Interview: Fallen Yggdrasil

HATEFUL METAL: Hallo Simon,vor einem halben Jahr
ist euer Debütalbum „Building up a ruin to come“ erschienen. Nun, mit
etwas Abstand dazu. Bist Du zufrieden wie die CD bei den Leuten angekommen ist
und seid ihr als Band es auch?
FALLEN
YGGDRASIL: Hi, ich bin nach wie vor zufrieden mit der CD – obwohl ich sie im
Moment echt nicht mehr hören kann. Das hat aber weniger mit der Qualität der CD
zu tun, als damit, dass ich mir die Scheibe über einen Zeitraum von mehreren
Wochen jeden Tag mehrmals angehört habe, weil ich sie so cool fand, haha. Nach
dem ich sie nun vermutlich an die 400 mal angehört habe und wir die Songs ja
auch noch häufig live spielen, bin ich für’s erste etwas „gesättigt“… Aber es
spricht vermutlich für die Platte, beziehungsweise zumindest für meine
Zufriedenheit damit, dass es so lange gedauert hat, bis dieser Zustand
eingetreten ist. Bei vielen anderen Cds reicht mir dazu ein halber Durchlauf
aus, haha. Natürlich gibt es, um auf Deine Frage zurückzukommen, so ein paar
kleinere Sachen, die ich nun mit etwas Abstand doch gerne etwas anders gemacht
hätte, aber das ist jetzt eh unerheblich, es bringt nichts, sich darüber zu ärgern.
Die Reaktionen der Leute waren für uns sehr zufrieden stellend, obwohl es
natürlich die ganze Bandbreite an Reaktionen gab, von schlechten, über
mittelmäßige, bis zu euphorischen Kritiken. In der Zwischenzeit kann man ein
erstes Fazit ziehen, und da können wir unter’m Strich sehr zufrieden sein, die
guten und sehr guten Kritiken überwiegen bei Weitem, die Klatschen beschränken
sich auf ein paar Ausnahmen. Wir werden demnächst sämtliche Reviews, also nicht
nur die Jubelkritiken, sondern auch die paar Ausreißer nach unten, auf unserer
Homepage gesammelt haben, also falls sich jemand einen Eindruck von den
Pressereaktionen bilden will, kann er das da tun.
Die auffälligste Veränderung zu der MCD „In no
sense innocence„ ist ja Dein Gesang, der so erst einmal gewöhnungsbedürftig
war. Weshalb dieser Schritt?

Mir erschien der Gesang auf „In no sense…“ im Nachhinein einfach
teilweise zu stumpf. Das hat auch ein bißchen daran gelegen, dass ich, als ich
im Studio an die Reihe kam, nicht mehr viel Zeit hatte & die Sachen darum
auf Sicherheit eingesungen habe. Das Ergebnis hat mir mit zunehmendem Abstand
aber immer mehr missfallen. Das heißt nun nicht, dass ich die Vocals schlecht
finde, aber es war nicht unbedingt das, was ich eigentlich gewollt hatte.
Deswegen habe ich bei „Building…“ mehr darauf geachtet, die Vocals variabler
zu gestalten. Das Ganze sollte erstens dazu dienen, die Gesangslinien besser
rüberzubringen, außerdem stand für mich eher das Ziel im Vordergrund, den
Liedern Emotion zu geben, nicht unbedingt das, was man gemeinhin als
„Brutalität“ bezeichnen würde. Letzten Endes lief es darauf hinaus, dass die
Vocals naturbelassen klingen, weswegen wir außer an den zwei Stellen, wo wir
aus Gründen des Textzusammenhanges verzerrte Vocals benutzen, auf Effekte
verzichtet haben. Viele Death Metal Sänger heute klingen ziemlich gleich,
vielleicht liegt das daran, dass sie im Studio alle dieselben Effekte benutzen,
keine Ahnung. Ich wollte statt dessen „echt“ klingen, also so, wie es klingen
würde, wenn ich unter der Dusche oder wo auch immer ein Yggie – Liedchen vor
mich hinbrüllen würde, haha. Meiner Meinung nach geht das Ganze in die Richung
der frühen Tage des Death Metal, als man jede Band noch sofort am Sänger
erkennen konnte. Relativ häufig wurde der Gesang zum Beispiel mit dem der alten
Tiamat verglichen, ein Vergleich mit dem ich persönlich sehr gut leben kann. Es
war uns aber bewusst, dass wir damit angesichts der Erwartungen, die viele
Leute heute an Death Metal – Gesang haben, ein gewisses Risiko eingehen, und
Vagelis Maranis, bei dem wir aufgenommen haben, hat auch an mehreren Stellen
gesagt: „Hei Alter, das ist kein richtiger Death Metal mehr, was Du hier machst
– die werden Euch zerreißen“.
