Vom Fetisch der Unbeirrtheit | 2011 | Temple Of Torturous | CD | Black Metal / Experimental

An dieser Veröffentlichung ist alles ein wenig sonderbar, was mit Sicherheit auch so gewollt ist. Neben dem Bandnamen und den Liedbetitelungen ist es auch der Umstand, dass man sich mit Informationen über die beiden Musiker mehr als bedeckt hält. Zudem stellt Psychohygiene nicht nur ein Debütalbum dar, es ist die allerstere Veröffentlichung überhaupt. Dafür sind zwei CDs mit einer Gesamtspielzeit von knapp 108 Minuten echt enorm. Mir liegen leider keine Texte vor, doch die Liednamen wecken in jedem Fall mein Interesse, da ich doch abgefahrene, extreme Musik sehr mag und zu schätzen weiß. Jedenfalls soll es sich hierbei um ein Konzeptwerk handeln, welches sich in die überaus schwierige und komplexe Thematik der menschlichen Psyche mit all ihren Gegensätzen, Widersprüchen und Belanglosigkeiten stürzt.

Musikalisch ist Psychohygiene leider weitaus sperriger und unangenehmer als es der erste Eindruck durch Namensgebung und Aufmachung vermuten lassen würde. Bereits das erste Lied Filterlose Trunkenheit nervt von der ersten Sekunde an mit seltsam anmutendem Riffing, welches mich irgendwie an schlechten Goregrind erinnert. Technisch, steril und abgehakt ist dieses Eingangsriff. Zudem ist Filterlose Trunkenheit neuneinhalb Minuten lang und wird leider nicht besser. Das Riffing ist wirklich grausam, es fehlt jegliches Gefühl für irgendeine Form der Harmonie. Stattdessen sägt die Gitarre jenseits von Gut und Böse mit abstrakten, technischen Verrenkungen die einfach nur nerven. Zudem ist der gedrungene und sehr leise abgemischte Gesang ebenfalls alles andere als gelungen. Eigentlich ist es kein Gesang, vielmehr handelt es sich um eine Stimme, die unverständlich daher spricht und manchmal auch giftig keift.

Die Musik ist in jedem Fall experimentell und kann irgendwo als extremer Dark Metal kategorisiert werden. Rhythmisch gibt es die volle Palette von sehr langsamen Passagen über mittelschnelle Parts bis hin zum rasenden Gekloppe. Zwischen abstrakten, technischen Riffs tauchen auch ruhige, atmosphärische Passagen auf, die das Ganze für mich angenehm auflockern, sodass ich mich vom verstörenden, nervenden Experimental Metal erholen kann. Irgendwann, nach einer ganzen Weile, im über elf Minuten langen Non-Narkotikum, gibts dann sphärischen Ambient. Dieser ist nicht schlecht, kann man gut laufen lassen, ist aber auch nichts besonderes. Danach folgt dann erneut wirrer, starrsinniger Black/Dark Metal mit sehr anstrengenden Strukturen. Erst mit Geistesinfarkt, einem Noisestück, kann ich wieder aufatmen und dem verstörenden Geist von Vom Fetisch der Unbeirrtheit etwas Positives abgewinnen. Damit ist dann der erste Akt Antipodensystem I zum Glück beendet.

Die zweite CD beginnt mit ruhigem Dark Ambient ehe mit Schändungszyklus experimenteller Noise folgt, der in der Tat düster ist und sehr interessante Arrangements besitzt. Weshalb das beste Lied erst nach über 65 Minuten kommt bleibt ein Rätsel. Die zweite CD ist in insgesamt wesentlich interessanter und ansprechender als seine Antipode – um beim Sprachgebrauch der Band zu bleiben. Hier sind die Lieder wesentlich kürzer und es sind eigentlich nur wirre, düstere Klanglandschaften aus Ambient, Noise und anderen abstrakten experimentellen Geistesinfarkten zu hören. In Epitaph gibt es sogar ein wenig EBM mit deutschen Sprachsamples aus irgend einem Film zu hören.

Ich bin von Psychohygiene sehr enttäuscht, so hatte ich mir vom düsteren, experimentellen Black/Dark Metal der ersten CD doch weitaus mehr erhofft, und insgeheim etwas verstörendes und großartiges wie Traumatic Voyage, Bethlehem oder auch EgoNoir erwartet. Davon ist hier keine Spur auszumachen. Vom Fetisch der Unbeirrtheit ist mit seinem Metal Lichtjahre von solchen Bands entfernt. Die zweite CD mit ihren experimentellen elektronischen Liedern kann da schon mehr überzeugen. Und da es sich um zwei Tonträger mit unterschiedlichen Inhalten handelt, werden diese auch gesondert bewertet.

Antipodensystem I: 3/10
Antipodensystem II: 5/10
Aceust

ANTIPODENSYSTEM I
01. Filterlose Trunkenheit
02. Anschließendes Verstummen
03. In erigierter Abgründigkeit
04. Non-Narkotikum
05. Infantile Sinnesfrüchte
06. Zerissenes Stück Hirn-Masse
07. Geistesinfarkt

ANTIPODENSYSTEM II
01. Annäherung: Wechselwirkung – Bipolar
02. Schändungszyklus
03. Infantilismus II
04. Psychogramm
05. Ein toter Wurf
06. Epitaph
07. Imperativ: Kategorische Zerstörung, XIIIx losgelöst
08. Du magst solche Szenen
09. Die Kybernetikfunktion der Psychohygiene

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