Les Fleurs Du Mal – Schattenfeuer | 2010 | Dunkelheit Produktionen | CD | Ambient Black Metal

Schattenfeuer ist die Debütveröffentlichung von Les Fleurs du Mal aus Österreich. Zuvor hatte man allerdings unter dem Namen Dunkelhain bereits zwei Demos herausgebracht. Obwohl Schattenfeuer gerade mal vier Lieder umfasst, kommt der Silberling auf eine Gesamtspielzeit von knapp 59 Minuten. Die einzelnen Stücke dauern zwischen zehn und zwanzig Minuten an. Doch handelt es sicher hierbei nicht einfach nur um Ambient oder Depressive Black Metal, der minutenlange Monotonie bietet. Hinter Schattenfeuer steckt mehr, wie bereits I verdeutlicht. Zunächst muss aber gesagt sein, dass der Black Metal von Les Fleurs du Mal an sich, klanglich als auch spielerisch, roh und grell ist. Diese rohe Spielweise wurde mit einer gewissen Aggressivität sowie Eindringlichkeit gepaart, was man besonders gut am energischen, stark verzerrten Kreischgesang festmachen kann, der in I phasenweise in Richtung frühe Burzum geht. Was aber das Interessante an und in I ist, sind die Streichinstrumente, die phasenweise im Hintergrund zu hören sind. Nun ist es ja alles andere als neu, Black Metal mit Violine, Bratsche und co. anzureichern. Doch Les Fleurs du Mal ist es gelungen, dies eigenständig und gut zu tun. Die Musik „verkommt“ dabei nicht zu atmosphärischen Black Metal der Sorte A Forest of Stars und Konsorten, sondern bewahrt seinen rauen Charme, zumal die unauffällige Zuhilfenahme von Akustikgitarre kurzweilig an amerikanischen Country denken lässt. Diese Momente sind sehr kurz und unscheinbar, und vielleicht bin ich auch der Einzige, der dies so empfindet. Aber wie auch immer man diese Klangkreationen wahrnimmt, stimmig, gelungen und eigenständig sind sie definitiv.

Nachdem es in I durch die mittelschnellen Passagen durchaus Tempo gab, herrscht in II erst mal absolute Langsamkeit vor, die schon etwas von Drone Doom hat. Nach sechs Minuten geht diese bleierne Monotonie in eingängige Schnelligkeit und lautem Kreischgesang über. Eine ruhig und klar gespielte Gitarre besorgt der eingängigen Rohheit zum Trotz, dennoch eine atmosphärische Stimmung. Atmosphärische Elemente und rohen Black Metal gibt es auch in III, ehe mit IV dann ein langes, reines Ambientlied Schattenfeuer ausklingen lässt.

Die drei metallischen Lieder gefallen mir gut, da die Vermischung von Atmosphäre, Rohheit und Eingängigkeit ausgewogen und stimmig ist. An einigen wenigen Stellen erinnert die Musik ein wenig an Paysage d’Hiver, doch insgesamt betrachtet, geht Les Fleurs du Mal seinen eigenen Weg, der sich aus unterschiedlichen Einflüssen speist. Der Einsatz von Streichinstrumenten, Doom Passagen, Klargesängen und Ambient bietet eine hohe Vielfalt. Ich bin gespannt, welche Ansätze man auf einem zweiten Album ausbauen, und welche man vernachlässigen wird. Auf die Klargesänge in III hätte ich beispielsweise gut verzichten können. Dennoch ist Schattengang ein gelungenes Debütalbum.

7/10
Aceust

01. I
02. II
03. III
04. IV

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