Old Wainds – Death Nord Kult | 2008 | Debemur Morti | CD | Black Metal

Mit Death Nord Kult steht nun das mittlerweile dritte Album der Murmansker Division Old Wainds in den Regalen. Sowohl die beiden Alben Religion of spiritual violence und Scalding coldness als auch die Demobänder waren allesamt überragend und meisterhaft. Entsprechend groß waren die Erwartungen an Death Nord Kult, welche von Old Wainds allerdings nur bedingt erfüllt wurden. Ob es mit dem Weggang von Kull zu tun hat, kann ich nicht so recht beurteilen, die Band hat aber in jedem Fall an Atmosphäre eingebüßt. Dies wird schon unmittelbar mit dem ersten Titel Storm-Whip deutlich. Es ist ein antreibendes und geradliniges Stück, das zuweilen nüchtern, trocken und technisch rüberkommt. Einerseits gefällt es, zumal hier und da eine durchaus angenehme thrashige Note durchschimmert. Old Wainds beherrscht es nach wie vor, durch brillantes Riffing einzigartige Akzente zu setzen, ohne Zweifel. Ähnliche Oldschoolelemente sind auch in Cruel black dead zu hören, einem sehr riffbetonten Stück. Was Old Wainds da spielt hört sich wirklich gut an. Für solche Riffs wurden schon vor 20 Jahren Bands geliebt, die heute Kultstatus besitzen. Trotzdem fehlt mir auf Death Nord Kult etwas, was ich auf den beiden Vorgängeralben so sehr liebte. Dort kombinierte Old Wainds meisterhaft eine nordische und grimmige Kälte mit wunderbaren dunklen und atmosphärischen Melodieführungen. Ich denke da beispielsweise an die Lieder Flaming one, The one „holy“ dead und Unholy nordic Metal von Religion of spiritual violence oder an Scalding coldness und Freezing winter breath vom Zweitling. Das war traditioneller roher Black Metal gepaart mit superbem Riffing, der direkt unter die Haut ging und das Blut gefrieren ließ und trotz aller Roh- und Grimmigkeit stets auch atmosphärische Anteile besaß. Dieses Gesamtpaket vermisse ich aktuell etwas. Handwerklich und strukturell ist das dritte Werk zweifelsfrei ein gutes und gelungenes Album.

Nun ist es aber auch nicht so, dass es auf dem dritten Album keine erstklassigen und unter die Haut gehenden Momente geben würde. Born in the freezing dark ist zum Beispiel so ein Lied, dessen eingängig schnellen Arrangements absolut überwältigend sind. Grimmig und kalt ist dieser Part, gute schnelle Riffs werden zum Besten gegeben. Doch dann kommt der Break und Old Wainds setzt zu sehr auf gefällige Riffs, die einen ähnlichen Charakter wie in Storm-Whip oder Cruel black dead haben. Die anfängliche Stimmung des Liedes wird dadurch zunichte gemacht.

Death Nord Kult ist ein Album, welches mich zwiespältig macht wie kein anderes in der letzten Zeit. Ständig wäge ich das Für und Wider ab. Death Nord Kult ist in jedem Fall 100% Old Wainds, auch wenn mir einige Facetten der aktuell vorliegenden Entwicklung nicht so sehr gefallen. Trotz einiger offenkundigen Verweise zum Oldschool wirkt das Album so manches Mal einen Ticken zu modern auf mich. Mit modern meine ich den Eindruck, dass Old Wainds versucht, durch das Weglassen der düsteren und harmonischen Melodieführungen mehr Härte, mehr nüchterne Brachialität aufzubauen – was letztlilch auch gelingt.

Trotz allem ist es ein Album das ich jedem uneingeschränkt empfehlen kann. Old Wainds sind nach wie vor eine völlig zu unrecht unterschätze Gruppe im Black Metal. Mein Lieblingsalbum wird es aber nicht werden, dafür sind die beiden Vorgänger einfach zu mächtig.

8/10
Aceust

01. Storm-Whip
02. Once moonlight…
03. Cruel black dead
04. Bloodstained
05. Cold twilight of the worlds
06. Born in the freezing dark
07. Death Nord Kult
08. Cold northern order

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