Mare Cognitum / Spectral Lore – SOL | 2013 | I, Voidhanger Records | CD | Ambient Black Metal

Mit dieser Split und Kollaboration werden all jene voll auf ihre Kosten kommen, die lange, atmosphärische und abwechslungsreiche Lieder und Arrangements mögen. Sol ist ein Werk, welches trotz der geringen Liedzahl auf knapp 80 Minuten Spielzeit kommt. Dabei gibt es jeweils ein Lied von dem us-amerikanischen Einmannprojekt MARE COGNITUM sowie von SPECTRAL LORE aus Griechenland. Bei Sol handelt es sich um ein kosmisches Konzeptalbum, auf dem es, natürlich, um das Zentralgestirn sowie die philosophischen Weitens unseres Universums geht.

Den Anfang macht MARE COGNITUM mit Sol Ouroboros, einem 29 Minuten andauerndem Titel, der überaus abwechslungsreich ausgefallen ist und sehr verschiedene Stimmungen transportiert. Natürlich steht die atmosphärische Ausrichtung im Vordergrund, doch gibt es, zu meiner Überraschung, relativ wenig sphärischen Ambient zu hören. Stattdessen beherrscht sehr facettenreicher Black Metal das Geschehen. MARE COGNITUM wechselt teilweise sehr harschen und schnellen Black Metal mit melodischen Passagen ab. Die atmosphärischen Momente wurden vorwiegend durch melodische Gitarren inszeniert, sphärische oder kosmische Keyboardklänge sind sehr rar und fungieren vor allem als Überleitungen zwischen den einzelnen Kapiteln. Obwohl Sol Ouroboros durchaus atmosphärisch und melodisch ist, verliert man sich dabei aber nicht in selbstvergessene Spielereien, die sich endlos in die Länge ziehen. Viel mehr gibt es sich ständig verändernde Passagen, die entweder sehr laut und hart, aber ebenso auch sanft und leise sein können. Trotz des kosmischen Themas und der durchaus guten instrumentalen Umsetzung gelingt es MARE COGNITUM jedoch nicht, einen ähnlich hypnotischen Sog auf mich zu entwickeln wie etwa BATTLE DAGORATH oder DARKSPACE. Dafür ist MARE COGNITUM viel zu wenig roh und harsch und viel zu sehr in klaren, sauberen und druckvollen Strukturen verhaftet, die zudem sehr abwechslungsreich sind.

Sol Medius von SPECTRAL LORE ist mit einer Spielzeit von 26 Minuten nur unwesentlich kürzer. Sol Medius ist ganz ähnlich wie sein Pendant Sol Ouroboros ein hochgradig abwechslungsreiches Stück, wobei SPECTRAL LORE aber phasenweise wesentlich rohere Töne anschlägt. Sol Medius ist eine Art Wechselbad der Gefühle, da sich sehr rohe, ruppige und harsche Passagen und Klänge mit melodischen, sphärischen und astralen Klängen eng beieinander liegend, abwechseln. Es gibt kurzweilige Eruptionen, in denen SPECTRAL LORE richtig bösartig, gurgelnd und gemein klingt, nur um einen Takt weiter,verfrickelte, technische und trockene Riffs zum Besten zu geben. Durch diese Abwechslung auf engstem Raum wirkt Sol Medius teilweise extrem technisch und komplex, was fast schon anstrengend sein kann. Dann gibt es aber irgendwann einen sphärischen und sehr ruhigen Klangteppich an Ambientklängen, die durchaus an die endlosen Weiten des Universums erinnern. Danach folgt quasi die zweite Hälfte von Sol Medius, welche anfänglich wesentlich schwerer, düsterer und beklemmender ist, da es sich hierbei um eine Art Funeral Drone Doom handelt. Die Riffs sind extrem langsam und langgezogen und auch der überaus schleppende Rhythmus reiht sich in diesen Reigen der Langsamkeit ein. Doch irgendwann ist Schluss mit lustig und SPECTRAL LORE vollzieht eine 180° Drehung und verfällt fortan in Raserei.

Abschließend ist Red Giant zu hören, welches von MARE COGNITUM und SPECTRAL LORE gemeinsam eingespielt wurde. Viel gibt es dazu nicht zu sagen, da das Lied ausschließlich aus ruhigen, sphärisch wabernden Ambientklängen besteht und somit eine überlange und zum Konzeptthema passende Ausleitung darstellt.

Ich muss gestehen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Ich hatte mir im Vorfeld mehr von diesem Konzeptwerk erhofft. Sol Medius ist mir gerade in der ersten Hälfte zu unruhig und technisch, aber der zähe Doom-Part in der zweiten Hälfte ist dafür sehr gut. Sol Ouroboros ist insgesamt leichter zu verdauen und zugänglicher, kommt aber für meine Wahrnehmung ohne echte Höhepunkte aus, wobei das Lied schon gut ist. Wer lange, abwechslungsreiche Lieder und Ambient mag, soll Sol durchaus probieren. Es ist keine schlechte Genre-Veröffentlichung, auch wenn mir für meinen Geschmack, auf die Länge bezogen, echte fesselnde Momente fehlen.

01. Mare Cognitum – Sol Ouroboros
02. Spectral Lore – Sol Medius
03. Mare Cognitum & Spectral Lore – Red Giant

https://www.facebook.com/MareCognitumMusic
http://spectrallore.bandcamp.com/
http://www.i-voidhanger.com/

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