Undertow – Don’t Pray To The Ashes | 2010 | Prevision Music | CD | Metal

Undertow kannte ich noch gar nicht, obwohl ich mich mit vielen Metalsparten beschäftige. Sind schon eine Weile am Start, die Jungs – ihr erstes Album brachten sie 1997 raus. Als gute Liveband gelten sie nebenbei auch und das konnten sie schon neben Gruppen wie Crowbar, Katatonia, Danzig, Finntroll, Hypocrisy, Alice Cooper und vielen weiteren beweisen. Für das 6. Album wählte das deutsche Dreiergespann einen programmatischen Titel aus, Don’t Pray To The Ashes bezieht sich auf ein Zitat von Gustav Mahler, wobei ganz ähnliche auch anderen Personen zugeschrieben werden. Sei es drum, im Falle Undertow kündet es bereits von der musikalischen Ausrichtung.

Sinngemäß geht es darum, daß Tradition nicht das Anbeten der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers ist. Undertow meinen das gar nicht in geistiger Hinsicht, sie spielen damit eher auf metallische Traditionen an. Das hängt damit zusammen, daß sie verschiedene Stile des Metals verarbeiten und dabei auch nicht vor Modernität zurückschrecken, demzufolge also nicht bloß eingefahrenen, traditionellen Konzepten folgen. Ob das gut oder schlecht ist, liegt bekanntlich im Auge des Betrachters – viele Bands heben gerade das Traditionsbewusstsein europäischer Metaljünger hervor. Genug geschwafelt, auf zum Umriss der Musik des Trios. Verschiedenste Stilistiken innerhalb und außerhalb des Metals prägen den Einzugsbereich – Thrash Metal, Doom Metal, Hardcore und das reicht noch viel weiter. Anhaltspunkte gefällig? Offensichtlich war Crowbar der häufigste Vergleich, der zwar nicht völlig unbegründet entstand, aber man sollte Don’t Pray To The Ashes nicht darauf reduzieren, Undertow als deutsche Antwort auf Crowbar zu sehen. Dem steht die Vielschichtigkeit des Albums entgegen – nicht nur der Riffgott Iommi hat seinen Einfluss hinterlassen, Drenched In Gasoline hämmert zum Beispiel an Pro Pain angelehnt aus den Boxen. Sogar eine Sitar wird in Threedouble Chime gezupft und das doomige Smoke Garden wird von einem Klavier unterstützt. Sänger und Gitarrist Joshi schafft es immer, auch seinen Gesang an die jeweilige Situation anzupassen – egal ob hart und aggressiv oder etwas ruhiger und gefühlvoll, zweiteres beweist er sogar noch in einer Akustikballade, die versteckt am Ende des Albums kommt. Als Gastsänger gewann man für Beyond Dreaming zusätzlich den Sänger von End of Green. Don’t Pray To The Ashes gelingt es insgesamt, ungeachtet der Vielschichtigkeit an den richtigen Stellen eingängig zu bleiben, die Lieder brauchen nicht erst 10 Hördurchläufe, um zu zünden. Druck satt verschafft den Stücken die Studioproduktion, die selbstverständlich modern ausfällt.

Undertow zeigen auf ihrem 6. Album ihre unterschiedlichen Seiten und liefern ein starkes Brett ab. Wahrscheinlich muss man etwas über den Tellerrand blicken, um dieses Album genießen zu können. Don’t Pray To The Ashes fällt auch auf unserer Seite ein wenig aus dem Raster, aber ich kann trotzdem nichts negatives über das Album sagen.

8,5/10
Der Einsiedler

01. Intro
02. The bitter taste
03. Art of falling
04. Still waiting
05. Threedouble chime
06. Smoke garden
07. Ashtray memories
08. Beyond dreaming
09. File under unexpected
10. Drenched in gasoline

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