Ja, an
älteren Death Metal à la Dismember hatte mich Dein Gesang auch ein wenig
erinnert. Dann ist also mit diesem naturbelassenem Gesangsstil auch weiterhin
zu rechnen?
Ja, auf jeden Fall. Während der letzten Proben
habe ich aber auch wieder vermehrt tiefer gesungen, es ist also möglich, dass
auf der nächsten Platte auch wieder die eine oder andere Gesangspassage mit
Vocals der Marke „In no sense…“ sind. Aber auch die werden ohne größere
Effektunterstützung auskommen. Aber ich werde vielleicht wieder einzelne
Passagen mit einem richtig krassen Effekt machen, so wie diese kurze Stelle bei
dem Song „Babylonian prayer “, wo wir diese extreme Verzerrung drauf haben.
Aber das werdet Ihr dann ja auf der nächsten Platte hören …
Du hast
vorhin bereits das breite Spektrum der Reaktionen zur neuen CD und speziell
auch dem Gesang angepsrochen. Gab es also auch Stimmen die dem alten Gesang
nachgetrauert und eure CD deshalb zerrissen haben?
Insgesamt wurde der Gesang in den Reviews sehr
häufig thematisiert, was ich persönlich schonmal sehr positiv finde. Denn, mal
ehrlich: In der Regel ist bei Besprechungen von Death Metal Cds der Gesang so
ziemlich das Letzte, worüber konkrete Aussagen gemacht werden – das geht oft so
nach dem Motto: Wenn der Rezensent nicht explizit was drüber schreibt, dann ist
es halt das übliche. Insofern fand ich gut, dass wir offensichtlich auch in
dieser Hinsicht etwas Eigenes machen, so dass der Gesang für wert befunden
wurde, eigens erörtert zu werden. Allerdings gingen die Meinungen dabei zum
Teil weit auseinander, die Mehrheit fand ihn sehr gut, aber es gab wie Du
vermutet hast auch ein paar „Klatschen“ in meine Richtung. Das RockHard hat uns
sogar ausdrücklich wegen des Gesangs einen halben Punkt abgezogen. Aber wie
gesagt: Es war uns klar, dass der Gesang einige Leute irritieren wird. Was mich
persönlich aber zum Teil, das gebe ich ehrlich zu, etwas gekränkt hat, waren
die ein bis zwei Rezensionen, in denen mir unterstellt wurde, ich könnte nicht
tiefer oder „brutaler“ singen. Das fand ich nun nicht so nett, denn die Kollegen
sind einfach davon ausgegangen, dass ich ja eigentlich so oder so klingen
wollte, es aber nicht kann. Auf die Idee, dass der Gesang so klingen sollte,
wie er auf der Cd ist, sind sie nicht gekommen. Wenn wir gewollt hätten, dass
er anders klingt, dann hätte ich einfach anders gesungen … Im Übrigen: Selbst
angenommen ich könnte nicht „brutaler“ singen und wir hätten trotzdem genau das
gewollt – dann hätten wir einfach die entsprechenden Effekte drauf machen
können und voilá. Aber wie gesagt: Die Kritik am Gesang war zu erwarten und sie
ist auch vollkommen ok, denn man kann da auf jeden Fall geteilter Meinung sein
und gerade für diejenigen, die die vorige Platte kennen ist der Unterschied
schon auffällig. Da wir aber in der absolut überwiegenden Zahl sehr gutes
Feedback darauf bekommen haben, war es wohl schon gut so.
