Tribes Of Caïn – Retaliation | 2007 | Fastbeast Entertainment | CD | Death Metal

Retaliation stellt das dritte Album der Schweizer Gruppe Tribes of Caïn dar. Verteilt auf knapp 60 Minuten, wird abwechslungsreicher und melodischer Black / Death Metal geboten.

Abwechslungsreich ist das Material in jeglicher Hinsicht. Es gibt enorm viele unterschiedlich geartete Rhythmen und Tempi, die zum Teil sehr komplex und technisch ausgefallen sind. Zu diesen komplexen rhythmischen Strukturen gehören beispielsweise viele Wechsel innerhalb kurzer Zeit. Aber auch ohne diese Vielzahl an Breaks ist das rhythmische Geflecht von Retaliation stets in Bewegung. Eingängig angelegte Strukturen und Passagen sucht man vergebens. Stattdessen sind die mannigfaltigen mittelschnellen und schnellen Strecken steten Veränderungen unterworfen.

Aber nicht nur rhythmisch ist Retaliation ein abwechslungsreiches wie zugleich auch anspruchsvolles Werk. Das Spiel an den Saiteninstrumenten ist mindestens genauso vielschichtig, wobei das Hauptaugenmerk der Gitarristen auf ein Harmonie- und Melodie bedachtes Spiel liegt. Eingängige oder harte Riffs sind selten, dafür sind umso öfter und ausgiebiger harmonische Melodieführungen zu hören, deren Spektrum weit gefächert ist. So gibt es zarte, dunkle und unaufdringliche Harmonien wie auch filigranes Riffing der Marke Dissection, welches in Where blood runs cold zu hören ist. Das komplexe Songwriting schlägt sich aber auch auf das Gitarrenspiel aus, welches neben den klaren Harmonien auch zahlreich verschachtelte und sich schnell und oft verändernde Melodien besitzt.

Nicht weniger interessant an Tribes of Caïn ist der Gesang, der nur minimal verzerrt ist, dafür aber einen stark heiseren Klang hat. Ein wenig erinnert mich dieser Gesang an den von Fallen Yggdrasil auf dem „Building up a ruin to come“ Album. Auf eine eigenartige Art und Weise passt dieser Gesang sehr gut zur Musik von Tribes of Caïn, da er einerseits unkonventionell ist und andererseits blendend zur Klangproduktion passt. Obwohl der Klang insgesamt als sauber, klar und differenziert zu betrachten ist, ist Retaliation nicht überproduziert und besitzt klanglich einen eigenständigen Charakter. Allerdings missfällt mir dabei der Klang des Schlagzeugs. Er ist zu schwach. Ihm fehlt in den entscheidenden, nämlich schnell und brachial angelegten Momenten, ein kraftvoller Druck damit das Energische in diesen Passagen entsprechend zur Geltung kommt.
Dies ist auch die einzige wirkliche Kritik an Retaliation, obgleich diese melodische und zum teil sehr komplexe Spielweise nicht mein Geschmack ist. Trotzdem muss man anerkennend sagen, dass es Tribes of Caïn einwandfrei gelungen ist, dieses anspruchsvolle und technisch strukturierte Material umzusetzen.

Wer also melodischen Black / Death Metal und / oder komplex gestaltete Lieder mag, dürfte von Tribes of Caïn und Retaliation nicht enttäuscht werden. Auf den Seiten von Tribes of Caïn gibt es übrigens die beiden ersten Alben kostenlos zum runterladen.

Aceust

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