Siechtum – Wildnis erwache

Siechtum - Wildnis erwache

„Wildnis erwache“ heißt dieses Debüt des brandenburgischen Einmannprojekts SIECHTUM. Auch wenn die Scheibe erst kürzlich das Licht der Welt erblickte, so ist das auf ihr enthaltene Material nicht mehr taufrisch. Immerhin entstand das Gros in den Jahren 2005 – 2008 und wurde zwischen Dezember 2012 und August 2014 eingespielt. Weshalb sich Multiinstrumentalist Waheela so viel Zeit ließ ist nicht überliefert, was aber auch nur Informationswert hat und deshalb nebensächlich ist, da sich „Wildnis erwache“ verdammt gut anhört.

Jedenfalls wenn man diese Form des Black Metals mag. „Wildnis erwache“ ist nicht perfekt und genau das liebe und schätze ich. Im Booklet der CD steht, dass er beschissenes und billiges Equipment nutzte, hervorragend kann ich da nur sagen! Das ist authentisch, da ist Persönlichkeit und Leben drin. Und genau dies macht „Wildnis erwache“ aus. Ich bin eigentlich kein Freund von Einleitungen und auch SIECHTUM setzt auf das obligatorische Intro. In diesem Fall heißt es „Kranichzug“ und ist ein vierminütiges Instrumental. Abgesehen von den Kranichen die am Anfang zu hören sind, ist es musikalisch betrachtet ein vollwertiges Lied, in dem lediglich der Gesang fehlt. Bereits nach rund 90 Sekunden war mir klar, dass mir „Wildnis erwache“ gefallen wird. Warum? Es war der Klang der Gitarre. Ich liebe es, wenn die Instrumente so klingen wie sie es hier tun. Nämlich natürlich und organisch, lebendig und beseelt und nicht steril, glatt und totproduziert. Als zweites Argument kamen dann die schönen und dezenten Gitarrenmelodien dazu, die mir gefielen.

SIECHTUM spielt deutschen Black Metal wie er meinen Bedürfnissen nach sein sollte. Der Klang ist einerseits rau, dabei aber extrem authentisch und stimmungsvoll. Musikalisch präsentiert sich SIECHTUM abwechslungsreich. Es gibt harte und schnelle Passagen mit monotonem Schlagzeug ebenso wie mittelschnelle und schleppende Parts die atmosphärisch und melodisch sind. Die Strukturen sind dabei überraschend detailliert. Sowohl an den Gitarren als auch am Schlagzeug gibt es sehr viel zu hören, wenn man denn genau zuhört. SIECHTUM kombiniert dezidierte Geradlinigkeit mit Abwechslung und Melodik. Die schnellen Elemente sind dreckig und ruppig während die atmosphärischen Parts hervorragende harmonische Gitarrenläufe beherbergen.

Vor wenigen Wochen erst überraschte mich der deutsche Untergrund mit DRUDENSANG und nun gibt es mit SIECHTUM einen weiteren, vielversprechenden Hoffnungsträger. Ich fand, in den letzten Jahren war der Untergrund hierzulande etwas eingeschlafen und die wirklich interessanten Bands und Veröffentlichungen fanden andernorts statt. Wenn es nun wieder mehr Gruppen gibt, die den Black Metal so spielen und verstehen wie es SIECHTUM und DRUDENSANG tun, dann kann man sich nur freuen. Wenn ich unbedingt etwas an „Wildnis erwache“ bemängeln muss, dann ist es das Frontcover, weil es meiner Meinung nach dem großartigen musikalischen Inhalt nicht vollumfänglich gerecht wird.

Siechtum – Wildnis erwache
2015 | Black  Metal
CDR | Winterwolf Records

1. Kranichzug
2. Deus Robur
3. Erwecket Gaia
4. Canis Lupus
5. Herz der Wildnis

http://winterwolf-records.com/

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