Spectral Lore – III | 2014 | I, Voidhanger Records | CD | Black Metal

Mit den ersten beiden Veröffentlichungen „I“ und „II“ konnte mich das griechische Projekt SPECTRAL LORE absolut von sich überzeugen. Das war in den Jahren 2006 und 2008. Vier Jahre später erschien mit „Sentinel“ ein Album, mit dem mich SPECTRAL LORE etwas enttäuschte. 2013 kam dann „Sol“, ein Gemeinschaftswerk mit MARE COGNITUM, welches mich zumindest teilweise überzeugen konnte. Nun steht mit „III“ faktisch der direkte Nachfolger von „II“ in den Startlöchern und macht mich natürlich vorab verdammt neugierig.

Und ja! Es fühlt sich gleich von Anfang an ‚anders‘ als „Sentinel“ oder „Sol“ an! SPECTRAL LORE beginnt schnell, düster und unheilvoll bizarr. Mit dem Lied „Omphalos“ startet das Album rasend schnell und böse. Das Schlagwerk hämmert monoton einer Nähmaschine gleich, während der extrem tiefe Gesang blasphemisch, düster und morbide ertönt und das gequälte Riffing den Rest besorgt. Brutale Schnelligkeit gab es zwar auch auf „Sentinel“, allerdings in einem komplizierten, abstrakten und sehr lebendigen und verspielten Kontext. Hier sind die Strukturen hingegen klar, direkt und geradeaus. Genau diese Schlichtheit hat für mich eine besondere Anziehungskraft. Selbstverständlich bleibt das Lied „Omphalos“ nicht so heftig, aber mit diesem Beginn bekennt sich SPECTRAL LORE zu seinen Wurzeln, die nun einmal auch beklemmend und verstörend, schnell und hart, in jedem Fall aber bizarr und obskur sind.

„III“ ist mit einer Länge von knapp 90 Minuten, verteilt auf zwei CDs, ein intensives Werk epischen Ausmaßes. Und obwohl es sich auf die Wurzeln bezieht ist „III“ selbstverständlich auch ein aktuelles Werk, in dem sich die Entwicklung SPECTRAL LORES wiederspiegelt. Es lassen sich also Elemente entdecken, die man so und ähnlich auch von „Sol“ und „Sentinel“ kennt, aber in einer reduzierteren Form. „Sentinel“ war ja zum großen Teil extrem komplex und kompliziert, dies ist nun anders. Die Lieder sind relativ übersichtlich aufgebaut, die Komplexität der Lieder wirkt stets nachvollziehbar und lässt den Fokus auf das große Ganze, nämlich den atmosphärischen Spannungsbogen, gerichtet. Ayloss, der Mann der hinter SPECTRAL LORE steht, ist überzeugt dass „III“ sein bisher bestes Werk sei. Der Mann hat Recht! „III“ ist in gewisser Weise die Essenz aller bisher erschienenen Werke. Es extrahiert die Vorzüge der früheren Werke und braut daraus ein großartiges, stimmungsreiches Opus, welches die düstere und obskure Beklemmung von „I“ und „II“ mit dem handwerklichen Geschick und druckvollen Klang von „Sentinel“ verbindet.

Interessant ist auch der nahezu komplette Verzicht auf Ambient. Mit dem Lied „Drifting Through Moss And Ancient Stone“ gibt es zwar ein Instrumentallied, in dem eine großartig gespielte und stimmungsvolle Akustikgitarre zu hören ist, doch würde ich dies nicht als Ambient werten. Lediglich im abschließenden Titel „Cosmic Significance“ ist Ambient zu hören, allerdings ist es Ambient von extrem gediegener und entspannender Art und Weise, wie man sie sich auch als Klangtherapie für gestresste Individuen vorstellen kann.

Ayloss hat wirklich Recht, „III“ ist tatsächlich seine beste Arbeit bisher. Es ist ein absolut stimmiges Album, welches musikalisch und handwerklich gleichermaßen überzeugt. Es gibt großartige Melodien, fantastische harmonische Arrangements mit Gänsehautfaktor und auch hässliche, verstörende und beklemmende Arrangements. „III“ ist ein sehr intensives Werk, welches hoffentlich dazu beiträgt, dass sich endlich mal mehr Leute mit SPECTRAL LORE beschäftigen.

CD1 – Singularity
1. Omphalos
2. The Veiled Garden
3. The Cold March Towards Eternal Brightness
4. Drifting Through Moss And Ancient Stone

CD2 – Eternity
1. The Spiral Fountain
2. A Rider Through The Lands Of An Infinite Dreamscape
3. Cosmic Significance

http://spectrallore.bandcamp.com/
http://www.i-voidhanger.com/

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