Kalavias Magazin #4 | Sommer 2011

Seit der letzten Ausgabe des Kalavias ist viel Zeit vergangen, doch das Warten hat sich definitiv geloht. Bereits der erste Eindruck ist beeindruckend. Das Heft sieht optisch überaus ansprechend aus und fühlt sich in den Händen, auch aufgrund der immensen Schwere von 140 bedruckten Seiten, toll an. Es ist viel Arbeit und Herzblut in #4 geflossen, wie schon alleine das viele Seiten lange Gespräch mit Saruman von Heimdalls Wacht verdeutlicht. Es ist kein herkömmlicher Dialog, der mit 20 gewöhnlichen Fragen abgearbeitet ist. Alleine das Ausarbeiten des Fragenkatalogs muss sehr viel Zeit beansprucht haben. Das Gespräch ist in mehrere Abschnitte gegliedert und hat einen weitreichenden Tiefgang, der nicht nur Heimdalls Wacht und deren musikalisches Schaffen als solches behandelt. Man erfährt viel über Saruman und seine geschichtliche und sprachliche Kompetenz, ebenso erfährt man aber auch einiges über Arvargeris (Schöpfer des Kalavias) und historische und kulturelle Entwicklungen in Europa, über die sich die Beiden fast schon unterhalten. Ich habe bisher noch nie so ein langes und umfangreiches Gespräch gelesen, und es sicherlich nicht nur für Anhänger des Musik von Heimdalls Wacht interessant. Auch wenn die Fragen teilweise sehr speziell und themenbezogen sind, erhält man doch ein recht umfassendes Gesamtbild von Heimdalls Wacht und Saruman.

Es gibt aber noch zwei weitere, gleichfalls umfangreiche, Befragungen mit Drautran und Luctus. Diese weisen zwar nicht ganz so viele Fragen auf wie bei Heimdalls Wacht, sind aber nichtsdestotrotz informativ und gewähren tiefe Einblicke, die man in anderen Magazinen nur sehr selten findet. Das Kalavias besteht natürlich nicht nur aus Zwiegesprächen; Gedichte, eine Kurzgeschichte, ein finnisches Märchen und drei sachliche Artikel haben ihren gleichberechtigten Platz. Geschichtlich interessierte werden sich wohl über zwei Artikel freuen, die Sparta und seinen Weg zum Kriegerstaat sowie das antike China behandeln. Ich persönlich fand jedoch den Artikel “Die Ungerichtetheit der Dinge” höchst interessant. Es ist ein evolutionsbiologischer Beitrag, der das erste Kapitel von Adolf Heschls Buch Darwins Traum – Die Entstehung des menschlichen Bewusstseins umfasst. Gleichermaßen ansprechend und interessant finde ich die so genannte laute Impression “Das langsame Sterben”. Dort sind Luftaufnahmen mit kurzen Bildunterschriften zu sehen, die extrem eindringlich das Zurückdrängen der Natur durch den Menschen dokumentieren. Jeder Betrachter dieser Aufnahmen wird seine eigenen Gedanken dazu haben, zumal es auch einen einleitenden Text von Arvargeris gibt. Der Eine wird vielleicht die unaufhaltliche Zerstörung der Natur beklagen, der Nächste wiederrum stößt sich an der unausweichlichen Ausbreitung und Vermehrung des Menschen und ich mache mir ob dieser Bilder Gedanken über die Bedeutungslosigkeit und Vergänglichkeit des Einzelnen.

Das Kalavias regt in jedem Fall zum Nachdenken an, ganz gleich ob man die dargestellten Ansichten in den Zwiegesprächen teilt oder eine andere Meinung hat. Arvargeris schrieb im Vorwort, dass man für das Heft Konzentration aufbringen muss, da es zeitintensiv und sachlich mit Tiefgang ist. Dem kann ich nur zustimmen. Das Kalavias #4 ist ein imposantes und empfehlenswertes Druckerzeugnis, welches geschichtlich, lyrisch, haptisch und optisch einiges bereit hält und für lang anhaltenden Lesestoff sorgt. Wer das Kalavias bisher noch nicht kannte, darf sich auf ein ansprechendes und etwas anderes “Magazin” vorfreuen, in dem die Musik einerseits gedanklich und geistig durchaus allgegenwärtig, andererseits aber auch nebensächlich ist.

Die Ausgabe kostet 9,50€ und ist jeden einzelnen Cent das doppelte und dreifache Wert. Es steckt unfassbar viel Arbeit, Zeit und auch Geld in dem Heft, zumal es keine Werbung beinhaltet. Das Kalavias ist nicht nur ein Magazin, es ist ein leidenschaftliches sowie zeitloses und anspruchsvolles Druckerzeugnis, welches in seinem Umfang sicherlich auch als Buch durchgehen könnte.

http://kalavias-magazin.12hp.de/

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