Faethon – Immortal Ancient Spirit | 2009 | Blazing Productions | CD | Black Metal

Was hat das alte Hellas nicht für eine beeindruckende Geschichte! Ein Land voller Mythen, das auch heute noch viele Menschen in seinen Bann zieht, denn der reichhaltige Fundus an Kultur bietet Ansatzpunkte für Menschen unterschiedlichster Interessengebiete. Im Bereich der Subkulturen und speziell im Black Metal ist Hellas ebenfalls ein markanter Punkt auf der Landkarte. Hinter Faethon steckt Apollo, seines Zeichens zwar kein Gott, aber immerhin Hellene. Immortal Ancient Spirit geizt auf den ersten Blick nicht mit Anspielungen auf die eigene Vergangenheit und stimmt mit antiker Optik ein.

Das Folgende ist leider sehr ernüchternd. Auf der Suche nach gutem Liedgut begebe ich mich auf eine Odyssee, die leider nicht so wertvoll wie Homers Epos ist. Auf dem Meer treibend lasse ich allerlei Gefahren hinter mir: Unangenehm kratzige Gitarren ohne jede Feinheit, ein polterndes Schlagzeug und insgesamt eine sehr magere Qualität. Poseidon scheint mir jedoch wohlgesinnt und inmitten der Wogen können zumindest synthetische Choreinsätze eine Richtung andeuten, in die mich meine Irrfahrt führen wird. Obwohl der Musiker selbst seine Musik als eine Mischung aus nordischem und hellenischem Black Metal sieht, kommt es mir so vor, daß mein Schiff gerade einen Abstecher über die Ostsee ins heidnische Polen macht. Von dort aus geht es dann auf dem Land ins benachbarte Germanien, um einer Nachspielversion von Absurd zu lauschen. Germanien könnte genauso gut darauf verzichten, denn die Version ist nicht berauschend. Da ich mich ja auf einer Irrfahrt befinde, geht’s erneut nach Polen, dieses mal wurde Thor’s Hammer mit einer Nachspielversion gewürdigt, aber auch die ist alles andere als unverzichtbar – seltsamerweise schwankt zwischen diesem Lied und dem Rest der Schlagzeugklang, der jetzt deutlich künstlicher wirkt. Statt nach diesem Stück erneut in See zu stechen, lasse ich das Album ausklingen und bleibe lieber gleich in heimischen Gefilden.

Wer meine Zeilen zu kryptisch findet, bekommt noch eine kurze Zusammenfassung. Immortal Ancient Spirit leidet darunter, daß es als Werk viel zu schwachbrüstig auftritt. Die kratzigen Gitarren wurden schlecht aufgenommen und können in keiner Form überzeugen. Das Schlagzeug dürfte zumindest nicht virtuellen Ursprungs sein, ist dafür wiederum ziemlich rumpelig. Einzig das Tasteninstrument kann einige Lichtblicke – wenn auch nur kleine – verschaffen, doch das gab es alles schon viel besser, beispielsweise in der neueren Schaffensperiode von Graveland und Konsorten. Faethon kann mich in keiner Hinsicht überzeugen und mich beschleicht das Gefühl, daß man versucht, das mit solchen Nachspielversionen und einem anrüchigen Ruf zu kompensieren. Das klappt natürlich nicht und Faethon steigt mit diesem Album sicher nicht in den hellenischen Metalolymp auf.

3/10
Der Einsiedler

01. The silent whispers of the pagan countryside
02. Awakening of blood
03. The forest is alive
04. Till next the avatar
05. The gates of heaven (Absurd Cover)
06. May the hammer smash the cross (Thor’s Hammer Cover)
07. Visions of the glorious past

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