Kratein – Trauma | 2010 | Folter Records | CD | Black Metal

Kratein hat mit diesem Debütalbum eine, in mehrerer Hinsicht, rätselhafte Scheibe veröffentlicht, bei der zuerst das Plattencover sowie einen Augenblick später die griechischen Liednamen auffallen. Allein vom Cover ausgehend, könnte es sich bei Kratein um eine moderne Gruppe mit avantgardistischen Anleihen handeln – oder auch um, an psychotischen Dark Metal, angelehnten Black Metal. Mit dem ersten Titel έvα ist eine Einleitung zu hören, in der verschiedene Rundfunkbeiträge, unter anderem zu 9/11, Weihnachten und urbi et orbi, zusammengeschnitten wurden. Wenn man all diese unterschiedlichen Eindrücke auf sich wirken lässt, wird man nicht so recht schlau aus Kratein. Interessant ist es allemal und macht Lust darauf, sich näher mit diesem Trauma zu beschäftigen.

Auf diese ungewöhnliche Einleitung folgt dann mit knapp zehn Minuten Spielzeit das längste Lied, in dem Kratein abwechslungsreich aufspielt. Die erste Hälfte des Liedes ist ruhig und atmosphärisch, die ganze Zeit über ist eine sanft und eingängig melodisch gespielte Gitarre zu hören, während Gesang, Schlagwerk und Dynamik dabei durchaus treibend und druckvoll das Lied vorantreiben. In der Mitte kommt es zu einem kurzweiligen Geschwindigkeitsausbruch, der grimmig und kalt ist, ehe das Lied dann wieder gitarrenbetont und atmosphärisch weiter geht. Dieses erste, richtige Lied gefällt auf Anhieb, auch wenn es noch nicht ganz deutlich macht, womit man es hier zu tun hat. Das dritte Stück setzt jedenfalls energisch, kraftvoll und treibend schnell ein. Doch dabei bleibt es nicht. Kratein wechselt oft das Tempo, spielt häufig gute und vordergründig platzierte Melodiebögen, die sowohl atmosphärisch als auch eisig sind. Auf Trauma sind ohnehin häufig klare oder minimal verzerrte Gitarren zu hören, die maßgeblich zur atmosphärischen Grundausrichtig beitragen. Ebenfalls der Atmosphäre dienlich sind die wiederkehrenden, klar sprechenden Stimmen, die man auf Trauma immer wieder mal vorfindet. Etwas aus der Reihe fällt das letzte Lied, da es phasenweise extrem schnell, peitschend und harsch ist. Vor allem der Anfang des Liedes überrascht, da zuvor ja vor allem dunkelatmosphärische Klänge das Geschehen dominierten. Diese sind zeitweise aber auch hier zu hören, womit sich der Kreis schließt.

Trauma ist ein überaus gelungenes Debütalbum mit einer gehörigen Portion Potential für die Zukunft. Wenn nachfolgenden Veröffentlichungen in die selbe Kerbe wie Trauma schlagen, wird Kratein mit Sicherheit noch für einiges Aufsehen sorgen. Wirklich schlau geworden bin ich von der Veröffentlichung zwar nicht, Kratein bleibt erst mal rätselbehaftet und geheimnisvoll. Das Album ist randvoll gefüllt mit erstklassigen – teils rockigen Riffs, welche mich etwas an Sólstafir erinnern, die mir sofort im Gedächtnis haften bleiben und Lust auf mehr machen. Stilistisch kann man das Album also schon als eher modernen, atmosphärischen Black Metal mit tiefsinnigen, düsteren Anleihen betrachten, weshalb Kratein für mich zu großartigen Gruppen wie Animo Aeger und Vrångbild aufschließt. Lediglich die Kürze des Albums ist für mich kritikfähig, da sich neben der Einleitung auch noch ein Instrumentalstück auf der Scheibe befindet, weshalb man am Ende dann nur vier „echte Lieder“ hat. Aber das ist ja mein persönliches Empfinden und andere brauchen solche Stücke vielleicht unbedingt. Der Einstand ist jedenfalls gelungen, und wer düsteren, atmosphärischen sowie geheimnisvollen Black Metal mag, sollte sich Trauma unbedingt kaufen.

8/10
Aceust

01. έvα
02. δύο
03. τρία
04. τέσσερις
05. πέvτε
06. έξι

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