Karg – Von den Winden der Sehnsucht #2 | 2010 | Karge Welten Kunstverlag | CD | Black Metal

Von den Winden der Sehnsucht #2 ist kein einfaches dafür sperriges Werk der österreichischen Einmanngruppe Karg. Gelistet wird das Album als Ambient Black Metal, was aber eher in die Irre führt als den tatsächlichen Inhalt beschreibt. Von den Winden der Sehnsucht #2 ist ein, mit über 77 Minuten Spielzeit, sehr langes Opus, in dem der Solist V.Wahntraum eigene Gedanken und Empfinden vielfältig wiedergibt. Anders als etwa bei Draumar, ist hier der Black Metal federführend, der durch harsch intoniertem Keifgesang und melodischem Gitarrenspiel auffällt. Der Klang der Lieder ist recht dünn und arm an tiefen, organischen Tönen, was die Rauheit des Inhaltes betont. Obwohl im Booklet keine Texte abgedruckt sind, erhält man dennoch Einblick in das Wesen von V.Wahntraum, da dieser eine lange Stellungnahme verfasst hat. Es ist sicherlich interessant, diese Zeilen zu lesen, doch frage ich mich zugleich, welchen Zweck diese erfüllen sollen? Die Musik wird mir jedenfalls nicht nähergebracht.

Von den Winden der Sehnsucht #2 ist wohl eines jener Werke, welches man liebt und vollends in sich absorbiert oder welches einen nicht im Geringsten irgendwie berührt. Ich zähle zu letzterem, denn obwohl ich durchaus eine Vorliebe für bizarre und düstere Kompositionen habe, wirken die überlangen Stücke nicht sonderlich eindringlich auf mich, manchmal gar beliebig. Zudem gibt es recht viel Text und Gesang, was mich stört. Dieser hohe verbale Anteil läuft den melodischen Bestrebungen teilweise zuwider. Dafür gibt es aber vereinzelt verträumte Shoegaze-Parts, damit man sich vom Gekeife etwas erholen kann.

Von den Winden der Sehnsucht #2 ist langatmig und kaum zu fassen. Mal ist es atmosphärisher Black Metal, der durchaus schöne Melodien besitzt, ein anderes Mal könnte es sich um experimentellen Metal handeln und an anderen Stellen weiß man nicht, ob es nun in Richtung Ambient Black Metal oder doch Depressive Black Metal geht. Es gibt gute Ansätze, aber insgesamt wirkt das Album zu überladen und vielfältig ohne klare Linie. Anhänger wird Karg aber definitiv finden, denn es gibt eine Menge Leute, die solch episch ausufernde Werke mit eigenartigen und bizarren, abwechslungsreichen Strukturen lieben. Vielleicht muss man einfach nur traurig und einsam genug sein, um hier den Zugang zu finden, dazu gehöre ich aber nicht.

4,5/10
Aceust

01. Ich bin gefallen
02. Wahntraum
03. Ruhe unsanf
04. Sturm deiner Sommer
05. Grabestau
06. Wehmut
07. In die Ferne

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