Ordo Obsidium – Orbis Tertius | 2011 | Eisenwald | CD | Black Metal

Ordo Obsidium ist eine US-amerikanische Gruppe, die mit dem Album Orbis Tertius debütiert. Über die Band selbst ist nicht viel bekannt, was aber ohnehin nur zweitrangig wäre. Wesentlich ist ja der musikalische Inhalt, und der ist in diesem Falle sehr reichhaltig. Orbis Tertius beinhaltet fünf Lieder, die zusammen auf eine Spielzeit von 47 Minuten kommen. Den Auftakt macht Nequaquam Vacuum, welches zwölf Minuten dauert, riffbetont und rasend schnell beginnt. Die stark verzerrten Gitarren wabern nebulös durch den Raum, während das Schlagwerk peitscht und der Kreischgesang den Rest besorgt. Die Atmosphäre die Ordo Obsidium hier erzeugt, ist von Beginn an sehr dicht und erinnert mich in dem Lied phasenweise ein wenig an das Debütalbum von Wolves In The Throne Room, was womöglich auch am Aufnahmestudio liegt, in dem eben auch die Wölfe schon gastierten. Wie dem auch sei. Nequaquam Vacuum ist ein langes Lied mit viel düsterer Atmosphäre und abwechslungsreichen Strukturen und sehr unterschiedlichen Passagen. Der schnelle und dichte Anfang gefiel mir sehr gut, da auf das Wesentliche reduziert, aber dennoch eindringlich und atmosphärisch dicht ist. Im weiteren Verlauf verändert sich das Lied teilweise sehr stark, melodische und lebhafte Gitarren betreten das Geschehen und wirken auf mich ein wenig nervend. Zwischendurch gibt es auch mal sehr langsame, atmosphärische Takte, die vor allem vom eindringlichen Kreischgesang und minimaler Instrumentalisierung leben, und dank der guten Riffs, auch gut rüberkommen.

Das zweite Lied Into The Gates Of Madness ist um einiges Kürzer und beginnt sehr gitarrenbetont. Das Riffing ist phasenweise etwas gewöhnungsbedürftig, wobei ich noch nicht weiß, ob es mich nicht vielleicht auch nervt. Dezidierte Raserei, die kalt und direkt ist, wechselt sich mit langsameren Parts ab. So wie sich der Rhythmus verändert, verändert sich auch das Riffing. Auf extrem gute Parts folgen dann Passagen, die weniger gefallen. Genau hierin liegt auch ein Wesensmerkmal des Albums. Ordo Obsidium bewegen sich auf einem schmalen Grat. Die Lieder sind komplex und vollgepackt an Abwechslung und Veränderung, was manchmal unstet und auch schräg wirkt. Manchmal gelingt das extrem gut. Einige Parts sind fast schon perfekt und garantieren Gänsehaut, während dann schon der nächste Part für Unverständnis sorgt.

Orbis Tertius ist kein einfaches und griffiges Werk. Es ist sehr sperrig und reichhaltig. Auf der einen Seite gibt es dunkelatmosphärische Elemente, die es locker mit (frühen) Wolves In The Throne Room aufnehmen können. Die immer wieder kehrende kalte Raserei ist gleichfalls exzellent. Auf der anderen Seite gibt es aber auch skurrile Melodieführungen, die einiges an der zuvor aufgebauten Atmosphäre kaputt machen. Das Titellied, welches auch das kürzeste ist, ist ein durchgängig langsames, doomiges Lied, welches bizarre und düstere, aber auch liebliche und blumige Momente hat. Manchmal hat man den Eindruck, Ordo Obsidium fallen von ein Extrem ins andere, als würden sie mit Gegensätzen spielen, was für meine Begriffe nicht immer gelingt. Die komplexen Strukturen der Lieder lassen erahnen, wie viel Zeit aufgebracht wurde, solch ein Werk zu schreiben, aber manchmal wäre weniger einfach mehr gewesen. Emptiness Under The Moon ist ein extrem unstetes Lied, in dem ständig etwas in Bewegung ist, das streckenweise extrem technisch und frickelig ist, und welches mich gar ein wenig an Emperor erinnert – die ich im Übrigen noch nie so wirklich mochte. Das abschließende By His Unflinching Hand ist dann eine lange und langsame, dunkelatmosphärische Nummer, die schwermütig ist und viel Depression, Kummer und Pein vermittelt.

Wie man es auch dreht und wendet, Orbis Tertius ist ein schwieriges Album, welches viel Licht aber auch viel Schatten enthält. Es gibt wirklich tolle, großartige Momente, die sofort ins Blut gehen aber auch eben viele komplexe Verschachtelungen und Wendungen, die sperrig und kompliziert sind. Über das Ganze wurde ein Klang gestülpt, der etwas neblig trübes und grau verwaschenes hat und sowohl die Kälte in der Raserei, als auch das desolate und depressive gleichermaßen betont. Bevor man sich das Album bestellt, sollte man wohl besser mal reinhören. Dafür ist das Album insgesamt einfach zu speziell. Für meinen Geschmack hat es zu viel Abwechslung und Veränderung, mehr Einfachheit und Geradlinigkeit, die es ja auch gibt, hätten zu mehr Punkten geführt. Schlecht ist das Album deswegen aber nicht, nur schwierig und zwiespältig.

7/10
Aceust

01. Nequaquam vacuum
02. Into the gates of madness
03. Orbis tertius
04. Emptiness under the moon
05. By his unflinching hand

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