Was hat es
mit dem Namen „Building up a ruin to come“ auf sich? Steckt da ein ganz
spezieller Gedanke hinter oder lässt diese Bezeichnung jedem Hörer selbst seine
eigene Interpretation zu? Wenn ich mir die Liednamen anschaue, steckt hinter
dem Werk nicht wirklich eine konzeptionelle Absicht, oder?
Richtig, wir hatten nicht die Absicht, ein
Konzeptalbum zu machen. Die Lieder handeln von komplett anderen Dingen und das
einzige, was sie verbindet, ist, dass ich die Texte geschrieben habe und alle
Texte meine Sicht der Dinge widerspiegeln. Wenn es also auf de Platte ein
Konzept gibt, dann müsste es „Simon’s world“ heißen, haha. „Building up a ruin
to come“ handelt einfach davon, dass man oft Dinge beginnt, von denen von
vornherein schon klar ist, dass sie zum Scheitern verurteilt sind. Es geht also
im weitesten Sinne um vergebliche Bemühungen, enttäuschten Idealismus,
vielleicht sogar die Sinnlosigkeit menschlichen Strebens schlechthin. Womit
konkret er diesen Rahmen, den der Text vorgeben soll, füllt, bleibt jedem Hörer
aber selbst überlassen.
Ihr seid
auf der Suche nach einem neuen Gitarristen. Weshalb ist der alte ausgestiegen
und wie ist der derzeitige Stand der Dinge?
Dennis hatte offenbar zunehmend Zeitprobleme und
konnte deswegen nicht mehr das

Tempo mitgehen, dass die Dynamik der Band
vorgegeben hat. Es gab deswegen zeitweilig ein paar kleinere Missstimmungen in
der Band und letzten Endes haben wir uns dann eben voneinander getrennt. Das
Ganze war aber keine dramatische Sache, von den genannten kleineren
Verstimmungen im Vorfeld abgesehen, ging das alles absolut „sauber“ und
freundschaftlich über die Bühne. Jetzt suchen wir halt – mal wieder – einen
neuen Gitarristen. Getan hat sich in der Hinsicht bisher noch nichts. Machen
wir uns nichts vor: Die Band verlangt schon einiges von ihren Mitgliedern,
gerade auch was den Zeitaufwand anbetrifft. Wohl über die Hälfte aller
Wochenenden im Jahr gehen teilweise oder komplett für Konzerte und Proben drauf
– und wenn man diese Zeit, aus welchen Gründen auch immer, als „Opfer“
empfindet und nicht als „Gewinn“, dann hat das keinen Wert. Aber vielleicht
fühlt sich ja einer Eurer Leser berufen? Also wer denkt, dass ihn der Posten interessieren
könnte, der sollte mir einfach eine Mail schicken, dann kann ich ihm weitere
Infos geben. Aber gleich vorweg: Geld wird man mit der Band nicht verdienen –
eher im Gegenteil – , aber dafür können wir ein gutes Bandklima, eine Menge
Spaß und coole Erlebnisse bieten…

Glaubst Du
echt, dass jemand mit der Intention an die Sache herangeht, am Ende des Monats
eine gefüllte Brieftasche zu haben? Kann ich mir ehrlich gesagt gar nicht
vorstellen, aber das passiert mir ja öfters mal…
Ich glaube auch nicht, dass jemand mit einer
Band wie uns unbedingt die große Kohle verbindet – dazu hat es sich wohl weit
genug rumgesprochen, dass Bands des extremen Sektors nur in den wenigsten
Fällen wirklich viel Geld verdienen. Und das gilt auch für Bands, die weit,
weit bekannter sind als wir. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass jemand
die Vorstellung hat, dass wir das Geld aus der Bandkasse in regelmäßigen
Abständen an die Mitglieder auszahlen. Dem ist aber kaum so: Was reinkommt,
wird in der Regel wieder investiert oder geht für laufende Kosten drauf.
