Leichenbrand – Durch die Dunkelheit | 2006 | Black Metal | CDR | Black Metal

Es liegen nur zwei Monate zwischen Durch die Dunkelheit und …und im Feuer lagen meine Träume. Trotz dieser direkten zeitlichen Nähe ähneln sich beide Werke nicht unbedingt. Dies wird schon allein durch die Anzahl der Lieder, bei ähnlicher Gesamtspielzeit deutlich.

Das erste Lied, Die Reise beginnt, ist dabei das mit Abstand kürzeste Lied. Es ist im Groben ein eingängig schleppendes Lied, das durch die verzerrten und überlagerten Gitarren bestimmt wird. Die Gitarren klingen nun nicht mehr so laut, kraftvoll und präsent wie auf …und im Feuer lagen meine Träume. Stattdessen ist ihr Klang unsauberer und verzerrter, was in der Kombination mit dem Gesang, der ebenfalls nicht mehr so laut und aggressiv ist, für eine konstant schwermütige Stimmung sorgt.

Das fast doppelt so lange In die Dunkelheit erweist sich bereits in den ersten Minuten als abwechslungsreicher. Der Anfang ist zwar schleppend und eingängig, doch schon sehr bald folgt eine melodische Passage mit ruhigem Rhythmus. Hiernach folgen schleppende Parts, die vereinzelt sehr eingängig beschaffen sind. Diese schleppenden Parts werden immer wieder durch strukturelle Variationen unterbrochen oder auch angereichert. Diese Variationen äußern sich in rhythmischen Veränderungen oder zusätzlichen Melodiebögen im Hintergrund. Über die Dauer von knappen zwölf Minuten erweist sich die Gitarrenarbeit als die abwechslungsreichste Komponente, da das Spektrum von sehr eingängig und ausdauernd bis hin zu klar und melodisch reicht.

Vergangenheit ist fast 15 Minuten lang und insgesamt gleichfalls schleppend strukturiert. Natürlich gibt es Variationen, schnellere und härtere Schübe oder auch eine klare, ruhige Passage mit sehr seichten Tönen. Doch Vergangenheit unterscheidet sich von In die Dunkelheit, da die Gitarren hier weniger komplex und verzerrt sind. Das Riffing und die Melodieführungen sind klarer und einfacher, wodurch Vergangenheit eine angenehmere Atmosphäre erfährt, da weniger Anstrengung vonnöten ist, um den Spielfluss zu folgen.

Das abschließende Heimgekehrt ist das längste Stück der CD und beginnt mit einer sehr ruhigen und angenehmen Melodie. Dieser ruhige Zustand währt jedoch nicht lange und es tut sich ein rhythmisch sehr eingängiges Lied auf, das über weite Strecken durch eingängige Gitarrenmelodien und Riffs bestimmt wird, ähnlich wie es in In die Dunkelheit der Fall war. Diese Passagen mit dem eingängigen Gitarrenspiel sind auf Dauer etwas anstrengend, da ihnen ein harmonisches Gegenstück fehlt, was für eine Art Gleichgewicht sorgen würde. Doch Heimgekehrt besteht nicht nur aus diesen Passagen, es gibt auch ruhige Parts, etwa in der Mitte des Liedes, wo eine Orgel zu hören ist, die von guten, passenden und dunklen Melodien begleitet wird. Darüber hinaus gibt es auch immer wieder mal Abschnitte, in denen Leichenbrand das anstrengende Gitarrenspiel verlässt, und melodischere und harmonischere Spielweisen einfließen lässt.

Durch die Dunkelheit ist kein einfaches Werk. Es ist sicherlich auch kein schlechtes, doch wäre in anbetracht der sehr langen Spielzeiten der einzelnen Lieder, etwas mehr melodische Abwechslung wünschenswert. Im Booklet der CD ist zu lesen, dass Leichenbrand keine Band sondern ein Zustand ist. Wenn man mit dieser Aussage im Hinterkopf Durch die Dunkelheit hört, kann man sich womöglich ein wenig an die Gemütslage des Musikers annähern, da die zuweilen eingängigen und anstrengenden Parts etwas verstörendes haben, was man auf Dauer nicht immer gut aushalten kann.

01. Die Reise beginnt
02. In die Dunkelheit
03. Vergangenheit
04. Heimgekehrt

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