Woods Of Infinity – Förlåt | 2011 | Obscure Abhorrence | CD | Black Metal

WOODS OF INFINITY gibt es zwar nicht mehr, doch ist dies natürlich kein Hindernis das letzte Album in Augenschein zu nehmen. Ich habe mich bisher nicht wirklich mit den Schweden beschäftigt, denn wenn ich mal etwas zu Gehör bekam, sagte es mir oberflächlich wahrgenommen nicht besonders zu. Dass WOODS OF INFINITY im Laufe der Zeit einen eigenen, womöglich skurrilen und obskuren Stil entwickelten, ist wohl allgemein bekannt. Überdies scheinen sich die Zwei Hauptakteure Ravenlord und Melkor selbst nicht allzu ernst zu nehmen, wie zwei Photographien im Booklet zeigen, wo man sie sogar freundlich lächelnd sieht. Humor ist schon mal vorhanden, vermutlich von der schrägen Sorte, denn textlich behandeln WOODS OF INFINITY schwierige, politisch inkorrekte Themen wie etwa Pädophilie, doch genau kann ich das nicht überprüfen, da die Texte schwedisch sind.

Nun aber zur Musik. Förlåt ist ein spezielles Album, welches experimentell und eigenartig ist. WOODS OF INFINITY haben das gemacht, worauf sie Lust hatten, völlig losgelöst von irgendwelchen Grenzen und Konventionen. Oftmals wurde stark verzerrter und übertrieben wirkender Gesang mit sehr harmonischen, melodischen und sinfonischen Arrangements kombiniert. Die Einleitung För-låt ist bombastisch und erhaben, sie könnte der Soundtrack eines Hollywood-Streifens sein. Mich erinnert dies immer wieder an die Italiener EVOL, die gleichfalls sehr atmosphärische und orchestrale Arrangements mit einem sehr stark verzerrten, teilweise geradezu grotesken Gesang kombiniert haben. Aber auch an Gruppen wie EROS NECROPSIQUE fühle ich mich erinnert, die mittelalterliche und folkige Harmonien verwendeten. Mitte und Ende der 90iger gab es einige Gruppen, die düstern Metal und Black Metal experimentell und mittelalterlich anreicherten, was sich damals teilweise sehr bizarr und skurril anhörte. Ähnlich hantieren auch WOODS OF INFINITY, wenn auch nicht ganz so bombastisch wie etwa EVOL, dafür aber düsterer, verstörter, depressiver. An all das erinnern mich WOODS OF INFINITY gehörig, was bei mir für leicht nostalgische Gefühle sorgt, was das Album irgendwie sympathisch macht.

Interessant an dem Album ist auch, dass WOODS OF INFINITY mit Walking In The Air ein Lied von Howard Blake covern, der das Stück für einen animierten Kinderfilm („The Snowman“) geschrieben hat und in dem ein neunjähriger Junge singt. WOODS OF INFINITY bleiben melodisch beim Original, haben aber gerade gesanglich natürlich eigene Akzente gesetzt. Mit Gånglåt Från Valhallavägen gibt es ein weiteres Cover, diesmal vom schwedischen Sänger Gösta Linderholm, der hierzulande unbekannt sein dürfte. Das Lied jedenfalls ist sehr folkig, schunkelig und von den Melodien her feuchtfröhlich. Eine weitere Skurrilität ist das 26 Minuten lange Våt Ängsmark, in dem unzählige Samples aus unterschiedlichsten Liedern zusammengeschnitten worden sind. Manchmal klingt das Lied so, als würde man mit dem Auto durch Schweden fahren und am Radio die Sender nacheinander durchlaufen lassen. Auffällig ist, dass es alles sehr ruhige, vor allem vokale Lieder sind, die oftmals nur mit Gesang und dezenter Akustikgitarre daher kommen.

Für ungeübte Ohren ist Förlåt ein obskures und hochgradig schweres und verstörendes Album. WOODS OF ININITY kombinieren klanglich eher dünnen und Höhen betonten Black Metal mit allerlei hier beschriebener Extravaganz. Mit klassischem Black Metal hat man es hier definitiv nicht zu tun, doch wer aufgeschlossen ist und eine Neigung für Skurriles hat, darf das Album gern probieren. Mir gefällt das Album jedenfalls überraschend gut, auch wenn ich es sicherlich nicht immer hören kann.

01. För-låt
02. Förbjuden Fruk
03. Mörkrädd
04. Walking in the air
05. Slicka fitta
06. Underbart
07. Gånglåt Från Valhallavägen
08. De Vilda Vågornas Piran
09. Ursprung
10. Våt Ängsmark
11. Untitled

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