Peste Noire – La Sanie Des Siècles – Panégyrique De La Dégénérescence | 2006 | De Profundis | CD | Black Metal

Als vor vier Jahren die Split-Kassette mit Sombre Chemin erschien, war es um mich geschehen. Peste Noire konnte mich mit den drei Liedern so ganz und gar begeistern und in seinen Bann ziehen, der mich bis heute nicht loslässt. Es wurde roher und überaus eindringlicher Black Metal zelebriert, wie er in meinen Vorstellungen kaum besser sein könnte. So bedauerlich war es für mich dann auch, bis jetzt, vier Jahre nichts Neues mehr von Peste Noire gehört zu haben. Mit einer weiteren Veröffentlichung der Franzosen hatte ich seit geraumer Zeit nicht mehr gerechnet. Umso größer ist also meine Freude, nun ein komplettes Album vor mir zu haben.

Beim ersten Titel Nous sommes fanés handelt es sich um ein merkwürdiges und schräges Intro, das wohl auch gut in einen Quentin Tarantion Film passen würde. Es klingt wie eine Mischung aus Gitarren-Blues und The Doors. Aber wer ein Lied Black Metal Hooligan nennt, der komponiert auch eigenartige Einleitungen. Nachdem das Intro abgehakt ist, kommt mit Le mort joyeux ein Stück, welches bereits auf dem Macabre transcendance… Demo enthalten war. Sofort fällt der laute und druckvolle Klang auf, der vom ersten Takt an den schleppenden Rhythmus treibend aus den Lautsprechern quellen lässt. Wer dieses Demo kennt, wird mit der neuen Version von Le mort joyeux seine Freude haben. Es ist fantastisch, die einzelnen Spuren so klar und sauber getrennt zu hören. Die eindringlichen, immer ein wenig düster klingenden Gitarrenmelodien und der extrem verzerrte, leicht kehlig klingende Gesang erzeugen durch ihre Intensität ein beschleichendes Gänsehautgefühl. Mit Laus tibi domini folgt dann ein neues Stück, welches langsam aber mit kraftvollem Schlagzeug beginnt. Die Gitarren spielen traurige Melodien und Farmine schreit sich die Seele aus dem Leib. Laus tibi domini bleibt so langsam, wobei Peste Noire im Verlauf des Liedes die Intensität variiert, leise und klare Töne anstimmt, kraftvoll stampfende Parts hinlegt oder zum Ende hin auch ein langes Soli einstreut.

Spleen stammt von der Split-Kassette mit Sombre Chemin und war damals ausschlaggebend für meine Begeisterung. Vor allem die Kombination von dem unverwechselbaren Gesang mit den wunderbar gespielten, dunklen Gitarrenmelodien, tat es mir an. Allerdings empfinde ich die aktuelle Version nicht so ergreifend, eindringlich und extrem wie die ursprüngliche auf der Split-Kassette. Spleen wird astrein vorgetragen, der Klang ist klar und vorzüglich. Vielleicht ist genau dies ein Manko. So war das Demo damals naturgemäß vom klanglichen her rauer und undifferenzierter, was zusammen mit der Musik eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt und geistige Haltung enthält.

Bei dem folgenden Phalènes et pestilence – salvatrice averse handelt es sich wieder um ein neues Stück, das auch das längste des Albums ist. Es wurde vielschichtig strukturiert, enthält einen ruhigen und klaren Anfang der in einem aggressiven und schnellen Part mündet. Im Verlauf verändert sich das Lied immer wieder: kraftvoll stampfende Elemente wechseln sich mit atmosphärischen Momenten ab, die vorwiegend aus klaren Gitarrenmelodien bestehen. Hierauf folgt dann Retour de flamme , das sehr ungewöhnlich und überraschend seinen Lauf nimmt. Am Anfang ist ein mit Hall unterlegter Schrei, der alsbald von melodischen Riffs und einer weiblichen Opernstimme abgelöst wird. Nach diesem Einstieg geht es denn schnell und eingängig weiter, Farmine scheint mit seinem Gesang alles und jeden in Stücke zu reißen. Der Mittelteil des Liedes wird dann chaotischer, in kurzen Abständen wechseln sich schleppende, aggressive und melodische Parts ab, wobei der Gesang phasenweise noch extremer wird. Es ist ein heftiges gutes Lied mit einem ungewöhnlichen Anfang.

Beschaulicher geht es mit Dueil angoisseus weiter, das rhythmisch ruhig und harmlos beschaffen ist. Zuweilen ist eine klare Gitarre mit mittelalterlicher Melodie zu hören. Phasenweise durchdringt aber auch hier der radikale Gesang jegliche Körperzelle. Zum Abschluss folgt mit Des médecins malades et des saint séquestrés ein raues und rumpeliges Stück, das eindeutig einer Demoaufnahme entnommen ist.

La Sanie des siècles / Panégyrique de la dégénerescence ist ein wahrhaftig erstklassiges Album, das schon jetzt zu meinen Favoriten in diesem Jahr gehört. Die Intensität und Radikalität die Peste Noire in den Black Metal legt, ist beeindruckend, beispielhaft und vielleicht auch einzigartig.

01. Nous sommes fanés
02. Le mort joyeux
03. Laus tibi domine
04. Spleen
05. Phalènes et pestilence – salvatrice averse
06. Retour de flamme (Hooligan Black Metal)
07. Dueil angoisseus (Christine de Pisan, 1362-1431)
08. Des médecins malades et des saint séquestrés

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