Midvinter – At The Sight Of The Apocalypse Dragon | 2009 | Frostscald Records | CD | Black Metal

Frostscald Records und Bands aus Schweden, das scheint eine nicht gerade seltene Kombination zu sein. Vor gut 13 Jahren wurde mit At The Sight Of The Apocalypse Dragon der Erstling der Schweden von Midvinter veröffentlicht, danach löste sich die Gruppe auf. Nach vielen Jahren der Abstinenz fand die Band aber wieder zusammen und es steht sogar neues Material in Aussicht. In der heutigen Rezension geht es jedoch um ihr erstes und bis dato einziges Album. Wer das schon sein Eigen nennt, für den besteht keinerlei Anreiz, sich das Album erneut zu kaufen, denn außer der Aufmachung blieb alles unverändert. Man spendierte dem Album keine Klangüberarbeitung und Bonusmaterial gibt es auch nicht (den einzig bisher unveröffentlichten Text zum letzten Lied mal ausgenommen) – ich finde das nicht weiter schlimm, zumal so eine klangliche Aufbereitung nicht immer ein Pluspunkt sein muss, da kann viel schief gehen. Ob die Klangkulisse überhaupt einer Überarbeitung bedarf und ob die Welt genau auf diese Wiederveröffentlichung gewartet hat, darauf werde ich später zurückkommen.

Alle Mitglieder hatten innerhalb der schwedischen Szene andere Betätigungsfelder (unter anderem zeitweise Setherial und Sorhin) und auch At The Sight Of The Apocalypse Dragon kann man die Herkunft durchaus anhören. Gleich zu Beginn offenbart das melodische Gitarrenwerk bereits eine nicht zu leugnende schwedische Note, die für das Album prägend ist. Ebenso prägend sind die ausladenden Strukturen, bis auf das letzte überschreitet nämlich jedes Lied die 8 Minuten. Innerhalb der Lieder mangelt es nicht an Abwechslung, man geizte nicht mit ordentlicher Raserei, aber auch gemäßigte Momente wurden reichlich eingebaut. Zur Unterstützung der Gitarren zog man immer wieder das Keyboard heran, das durch gutes Einfügen ins Gesamtkonstrukt nicht überpräsent wirkt und somit eine Bereicherung darstellt. Heraus kam dabei durchweg episches Album, das zwar nicht geradlinig verläuft, aber dennoch gut ins Ohr geht. Schwerwiegende Kritikpunkte gibt es auf At The Sight Of The Apocalypse Dragon nicht! Der Kreischgesang ist sehr gefällig, der Klargesang nicht spektakulär aber in Ordnung und an den Instrumenten wirkt auch niemand deplatziert. Obwohl es nicht schlecht gespielt ist, hätte das Schlagwerk allerdings mehr Finesse gebrauchen können. Der eine oder andere Wirbel mehr hätte zum Beispiel gut getan und die Lieder noch dynamischer gemacht. Letztlich bleibt das aber eine Kleinigkeit, die ich ohne weiteres verkraften kann. Hinsichtlich der Güte des Klangs zählten Midvinter sicher nicht zur Speerspitze der damaligen Zeit, aber alles in allem ist das eine runde Sache und daher geht es auch vollkommen in Ordnung, daß der Klang bei der Wiederveröffentlichung unverändert blieb.

So einige Hördurchgänge hat At The Sight Of The Apocalypse Dragon hinter sich und ich muss feststellen, daß da kein verschollener Klassiker ausgegraben wurde. Zu hoch gegriffen wäre diese Einschätzung – dennoch bleibt es ein richtig gutes Werk und eine absolut gerechtfertigte Wiederveröffentlichung! Gute Zutaten wurden gut verarbeitet, lediglich in der Gesamtheit fehlt der Kreation das spezielle Etwas, das ein geniales Album von einem guten unterscheidet. Dennoch: Die Schweden nehmen das Gespür für gute Melodien anscheinend mit der Muttermilch auf! Midvinter sind also für alle, die auf melodischen Black Metal schwedischer Prägung stehen, eine gute Adresse zum Antesten! Wann das neue Material tatsächlich veröffentlicht wird, bleibt abzuwarten, die ersten Hörproben im Rohformat wecken aber bereits Interesse.

7,5/10

Der Einsiedler

01. Dödfödd / Stillborn
02. All things to end are made
03. Moonbound
04. Hope rides on devil wings
05. Dreamslave
06. Nocticula in aeternum / Of night primeval
07. Ett liv förnekat
08. De vises hymn

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