Totgeburt – Das Ritual beginnt | 2012 | OTOW | CDR | Black Metal

Über TOTGEBURT ist nichts bekannt außer das Gründungsjahr 2011 sowie die niedersächsische Heimat. Hergeleitet vom Photo auf der Rückseite, scheint es sich um eine Einmanngruppe zu handeln. Die EP Das Ritual beginnt ist das erste Werk und kommt als professionelle CDr. Beworben wird die Musik als „Black Ritual“ und inhaltlich geht es in verschiedenen Facetten um das Sterben und den Tod.

Als ich den Begriff „Black Ritual“ las, dachte ich, mich würden lange, langsame Lieder mit Ambient oder sehr kurze, bissige, giftige und mit Noise unterlegte Stücke erwarten. Beides trifft auf Das Ritual beginnt nicht zu. Stattdessen gibt es klanglich roh und dünn produzierten Black Metal, der phasenweise sogar überraschend melodisch daher kommt. Im ersten Stück Das Ziel ist erreicht, wird geradlinige und rasende Schnelligkeit mit düsterer Akustikgitarre sowie harmonischem Keyboard kombiniert. Die schnellen Parts sind sehr antreibend, das Riffing ist sehr übersichtlich und der deutschsprachige Gesang wirkt makaber verzerrt, da er nicht geschrien wird, aber dennoch kaum verständlich ist und manchmal gar wie ein dämonisches Gurgeln wirkt. Das Ziel ist erreicht ist ein gelungenes Lied, in dem sich harsche Kälte und düstere Melodik in einer angenehmen Struktur ausgewogen die Waage halten. Im folgenden Das Karzinom gelingt dies nicht ganz so. Hier kommt das Keyboard phasenweise sehr stark zum Einsatz, zu stark, und auch die Melodie ist weder düster noch sonderlich ansprechend. Dafür überzeugt mich dann aber der schnelle und aggressive Ausbruch im letzten Drittel, der wahrlich negativ aufgeladen ist und schön wüst und bestialisch rüberkommt.

Nach der instrumentalen Überleitung Requiem in b-Dur I folgt das schnell gespielte und leicht melodische Ich bin in dir. Hier gibt es interessante rhythmische Verschiebungen, ein Soli und neben den verzerrten Gitarren auch Klargitarre. Das Keyboard steht wieder wesentlich dezenter im Hintergrund, was sich gleich viel besser anhört: Nämlich harmonischer, düsterer und bedrohlicher, was auch viel besser zu den bösen, schnellen Passagen passt. Mit dem Titellied schließt TOTGEBURT die EP ab und gibt ein ansprechendes Lied zum Besten, in dem sich kalt rasende Schnelligkeit und dunkelmelodische Arrangements abwechseln. Vor allem der schnelle Gesang besitzt eine gewisse morbide Atmosphäre.

Für die erste Veröffentlichung ist Das Ritual beginnt sicherlich keine schlechte Sache, vor allem, wenn es sich tatsächlich um einen einzigen Musiker handeln sollte. Handwerklich geht die dargebotene Leistung völlig in Ordnung, der Klang passt zur Musik, ist kalt und roh wenn er es sein soll aber klar und differenziert in den leiseren Passagen. Der Gesang wurde meiner Meinung nach sehr gut abgemischt und ist die böseste Waffe TOTGEBURTS. Auch die Strukturen sind durchaus gelungen, lediglich das Keyboard wurde mir manchmal etwas zu dick aufgetragen. Der dezente Einsatz ist gut, nur die vordergründige Verwendung in Das Karzinom hätte wirklich nicht sein müssen. Das Ritual beginnt ist eine gelungene Debütveröffentlichung, mit Abwechslung aber auch direkter Geradlinigkeit und einigen düsteren und morbiden Momenten.

6/10
Aceust

01. Das Ziel ist erreicht
02. Das Karzinom
03. Requiem in b-Dur I
04. Ich bin in dir
05. Totgeburt

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