Trollskogen – Einsamkeit | 2009 | Nihilistische Klangkunst | CD | Black Metal

Ganz frisch ist das neue, dritte Trollskogen-Album inzwischen nicht mehr, da es bereits 2005 und 2006 produziert wurde. Aus irgendwelchen, mir nicht bekannten Gründen, gab es wohl viele Verzögerungen. Vor wenigen Wochen ist Einsamkeit dann jedenfalls erschienen, als Digi-Pak in einer limitierten Auflage von 477 Kopien.

Einsamkeit ist nicht nur zeitlich dem Vorgänger Totenwache nahe, sondern auch stilistisch und atmosphärisch. Einsamkeit ist ein ausgesprochen ruhiges Werk, das einen sehr gelassenen Eindruck macht. Und es verhält sich mit dem dritten Album genau so wie mit den beiden Vorgängern. Man muss sich Zeit nehmen, um einen Zugang zur Musik zu bekommen. Da die Musik stets langsam ist und man auf überraschende Effekte verzichtet, kann die Musik schnell als langweilig empfunden werden. Das ist sie aber nicht, und um dem gerecht zu werden, muss man die Musik bewusst hören.

Der Albumtitel deutet es bereits an, und so schwelgt latent eine gewisse Schwermut in der Melodieführung und im ruhigen Gesang mit. Dabei würde ich allerdings nicht so weit gehen, das Ganze plump und aufschneiderisch als Depressiven Black Metal zu verschreien. Trollskogen erzeugt melancholische Gefühle und Momente der inneren Einkehr nicht durch dramatische Elemente oder sonstige emotionale Ausbrüche, sondern eher durch das Weglassen eben dieser Elemente. Auf Einsamkeit regiert die kultivierte Unaufgeregtheit, erzeugt durch Langsamkeit, dem ruhigen, rauchig und kehlig klingenden Gesang, sowie den grell klingenden Gitarren. Mit der Zeit entwickelt Einsamkeit einen Sog der Trostlosigkeit.

Abgesehen vom instrumentalen Schlußstück, unterscheidet sich nur ein Lied wesentlich von den anderen. Es ist Die Essenz der Verzweiflung, in dem der Gesang heller und greller, Black Metal typischer, verzerrt ist. Aber nicht nur der Gesang unterscheidet das Lied von den anderen. Passagenweise ist es im Verhältnis zu den anderen Liedern recht kraftvoll und dynamisch.

Einsamkeit ist ein gutes Album, das, je öfter man es hört, besser wird. Es ist ein Album von erhabener Ruhe und Schwermut.

8/10
Aceust

01. Ein Kerker aus Fleisch und Blut
02. Hüter des Verfalls
03. Asche und Staub
04. Unter dunklen Schwingen
05. Die Essenz der Verzweiflung
06. Morgengrauen

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