Unter’m Strich zahlen wir sogar alle drauf, denn Fahrtkosten zum Proberaum und
ähnliches trägt jeder selbst… Aber hei: Jedes Hobby kostet Geld. Und wenn wir
Fallen Yggdrasil auch von der Einstellung her sehr professionell betreiben,
dann bleibt es alles in allem trotzdem „nur“ ein Hobby, von dem wir nie werden
leben können. Und das ist ja auch nicht wichtig. Jemand der gesteigerten Wert
darauf legt, mit der Band die große Kohle zu scheffeln, würde vermutlich auch
von der generellen Einstellung her nicht zu uns passen. Aber mal Gegenfrage:
Wie darf ich denn den letzen Satz Deiner Frage verstehen ??? ;-)
Es kommt
öfters mal vor, wo ich in der Annahme bin, wenn etwas für mich klar und
selbstverständlich ist, dass es für alle anderen auch so sein muss. Doch das
ist manchmal gar nicht so selbstverständlich und ich wundere mich dann.
Kannst Du
schon was zu neuem Material sagen? Seit ihr am Schreiben und Proben oder lasst
ihr euch da einfach noch etwas Zeit?
Wir sind fleißig am Proben, was unter den uns
gegebenen Umständen aber eher nach dem Motto „Mühsam ernährt sich das
Eichhörnchen“ abläuft. Aber es geht doch recht gut voran und ein paar neue
Sachen stehen auch schon, so dass wir sie in absehbarer Zeit „am lebenden
Objekt“, also live, vorstellen werden. Mal sehen, wie sie bei den Leuten
ankommen. Musikalisch wird es, soweit sich das bisher sagen lässt, keine großen
Veränderungen geben. Es wird einige Neuerungen im Detail geben, aber an der
Marschrute an sich wird sich nichts ändern. Ich denke, wir haben unseren Stil
gefunden, der wird nun in absehbarer Zeit wohl nur noch modifiziert, aber nicht
mehr radikal umgestellt.
Wie sieht
es mit anderen Bands aus, seit ihr ausschließlich in Fallen Yggdrasil aktiv?
Für andere Bands haben wir gar keine Zeit. Es
ist so schon so zuweilen schwierig genug, Studium / Job, Privatleben und Band
unter einen Hut zu bringen, das kannst Du mir glauben. Ich bin ohnehin der
Meinung, dass es besser ist, sich auf eine Sache zu konzentrieren, und die
dafür möglichst gut zu machen. Es ist wohl auch so, dass ich generell kein
Freund von Nebenprojekten bin. Es gibt ja so Musikergestalten, die in fünf
Projekten spielen, die nicht nur irgendwie alle den selben Stiefel spielen –
sondern die oft genug auch jedes für sich genommen doch nur durchschnittlich
sind. Da Frage ich mich immer, warum die nicht einfach von allen fünf Projekten
die jeweils besten Ideen nehmen und daraus EINE richtig gute Band machen. Dem
unter der Veröffentlichungsflut stöhnenden Fan wäre damit sicherlich geholfen
Da stimme
ich Dir zu. Wo Du gerade die Veröffentlichungsflut ansprichst. Was hältst Du
denn von diesen vielen Ein-Mann-Bands mit Drumcomputer, oder bekommst Du davon
stilistisch bedingt eher weniger etwas mit? Die sind ja vor allem im Black
Metal zur Zeit sehr massenhaft vertreten mit ihren Veröffentlichungen.
Da bin ich in der Tat nicht so auf dem
Laufenden, weil ich nun nicht gerade Black Metal – Spezialist bin. Aber ganz
generell würde ich sagen: Wenn einer keine Band zusammenbekommen kann oder will
und deswegen ein Ein – Mann – Projekt startet, dann muss das nicht
grundsätzlich falsch sein. Es ist eher die Frage, was dabei herauskommt. Ich
mein, das kann ja durchaus musikalisch gut sein, oder? Der Grund, warum solche
Ein – Mann – Sachen oft nicht so der Bringer sind, ist wohl eher, dass die
betreffenden Einzelmusiker überfordert sind mit den verschiedenen Instrumenten.
Wer zum Beispiel keine Ahnung vom Schlagzeugspielen hat, kann wohl kaum einen
Drumcomputer gescheit programmieren …
Das
Gründungsdatum von Fallen Yggdrasil liegt ja im Jahre 1996. Warum habt ihr euer
Debütalbum aber erst nach acht Jahren gemacht?
