Aquilus – Griseus | 2012 | A Sad Sadness Song | CD | Black Folk Metal

Mit der Verpflichtung von AQUILUS ist ATMF wohl ein sehr guter Fang gelungen. AQUILUS ist ein australisches Einmannprojekt, welches überaus atmosphärische Musik spielt, die sich aus Metal, Black Metal, Neo-Klassik, Folk und Neo-Folk nährt. Und nein, es handelt sich hierbei nicht um Tim, obwohl man es denken könnte. AQUILUS‘ Debütalbum Griseus erschien bereits im Dezember des vergangenen Jahres in Eigenregie und wird jetzt im Mai über das ATMF-Sublabel A Sad Sadness Song der breiteren Masse zugänglich gemacht.

Griseus ist fast 80 Minuten lang und vollgepackt an verträumten Atmosphären. Bereits das Auftaktlied Nihil, welches allein schon 14 Minuten andauert, ist packend. Nihil ist eine großartige Mischung aus atmosphärischem (Black) Metal, Neo-Klassik, Neo-Folk und gewissen epischen Anleihen von monumentaler Filmmusik. Es gibt Streichinstrumente, bissig harschen Kreischgesang, liebliche Akustikgitarre und jede Menge Harmonien zu hören. Überraschend ist dabei die tolle instrumentale Umsetzung. Man hat überhaupt nicht den Eindruck es hier mit einem Solisten zu tun zu haben. Wie viel von Hand gespielt und was aus der Konserve kommt kann ich nicht einschätzen, ist mir aber auch egal, da die Umsetzung, die Atmosphäre einfach gelungen, erstklassig ist. Manch ein Arrangement in Nihil erinnert mich gar an METALLICAS Livealbum „S&M“. Mit METALLICA hat die Musik von AQUILUS natürlich nichts zu tun, doch kommt die Vermischung von Orchester und Metal der Atmosphäre von „S&M“ manchmal recht nahe. Es ist aber nicht nur die Klassik die gefällt, auch die Anleihen des Neo-Folk, die martialisch wirken, sind prägnant inszeniert und fügen sich sehr gut ins Gesamtkonzept.

In Loss ist phasenweise schön gespieltes Piano zu hören, welches sowohl allein als Soloinstrument als auch im Verbund mit Streichinstrumenten und orchestraler Inszenierung zu hören ist. Am Ende von Loss kommt dann sehr kraftvoll und energisch atmosphärischer (Black) Metal hinzu, mit wuchtigem Schlagwerk und verzerrtem Kreischgesang. Chorgesang und ein Soli gibt’s dann sogar auch noch. Es ist also ein hochgradig reichhaltiges und vielseitiges sowie opulentes Werk, welches man hier vorgesetzt bekommt. Wer irgendwie auch nur ein wenig schöne Harmonien und orchestrale Musik mag, wird von Griseus mit absoluter Sicherheit begeistert sein. Nach dem, vom Piano bestimmten Loss, folgt dann Smokefall, welches in den ersten Minuten von kräftigen Riffs und treibendem Schlagwerk bestimmt wird. Hier zeigt AQUILUS eine weitere Facette. Zwar kommen dann auch wieder neo-klassische Arrangements hinzu, doch überrascht die Brillanz der brutalen Riffs, die an Death Metal erinnern. Zu diesem Eindruck trägt auch der tiefe, kehlig verzerrte Gesang bei, der kurz zu hören ist.

Auf Griseus gibt es keinen Reinfall. Jedes Lied ist von Anfang bis Ende ein Genuss. Obwohl wir erst Mai haben, steht schon jetzt der heißeste Anwärter auf das Album des Jahres fest. Griseus ist ein absolut überragendes und empfehlenswertes Album, das sich niemand entgehen lassen sollte, der atmosphärische Musik mag. Griseus ist ein bombastisches und überwältigendes Album. Unfassbar, dass dies alles aus der Feder einer einzelnen Person kommen soll. Also, Augen auf! Die CD soll jetzt irgendwann im Mai in den Handel kommen.

10/10

01. Nihil
02. Loss
03. Smokefall
04. In lands of ashes
05. Latent thistle
06. Arboreal sleep
07. The fawn
08. Night bell

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