Primal / Iugulatus / Deep Desolation – Chapel Of Fear | 2011 | Q.E.V. Productions | CD | Black/Death/Doom

Den Platz auf Chapel Of Fear teilen sich drei noch junge polnische Gruppen. Während es sich bei Iugulatus und Deep Desolation um echte Gruppen mit mehreren Musikern handelt, ist Primal ein Einmannprojekt. Man hört es Primal allerdings nicht an, klanglich und spielerisch macht das Liedgut einen guten Eindruck. Das erste Stück Nadczłowiek beginnt sehr atmosphärisch mit sphärischem Riff und Keyboardeinsatz. Dieses sphärische Eingangsriff kommt mir sehr bekannt vor, es gefällt mir sehr gut, nur kann ich mich nicht mehr erinnern, wo ich dieses Riff so oder ähnlich schon mal gehört habe. Wie dem auch sei. Auf den atmosphärischen Anfang wechselt Primal ins grimmige Lager über. Das Tempo ist schnell und der Gesang ertönt kehlig und etwas krank. Diese Grimmigkeit wird allerdings immer wieder durch das anfängliche Keyboard mitsamt des sphärischen Riff unterbrochen. Schnellig- und Grimmigkeit wechselt sich hier mit atmosphärischen Parts ab, wobei vor allem die atmosphärischen Elemente überzeugen. Mit Matka Noc geht es ähnlich grimmig und stellenweise sehr aggressiv weiter. Hier ist vor allem der Gesang derbe abgefahren und erinnert mich stellenweise an Maniacs Organ auf Wolf’s Lair Abyss. In der Kombination mit den schnellen Parts klingt Primal hier schön böse und harsch. Allerdings hält auch Matka Noc immer wieder atmosphärische Passagen mit netten Harmonien bereit. An dieser Spielweise ändert sich auch in Poza Grób nicht viel, wobei es hier ein längeres Gitarrensoli zu hören gibt. Primal kann mit den drei Liedern überzeugen. Grimmigkeit – vor allem was den Gesang betrifft – wird hier mit langen Liedern die schnelle als auch langsame und melodische Parts besitzen, kombiniert. Ist nicht überragend aber grundsolide und vor allem die Gitarrenmelodien wissen zu gefallen.

Die Lieder von Iugulatus sind wesentlich kürzer als die von Primal, aber mit rund sechs Minuten auch nicht gerade kurz. Und obwohl das Tempo von Iugulatus zumeist mittelschnell ist, entwickelt man eine riffbetonte, aggressive Atmosphäre die mich irgendwie an Aufnäherkutte, Bier und Mittelfingerattitüde erinnert. Iugulatus spielt eine treibende Mischung aus satanischem Death und Black Metal, wobei vor allem die Gitarren und der Gesang im Vordergrund stehen. Stellenweise gibt es auch brutale Knüppeleinlagen, doch ansonsten dominieren mittelschnelle Tempi und vordergründiges Riffing das Geschehenen. Ist ganz nett, aber irgendwie fehlt der Musik noch das gewisse Etwas, zumal die Lieder zu lang geraten sind und sich deshalb etwas ziehen. Die Intention von Iugulatus ist gut, die Riffs gefallen mir auch – aber da ist nocht Luft nach oben.

Deep Desolation konnten mich ja eben schon mit dem Debütalbum Subliminal Visions überzeugen. Das Lied Chapel Of Fear ist eine sehr düsteres und tieftöniges Doom Stück in dem fast pausenlos langsam gespielte, melodische Riffs zu hören sind. Das ist in diesem Falle ganz interessant, da Deep Desolation hier auf klassische Liedstrukturen, bestehend aus dem Wechsel von Vers, Refrain und Bridge verzichtet. Es wiederholen sich zwar Elemente, doch wirkt das Lied in seiner Gesamtheit gleichförmig, was einerseits zwar interessant, andererseits aber auch etwas langatmig ist. Satanic Orgy ist gleichfalls schleppend und riffbetont, aber sehr viel eingängiger als Chapel Of Fear. Erst in der letzten Minute kommt Veränderung und Abwechslung auf. Deep Desolation zeigt sich mit diesen beiden Liedern etwas enttäuschend, hinsichtlich des Albums. Der Death/Doom der hier zu hören ist, dem fehlt leider das gewisse Etwas und die stimmige und düstere Atmosphäre vom Album. Die Riffs sind an sich ganz nett, aber wurden so und ähnlich von vielen anderen Vertretern des Genres schon massig vorgetragen.

Chapel Of Fear ist ein durchwachsene Splitveröffentlichung. Am besten gefällt mir das Einmannprojekt Primal. Primal hat einfach die besten Melodien und abgefahrenen Gesang. Iugulatus kann spielerisch überzeugen, sagt mir aber stilistisch nicht so ganz zu und Deep Desolation sind leider enttäuschend und harmlos, wenn man die zwei Lieder mit dem Album vergleicht.

Primal 7/10
Iugulatus 6/10
Deep Desolation 5/10

PRIMAL
01. Nadczłowiek
02. Matka noc
03. Poza grób
04. Outro

IUGULATUS
05. Will of satan
06. Master of illusion
07. Gates of abyss

DEEP DESOLATION
08. Chapel of fear
09. Satanic orgy

Schreibe einen Kommentar