Na ja, ganz einfach: Davor wollte uns keine
Plattenfirma, haha. Beziehungsweise: Wir haben uns lange Zeit auch erst gar
nicht beworben, weil wir uns erst mal selbst beweisen wollten. Und die zarten
Kontakte, die es danach zu Zeiten gegeben hat, haben wir durch unseren
Eigensinn schon im Ansatz zerstört, haha. Shit happens. Aber auch abgesehen davon
gibt es für diese lange Zeit die verschiedensten Gründe, wie zum Beispiel
verschiedene Besetzungswechsel, wiederholte Zeiten, in denen wir ohne Proberaum
dastanden, und so weiter und so weiter. Dann war es für lange Zeit in unserer
Bandgeschichte einfach auch eine finanzielle Frage. So eine Fulllength
aufzunehmen kostet einigen Schotter, den muss man erstmal haben, wenn man keine
Plattenfirma hat, die einem da was zustreckt. Und da wir als zunächst Schüler,
dann Studenten nicht gerade reich betucht sind beziehungsweise waren, war das
nicht so einfach. Mal ehrlich: Du darft nicht glauben, dass wir in der
Bandkasse genug Kohle gehabt hätten, um damit eine professionelle Fulllength
aufzunehmen! Wenn man übrigens genau ist, sollte man die Geburt der Band ein
Jahr später ansetzen, denn die Band wurde zwar der Ideen nach 1996 gegründet,
aber bis wir uns halbwegs organisiert hatten, war‘s schon 1997. Man könnte also
sagen: Gezeugt wurde das Kidchen 1996, aber auf die Welt gekommen ist es erst
nach satten 12 Monaten Schwangerschaft.
Wenn ich
mir eure Diskographie anschaue, sind die Veröffentlichungen in all der Zeit ja
recht übersichtlich. Spielt ihr lieber live auf den vielen Konzerten die ihr
gebt, anstatt regelmäßig an neuem Material zu arbeiten?
Ein leidiges Thema, das sich durch die gesamte
Bandgeschichte zieht … Ich bin auch überzeugt davon, dass wir in der
Vergangenheit immer viel verschenkt haben dadurch, dass es immer so lange
gedauert hat bis zur nächsten Veröffentlichung. Die Gründe dafür liegen neben
dem oben geschilderten Geldproblem vor allem zum einen in der Bandgeschichte
und zum Andern in den Umständen, unter denen diese Band zu arbeiten gezwungen
ist. Was die Bandgeschichte anbetrifft, kann ich’s ja kurz machen: Wir haben
einfach „traditionell“ bis in die jüngste Vergangenheit eine recht rege
Fluktuation innerhalb der Band und jeder Besetzungswechsel hat uns auf’s neue
zurückgeworfen, weil es einfach viel Zeit und Energie kostet, neue Leute zu
finden und einzulernen. Die andere Sache ist, dass wir ziemlich selten zusammen
proben können. Wir leben eben einfach nicht alle in der selben Stadt, sondern
zum Teil recht weit von einander entfernt. Das bedeutet, dass wir nicht unter
der Woche oder spontan proben können. Stattdessen geht das nur am Wochenende –
und da haben wir eben oft Konzerte. Auf die Konzerte wollen wir aber nicht
verzichten, denn wir identifizieren uns selbst schon sehr stark über unsere
Liveaktivitäten. Außerdem ist das in der Zwischenzeit fester Bestandteil in
unserem Leben – ohne die vielen Konzerte würde mir vermutlich schon bald die
Decke auf den Kopf fallen. Wie dem auch sei: So kommt es eben, dass wir viel
mit Tapes arbeiten müssen. Das läuft dann so, dass wir Ideen und neue Songs auf
Kassetten aufnehmen und austauschen. Jeder macht sich zuhause dann seine
Gedanken dazu und bereitet seine Parts vor, so dass wir, wenn wir das nächste
Mal alle zusammen im Proberaum sind, nur noch an Feinheiten und am
Zusammenspiel zu feilen brauchen. Dieses System klappt ganz gut, aber es ist
schon etwas umständlich und störanfällig.
