Turdus Merula – Herbarium | 2010 | Le Crépuscule Du Soir Productions | CD | Black Metal

Herbarium ist das Debütalbum des schwedischen Einfrauprojekts Turdus Merula, welches bisher mit viel Lob seitens der Presse bedacht wurde. Aber nicht nur, auch La Crépuscule Du Soir prophezeite zur Veröffentlichung vergangenes Jahr, Herbarium würde eine neue Ära im Black Metal einleiten. Schlecht ist das Album mit Sicherheit nicht, es enthält alle Zutaten die man braucht, um ein rundum gelungenes Album zu erschaffen.

Den Anfang macht Datura Stramonium, welches mittels langem Pianopart beginnt und mit diesem auch endet. Das Spiel am Piano ist schön, missfällt mir aber klanglich, da es übersteuert. Ähnliches trifft auch auf das eigentliche Lied zu. Der gequälte und heisere Gesang der Dame formt gemeinsam mit Gitarre und Schlagwerk eine akustische Wand, die zu viele tiefe Töne besitzt und vor allem einfach nur laut wirkt. Schade eigentlich, denn manch ein Riff erinnert mich in seiner Art an Belmez. Datura Stramonium ist sehr lang und so nimmt sich Turdus Merula für die einzelnen Passagen sehr viel zeit, weshalb sich das Lied teilweise auch recht monoton anhört. Roh aber auch sphärisch und bizarr wabern die Klänge dahin.

Wesentlich besser gefällt mir da schon Mandragora Officinarum, das klanglich in die selbe urgewaltige Kerbe schlägt, mir aber melodisch weitaus besser gefällt, zumal auch die überlangen Pianopassagen fehlen. Rhythmisch pflanzt sich Mandragora Officinarum gemächlich in einem treibenden und mittelschnellen Rhythmus fort, der vom schönen, subtilen Gitarrenspiel umsäumt wird, der zunächst an Nachtmystium zu Zeiten von Demise erinnert und dann in eine traumhafte atmosphärische Passage übergeht, bei der ich an Sólstafir denken muss. Turdus Merula entfaltet mit diesem Part eine ähnlich intensive und dichte Stimmung, die eine Mischung aus Traurigkeit und Sehnsucht ist, wie es die Isländer etwa mit 78 Days In The Desert tun.

Im nächsten Lied Colchicum Autumnale verändert sich im Grunde gar nichts, es erscheint als Fortsetzung des vorangegangenen Stückes mit leicht abgewandelter Melodieführung, die aber den selben Tenor verfolgt. Etwas anders ist zwar Actaea Spicata, aber auch nur weil die harmonischen und sphärischen Gitarren auf ein Minimum runter geschraubt wurden und sich das Lied über weite Strecken monoton dahin zieht. Gefällt mir, erreicht aber bei weitem nicht den Ausmaß an Bedrückung wie etwa Blóðtrú auf dem großartigen Album The Death Of The Spirit. Mit Conium Maculatum folgt dann abschließend noch mal ein fast 14 Minuten langes Lied, welches vor allem aus eingängigen, monotonen atmosphärischen Arrangements besteht.

Herbarium ist kein schlechtes Werk, phasenweise ist es sogar richtig gut. Aber in der Summe erreicht es noch nicht die Klasse um ein Meisterwerk zu sein oder gar eine neue Ära zu begründen, auch wenn ich verstehe, wenn sich jemand in diese Scheibe verliebt. Ich habe nichts gegen lange, monotone Passagen wie es sie hier häufig gibt, aber denen fehlt noch das gewisse Etwas um minutenlang fesseln zu können.

Interessant ist es sicherlich noch an dieser Stelle die Namensgebung von Turdus Merula zu erläutern: Turdus merula ist der wissenschaftliche Name der Amsel, Herbarium ist der Begriff für eine Sammlung gepresster und getrockneter Pflanzenteile und die Liednamen sind alles Giftpflanzen wie etwa der Gemeine Stechapfel. Thematisch also durchaus interessant und mal etwas anderes, was somit auch gut zur Musik passt.

7/10
Aceust

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