Fäulnis – Cholerik: Eine Aufarbeitung² | 2008 | Karge Welten Kunstverlag | CD | Black/Dark Metal

Diese Wiederveröffentlichung wurde komplett neu gemastert, enthält im 12seitigen Booklet zahlreiche Informationen rund um das Schaffen von Fäulnis und wartet darüber hinaus mit drei Bonusstücken auf. Mir ist die Originalveröffentlichung von 2004 nicht bekannt, weshalb ich unvoreingenommen zu Werke gehen kann.

Im Booklet wird Cholerik: Eine Aufarbeitung² als roh und unstrukturiert umschrieben, was sicherlich zutreffend ist. In der Einleitung ist ein einfacher, getrommelter Rhythmus zu hören, der von irgendwelchen Schmerzensschreien begleitet wird. Mit Invokation folgt dann ein sehr gutes und düsteres Lied, welches mir auf Anhieb am besten gefällt. An Invokation gefällt mir vor allem das Wechselspiel zwischen dem ätzenden, verzerrtem Kreischgesang und dem klaren, unverzerrten und sonoren Gesang. Für gewöhnlich mag ich klare Gesänge überhaupt nicht, doch in diesem Falle umso mehr, zumal die musikalische Untermalung sehr gut ist. Invokation beginnt mittelschnell treibend mit einer leicht melodisch gespielten Gitarre und verändert sich zu einem schneller werdenden, roh klingendem Wutsturm.

Es folgt Zwischenspiel I: Die Lästerzungen. Eine irre und vom Wahnsinn getriebene Stimme rezitiert François Villon und stellt detailreich dar, wie man Lästerzungen gefälligst zu schmoren hat. Untermalung findet das Ganze dann natürlich von düsteren Hintergrundklängen. Zwischenspiel I geht nahtlos in Gespien über, welches extrem harsch und schnell beginnt. Auf diesen wüsten und heftigen Anfang folgt eine düstere und beklemmende Passage, bestehend aus düsteren Keyboardklängen, eine klaren, englisch sprechenden Stimme und anderen Stimmenfragmenten, die teils verzerrt, teils unverständlich sind und leises Schluchzen oder lautes Atmen sein könnten. Erst in der letzten Minute wird es wieder metallisch, wobei dann auch übelstes Geknüppel und Gegrunze zu hören ist, was sich durchaus ein wenig nach zünftigem Grind anhört.

Weniger extrem geht es mit Die Tote vom Flussufer weiter, einem schleppend bis mittelschnell gehaltenem Lied. Das Riffing ist grell klingend, leicht melodisch und recht eingängig. Viel interessanter und vielfältiger ist da der Gesang, der entweder stark verzerrt, klar oder sehr tief und kehlig ist. In der Mitte folgt ein sehr klarer Part mit Akustikgitarre, bevor das Lied dann kraftvoll schleppend ausklingt.

Die Synthetikversion von Invokation ist zwei Minuten länger als das Original und wurde von K. Zwiespalt von Stillhet interpretiert. Es ist ein sehr schönes und ruhiges Lied, das gern auch zehn Minuten länger hätte sein können.
30. Juli, bewölkt ist ein recht ruhiges, atmosphärisches aber dennoch kraftvolles Lied, mit zum Teil recht rockig wirkenden Riffs. Die hellen, sphärisch klingenden Gitarrenmelodien erinnern mich stark an das neuste Nachtmystium Album. Am ausdrucksstärksten ist allerdings der Gesang, der erneut sehr abwechslungsreich ist und klare wie auch verzerrte Züge hat.

Der letzte Titel II wird in einer etwas anderen Form auf dem kommenden Album Gehirn zwischen Wahn und Sinn vertreten sein. Es ist ein langsames Lied, in dem ruhiges, leicht dunkelharmonisches Gitarrenspiel die Stimmung dominiert. Wirklichen Gesang gibt es nicht, stattdessen ist ein fernes Rufen oder Flüstern zu hören.

Cholerik: Eine Aufarbeitung² ist sicherlich ein sehr interessantes Werk mit einer tiefgehenden Gedankenwelt. Doch gänzlich überzeugen kann es mich nicht, da mir auf Dauer die vielen düsteren Parts zwischen den metallischen Passagen und Liedern auf die Nerven gehen. Das Zusatzmaterial wertet die Veröffentlichung jedoch auf.
Invokation zum Beispiel ist ein grandioses Lied, das ich mir fünfmal nacheinander anhören kann und auch die metallischen Anteile von Gespien sind genau mein Fall. Doch das Drumherum stört mich ein wenig. Sicherlich ist der von Fäulnis erdachte Terminus „Sick Black Art“ mehr als passend. Ich weiß jedoch nicht, wie sich Fäulnis auf den beiden späteren Werken Letharg und Kommando Thanatos musikalisch entwickelt hat, allerdings würde ich mir persönlich mehr vom extremen Metal wünschen.

01. Einleitung
02. Invokation
03. Zwischenspiel I: Die Lästerzungen
04. Gespien
05. Zwischenspiel II: LaVT
06. Die Tote vom Flussufer
07. Ausklang
08. Invokation (Synthetik 2007)
09. 30. Juli, bewölkt
10. II

http://www.sickblackart.de/

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