Todeskult – Apathy | 2009 | Eisenwald | CD | Black Metal

Todeskult-Sänger Neideck zog erst kürzlich mein Interesse auf sich, da mir mit „Haunting Shores“ das neue Demo seines Soloprojektes Trauer vorlag. Nun gibt es seit dem Sommer das zweite Todeskult-Album Apathy. Mit dem Debütalbum vor zwei Jahren konnte Todeskult mich – wie viele andere auch – überzeugen. Mal schauen, wie es mit dem zweiten Album ist.

Gänzlich ohne Einleitung beginnt das 60 Minuten lange Werk, welches ruhig und schleppend mit Where discomfort is lurking seinen Auftakt hat. Es fällt sofort die Klangproduktion auf, die im direkten Vergleich zu Als die Farben älter wurden, etwas dunkler, kälter und steriler ausgefallen ist. Das ist nicht zwangsläufig schlecht, erschwert mir aber ein wenig den Einstieg ins Album, zumal Where discomfort is lurking ein langes und weitgehend unaufgeregtes Lied ist (was allerdings hervorragend zum Titel des Albums passt), welches teilweise minimale Anleihen des Doom Metals enthält. Musikalisch agiert Todeskult also eher zurückhaltend in dem Lied. Die Melodien sind von sanftem Gemüt und oft auch von heller Klangfarbe, was mir nicht ganz so gut gefällt. Neidecks verzerrter Gesang ist aber aussagekräftig, da emotional, ohne dabei zu dick aufzutragen. Das ist nicht immer ganz einfach, doch ihm gelingt das auf Apathy durchgängig.

Nach diesem langen und etwas zähen Anfang lockert sich mit …dem Menschen ein Wolf die triste Bewölkung etwas auf, da recht bald das Tempo partiell flott angezogen wird. In diesem Wechsel der variablen Tempi, langsam und schnell, entwickelt Todeskult eine viel fesselndere Atmosphäre, da durch die Geschwindigkeit etwas Druck und Dynamik Einzug in die Musik erhält und auch die Gitarren wissen in den schnellen Abschnitten mit besseren Riffs und Melodien zu überzeugen.

Auch in den verbleibenden Liedern, die bis auf das kurze instrumentale Titelstück alle über zehn Minuten lang sind, wirkt Todeskult lebendiger und spielfreudiger als am Anfang. Trotz einiger schnell gespielten Passagen, die manchmal, aufgrund sehr guter Übergänge und brachialem Schlagwerkspiels, eindringlich und mächtig wirken, obliegt insgesamt auf Apathy aber eine eher bedrückte Atmosphäre. Hierzu trägt nicht nur Neidecks Kreischgesang bei, sondern auch triste Melodiebögen im Hintergrund zementieren eine unterschwellig schwelende Stimmung von Tristesse und Dunkelheit. Vereinzelt wiederkehrend, erklingen die hell gestimmten Gitarren mit ihren klaren Melodien aber einen Deut zu fröhlich für mich. In solchen ruhigen Passagen kann ich mich nicht so richtig entscheiden, ob diese hellen Nuancen zur ansonsten schweren Kost passen.

Insgesamt ist Apathy aber als ein gelungenes Nachfolgewerk zu beschreiben. Lediglich mit dem ersten Lied habe ich so meine Probleme, da es mir einfach mit seinen zwölfeinhalb Minuten zu langatmig ist. Doch danach fängt sich Todeskult und weiß eindringlich sowie stimmungsintensiv zu gefallen. Die Stärken von Apathy sind also die Wechselwirkungen, die aus Langsamkeit, Melodik und Härte entstehen. Etwas mehr Härte währe womöglich besser gewesen, doch würde dies vielleicht nicht zum Konzept passen. Wie dem auch sei, Apathy ist trotz alldem ein insgesamt gelungenes Album.

7/10
Aceust

01. Where discomfort is lurking
02. …dem Menschen ein Wolf
03. Apathy
04. Inviolable
05. Submissive
06. Schwinden

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