Todesstoß – Hirngemeer

Todesstoß - Hirngemeer

Todesstoß - HirngemeerMartin Lang ist mit seinem Projekt TODESSTOSS nunmehr seit fünfzehn Jahren ein Garant für abstrakten, düsteren und experimentellen Black Metal. Lang ist nicht nur musikalisch betrachtet ein Künstler, auch als Dichter und Maler ist er von kreativer Schaffenslust beseelt. Am 25. September wird mit „Hirngemeer“ ein neues Album erscheinen. Erstmals über I, Voidhanger Records, zuvor hatte er ein paar Platten über sein eigenes Label Traumorgane verwirklicht. Für „Hirngemeer“ holte sich Lang erneut Euer Gnaden am Bass sowie Flesh Of L. als Sänger zur Verstärkung.

Das Resultat dieser Zusammenarbeit liegt mir nun in der Form des neuen Albums vor und TODESSTOSS könnten aus „Hirngemeer“ auch zwei Alben und eine EP machen. Die drei neuen Kompositionen kommen zusammen auf eine Länge von 75 Minuten. „Verwehung“ dauert etwa 29 Minuten während „Narbenkäfig“ über 34 Minuten weilt. Das abschließende „Strom der Augenblicke“ gerät mit seinen 12 Minuten schon fast abstoßend kurz.

Wer TODESSTOSS bereits kennt, den dürften die eigenwilligen, skurrilen und kruden Arrangements von „Hirngemeer“ nicht verwundern. Für denjenigen der den Stoß erstmals verspürt, könnte dieses vom Wahnsinn getriebene Klangmanifest Verderben, Kummer und Siechtum bedeuten. Denn was man hier zu Gehör herangetragen bekommt ist chaotisch, morbide und spielt häufig mit bewusster Primitivität und dem schlechten Geschmack. Es gibt immer wieder überaus rohe Parts mit schlicht schepperndem Schlagzeug und schrummigen Gitarren. An solchen kompositorischen Überspitzungen erkennt man die Wurzeln von TODESSTOSS. Einen eigenen Stil gab es schon immer, doch waren die Anfangstage weitaus weniger experimentell und stark im (depressiven) Black Metal beheimatet.

TodesstoßInzwischen wildern Lang und seine Mannen in fremden Gewässern und bedienen sich verschiedenster Stile und Elemente. Mit Flesh Of L. hat Lang einen fähigen und variantenreichen Sänger ermittelt, der kreischt, faucht, gurgelt, flüstert, spricht, klagt und singt als wäre er von einer unsichtbaren Macht manisch dazu befehligt worden dem Albtraum eine Stimme zu geben. Flesh Of L. macht seine Sache gut, allerdings ist mir Lang als Sänger lieber. Die vielen gesprochenen und geschrienen Texte erinnern mich manchmal zu sehr an BETHLEHEM, die bei mir verschissen haben. Egal. „Hirngemeer“ ist eine bare Kakophonie von künstlerischen und kreativen Freigeistern. Dennoch: Die älteren Sachen von TODESSTOSS treffen mich mehr ins Mark. Vor allem die ganz alten Sachen aber auch das 2008er Album „Würmer zu weinen“ empfinde ich als großartig. Das sind aber auch jene Veröffentlichungen, in denen der (rohe) Black Metal stärker zum Tragen kommt und stilübergreifende, experimentelle Arrangements noch zurückhaltender sind, sofern es sie bereits gab. Aber auch alles was danach kam, „Hirngemeer“ eingeschlossen, ist große Kunst mit enormem Tiefgang. Nicht zuletzt auch, weil Lang seine Alben optisch überaus ansprechend aufmacht und es viel anzusehen gibt. „Hirngemeer“ wird ein 20seitiges Beiheft enthalten, das ganz sicher wieder sehenswerte Arbeiten von Lang offenbart.

Das neuste Album ist ein morbides Traktat innerer Zerrissenheit. Es ist ein Album, das in der einen Sekunde primitiven und rohen Black Metal zum Besten gibt um dann in der nächsten Sekunde von einer Mundharmonika abgelöst zu werden. Kontraste, Spannungsbögen und düstere Klanglandschaften gehen hier einher. Das ist alles andere als leicht zugänglich aber polymorph wie eine Kaleidoskop der Geisteskrankheiten. Wer die Vorgänger bereits mochte, der wird „Hirngemeer“ definitiv auch mögen und schätzen. Wer eher die älteren Sachen bevorzugt, der sollte vorab probehören. So oder so. TODESSTOSS sind streitbar und gegen den Strom. Für mich gehören TODESSTOSS aber seit jeher zu den besten und interessantesten Vertretern im morbiden (Black) Metal. Das Konzept für das TODESSTOSS steht ist einfach bewundernswert und verdient jegliche Anerkennung, selbst wenn man musikalisch nicht jeden Takt als Offenbarung empfindet.

Todesstoß – Hirngemeer
2015 | I, Voidhanger Records
CD / Digital | Black Metal / Dark Metal

1. Verwehung
2. Narbenkäfig
3. Strom der Augenblicke

http://www.traumorgane.de/
https://www.facebook.com/pages/Todessto%C3%9F/553756914718421
http://i-voidhanger.com/

1 Gedanke zu “Todesstoß – Hirngemeer

Schreibe einen Kommentar