Mourning Beloveth – Rust & Bone

Mourning Beloveth - Rust & Bone

Mourning Beloveth - Rust & BoneIch hatte mir schon überlegt wie ich einen Verriss formuliere, ich war gedanklich bereits dabei mir besonders markante und polemische Sätze auszudenken, doch dann kam es, wie so oft, anders. Für mich ist „Rust & Bone“ aber dennoch ein sehr streitbares Album. Das liegt vor allem daran, dass es MOURNING BELOVETH einst gewesen sind, die mir die weiten Welten des (Death) Doom Metals schmackhaft machten. Wir schrieben das Jahr 2005 und es stand die Veröffentlichung von „A Murderous Circle“ kurz bevor. Mir gefiel das Album nicht einfach nur, MOURNING BELOVETH gelang es zu jener Zeit, gemeinsam mit EVOKEN und MORGION, meinen Horizont zu öffnen und mich auf neue Dinge einzulassen. Obwohl mir „A Murderous Circle“ damals so gefiel und ich das Album häufig hörte, verfolgte ich das weitere Treiben der Iren nicht. Erst jetzt, rund elf Jahre später, beschäftige ich mich erneut mit ihnen. In diesem Kontext ist mein Unbehagen über „Rust & Bone“ zu verstehen.

Elf Jahre sind eine lange Zeit. In diesem Fall bedeutet es zwei mir unbekannte Alben und eine Split. Es drehte sich nicht nur der Erdball, vieles verging und vieles entstand neu, Dinge veränderten sich, die Evolution fuhr unbeirrt ihren Weg fort und auch bei MOURNING BELOVETH hatte sich einiges getan.

„Rust & Bone“ ist gut gemachter Death / Doom Metal, dies steht nicht infrage. Allerdings ist er nicht mehr so schwer und düster wie anno 2005. MOURNING BEVLOETH entwickelten sich und so hielten progressive, melodische und harmonische Elemente Einzug. Diese sind natürlich handwerklich einwandfrei inszeniert worden. Man versteht sein Handwerk, sind es doch alles gestandene Musiker mit jahrelanger Erfahrung, die da an den Instrumenten standen.

Dennoch: Für meinen ganz persönlichen Geschmack ist „Rust & Bone“ zu harmonisch und weich. Mit dem Eröffnungsstück „Godether“, das mit sechzehneinhalb Minuten längste Lied des Albums, beginnen MOURNING BELOVETH ihren melancholischen Doom hochgradig melodisch, ist doch hoher klarer Männergesang zu hören. Nun ist Klargesang kein Novum, es gab ihn schon auf „A Murderous Circle“. Doch damals war er kurzweiliger, seltener und tiefer. Mir stoßen diese unverzerrten hohen Gesangseinlagen bitter auf. Sie haben für mich etwas zu Weiches und weckten in mir unweigerlich Assoziationen zu Gothic und Rüschenhemden. Solche theatralische Dramaturgie und Traurigkeit ist für den Doom selbstredend nicht neu, wurde dies doch immer wieder kultiviert, doch es trifft mich immer ins Mark, wenn ich derlei zu Gehör bekomme.

Mourning Beloveth (Band)Jetzt könnte ich natürlich schreiben, „Rust & Bone“ sei scheiße und damit hat sich die Sache. Aber so einfach mache ich es mir nicht. Abgesehen vom Gesang besitzen die fünf Kompositionen von „Rust & Bone“ nicht nur qualitatives Können, gute Harmonien sondern auch Abwechslung und Kontraste. Jedenfalls für mich. Ich weiß nicht wie die zwei Vorgänger von „Rust & Bone“ waren, doch was man am Ende von „Godether“ vorgesetzt bekommt, ist zumindest für mich neu und absolut überraschend. MOURNING BELOVETH setzen nämlich urplötzlich zur Raserei an und wischen den melancholischen und harmonischen Doom mit einem Wisch weg. Kompromisslose Raserei und sägende Riffs erschaffen eine sehr harte und vernichtende Atmosphäre, die absolut gar nichts mit Rüschenhemden gemein hat.

Es ärgern mich aber nicht nur die verweichlichten Klargesänge, es sind auch die kurzen instrumentalen Überleitungen zwischen den langen Liedern, die mein Wohlwollen strapazieren. Wenn ich Death / Doom Metal auflege, dann will ich drückende Riffs und einen tiefen Gesang hören und keine langen Lieder mit Klargesängen und Zwischenstücken, in denen eine gefühlvoll gezupfte Akustikgitarre zu hören ist. Das ist schade, weil MOURNING BELOVETH können es besser! Der Anfang von „The Mantle Tomb“ ist musikalisch grandios. Das Riffing, der Rhythmus, alles ist absolut stimmig und packend, wäre da nicht der Klargesang. Letztlich ist es, wie so oft, eine Frage des eigenen Geschmacks.

Mich können MOURNING BELOVETH mit „Rust & Bone“ nicht überzeugen. Doch wer bin ich schon? Wer doomige Klänge mit viel Melodik und Klargesang nicht zum Davonlaufen findet, der darf das Album sehr gern probieren. Weniger aufgeschlossene Kostverächter wie ich sollten es jedoch meiden!

Mourning Beloveth – Rust & Bone
CD / Digital | Ván Records
22.01.2016 | Death/Doom

1. Godether
2. Rust
3. The Mantle Tomb
4. Bone
5. A Terrible Beauty Is Born

http://www.mourningbeloveth.com/
https://www.facebook.com/MourningBelovethBand
http://www.van-records.de/
https://vanrecords.bandcamp.com/

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