vor allem der instrumentale Mittelteil hat es wahrlich in sich. Mit Stille Wasser folgt ein sehr kraftvolles Lied, in dem es mehrere sich abwechselnde Rhythmen gibt, die schleppend, stampfend und auch antreibend sind. Die Strukturen sind hierbei, gerade in den schleppenden Bereichen, sehr kompakt und detailreich.
Am Ende von Kainsmal ist die Stimme von Klaus Kinski zu hören, wie sie das Gedicht „Vereinsamt“ von Friedrich Nietzsche vorträgt. Während dieses Vortragens verebbt das Lied langsam und hinterlässt ein interessantes, beklemmendes Gefühl.

Kainsmal ist ein sehr ansprechendes Album, in dem die Schnelligkeit und damit verbundene Härte meisterlich mit den zahlreichen melodischen Elementen vereint wird. Hierzu passt auch der differenzierte und klare Klang gut, der wohl besser ausgefallen ist als auf Patina.

01. Erben aller Einsamkeit
02. Einst war es Wein
03. Lykoi
04. Stille Wasser
05. In Pans Hallen
06. Kainsmal

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