Isvind – Gud

Isvind - Gut

Isvind - GutObwohl ISVIND seit 1993 existieren und das 1996 erschienene Debütalbum „Dark Waters Stir“ heute bei Kennern als ein Klassiker des norwegischen Black Metals gilt, gelang es nie aus den Schatten der großen und erfolgreichen Gruppen wie TSJUDER, GORGOROTH, IMMORTAL und Konsorten zu treten. Ein Grund dafür dürfte wohl die mehrmalige Pause sein, die ISVIND einlegten. Dies hatte natürlich auch eine geringe Anzahl an Alben zur Folge, was womöglich ein Grund für das Verbleiben im Schatten sein könnte. Ich gehöre jedenfalls auch zu jenen, die das Schaffen von ISVIND bestenfalls flüchtig und desinteressiert verfolgten. Ich kenne nur das Debütalbum, alles was danach kam ist mir gänzlich unbekannt, weshalb ich recht unvoreingenommen an „Gud“ herantreten konnte.

Gleich vorweg: „Gud“ ist ein gutes Album. ISVIND zelebrieren nordischen Black Metal, der wohl alle Zutaten enthält die amtlicher Black Metal aus dem Land der Kirchenbrände braucht. Trotzdem können mich ISVIND nicht vollständig von „Gud“ überzeugen. Dies machen ISVIND gleich mit den ersten Takten des Eröffnungsstücks „Flommen“ absolut deutlich. Das Lied (und somit selbstredend auch das Album) werden durch weiblichen Choralgesang eingeleitet. Ich mochte solchen Gesang im Black Metal noch nie und weshalb ISVIND darauf zurückgreifen, kann man in dem einen und anderen Interview nachlesen, überzeugen können mich die Norweger aber trotzdem nicht. Für meine ganz persönliche und subjektive Wahrnehmung zerstört dies einfach die grimmige Kälte des norwegischen Black Metals. Den lieferten ISVIND auf „Gud“ unbestreitbar ab, nur machte man davon Gebrauch sich zu entwickeln und ‚weiche‘ Elemente dem urnorwegischen Black Metal hinzuzufügen. Den zarten Frauengesang gibt es jedenfalls mehr als nur einmal auf „Gud“ zu hören.

Aber „Gud“ ist ja zum Glück weitaus mehr. „Gud“ ist grimmig, dreckig, kantig, knurrend, schnell – rhythmisch aber überaus variabel. Neben offenen melodischen Gitarrenläufen und dem einen und anderen Black’n’Roll-Riff à la DARKTHRONE (vor allem in dem Lied „Dåren“) entzücken mich vor allem die unauffällig gestalteten Harmonien, die manchmal an KAMPFAR erinnern und eine wunderbare winterliche, eisige Atmosphäre versprühen. Am meisten imponiert mich jedoch der von TSJUDER ausgeborgte Schlagzeuger AntiChristian. Er hat eine hervorragende Leistung abgeliefert und schaffte es immer wieder, den Liedern eine gnadenlose und hetzende Härte einzuverleiben. Ich finde sein Spiel im zweiten Stück „Ordet“ einfach nur fantastisch. Es ist brachial, brutal, eigensinnig und verdammt facettenreich. Mich erinnert es ein wenig an das göttliche Spiel von Frost zuzeiten von „Dark Medieval Times“ und „The Shadowthrone“. Leider gibt es in „Ordet“ aber auch männlichen Klargesang, kurzweilig zwar, doch reicht dies bereits, um die zuvor aufgebaute Stimmung kippen zu lassen. Jedenfalls empfinde ich das so.

In Teilen ist „Gud“ ein wirklich exzellentes Album. Aber leider nicht vollumfänglich. Die weichen Dreingaben wie die Klargesänge und Choräle, aber auch die eine und andere melodische Überspitzung hätten meiner Meinung nach nicht sein müssen. Nun weiß ich nicht wie sich die Vorgänger von „Gud“ anhören, aber ohne diese aufbrechenden Elemente wäre „Gud“ für mich ein heißer Anwärter eine der besten Black-Metal-Platten des Jahres zu werden. Dennoch gilt: Wer norwegischen Black Metal verehrt, wer die oben genannten Bands schätzt, der sollte sich „Gud“ definitiv zulegen, wenn er nicht gerade allergisch auf Veränderungen und atmosphärische Intermezzi wie Klargesang reagiert.

Isvind – Gud
2015 | Folter Records
CD | Black Metal

1. Flommen
2. Ordet
3. Tronen
4. Dåren
5. Hyrden
6. Boken
7. Giften
8. Himmelen
9. Spiret

https://www.facebook.com/Isvindband
http://www.folter666.de/

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