Wie kommt
es eigentlich, dass ihr so selten (oder gar nicht) in der nördlichen Hälfte
Deutschlands zu sehen seit?
Das hat glaube ich keinen bestimmten Grund. Ich
mein, wir spielen schon auch weiter nördlich, unser Aktionsradius reicht ja
durchaus vom Bodensee bis Flensburg, aber unter’m Strich und im Vergleich zu
anderen Gegenden Deutschlands sind wir tatsächlich recht selten im Norden. Ich
glaube, dass das gar nicht so sehr an uns liegt – es hat sich bisher einfach
nicht anders ergeben. Vielleicht befürchten die Gigveranstalter, dass es zu
viel kostet, uns von ganz im Süden nach Norden zu holen? Falls irgendwelche
norddeutschen Gigveranstalter das lesen sollten: Wir hätten ganz und gar nichts
dagegen, in Zukunft noch häufiger im Norden zu zocken, also bei Interesse
meldet Euch – und finanziell werden wir uns bestimmt auch einig, haha.
Ich
glaube, auf den großen Sommer-Festivals wart ihr bisher noch nicht vertreten.
Kein Interesse von eurer Seite oder hat bisher noch nie jemand angefragt?
An Interesse von unserer Seite mangelt es sicher
nicht, aber bei den richtig großen Sachen wie meinetwegen Wacken haben wir kaum
eine Chance. Da sollte man einfach realistisch sein: Dazu sind wir insgesamt zu
unbekannt, bzw. verfügen auch nicht über die Kontakte, die für eine Band
unserer Kragenweite nötig wären, um auf so eine Sache zu kommen. Eine Bewerbung
macht da also schon von vornherein für uns gar keinen Sinn. Das wäre eher
verschwendete Energie – und das Porto für ein Promopaket kann man sich folglich
getrost sparen.
Die
Festival-Saison beginnt ja in wenigen Monaten. Sind schon erwähnenswerte
Auftritte geplant oder gar fest und spruchreif?
Da kann ich dir im Moment leider gar nichts
Konkretes sagen, weil noch nichts spruchreif ist. Aber ich denke schon, dass
wir zumindest bei den kleineren Events wieder vertreten sein werden. Ich hoffe,
dass sich da bald noch das eine oder andere tut.
Weshalb
liest man so oft Tübingen im Zusammenhang mit Fallen Yggdrasil? Laut
Kontaktseite euer Homepage wohnt dort niemand.
Das ist eine einigermaßen verwickelte
Geschichte. Ursprünglich waren wir eine „rein tübinger“ Band, alle
Bandmitglieder lebten in Tübingen, der Proberaum war in Tübingen und so weiter.
Aber aufgrund von Umzügen und Besetzungswechseln ist es zwischenzeitlich
tatsächlich so, dass niemand von uns mehr dort wohnt. Der letzte, der zumindest
halbwegs in der Gegend wohnte, war Dennis, der aber ja seit Dezember letzten
Jahres nicht mehr dabei ist. Wir sind nun über den gesamten Südwesten verteilt,
und auch der Probraum ist schon einige Zeit nicht mehr in Tübingen, sondern in
Freiburg … Somit hast Du also vollkommen Recht: Mit Tübingen haben wir kaum
noch etwas zu tun. Trotzdem geistert das mit „Fallen Yggdrasil aus Tübingen“
noch durch die Szene, gerade bei Leuten, die uns schon länger kennen. Es ist
für mich persönlich auch nicht unbedingt wichtig, aber es könnte schon sein,
dass das zum Teil für Verwirrung sorgt.
Wie
bereits erwähnt, existieren Fallen Yggdrasil schon einige Jahre. Wie werdet ihr
in Deutschland wahrgenommen? Noch immer als „Underground Death Metal Band“ die
für Überraschungen sorgt oder seit ihr inzwischen – vor allem auch nach dem
ersten Album – etwas etablierter?
Puh, das ist nicht einfach zu beantworten. Ich
persönlich habe im Moment so den Eindruck, dass wir dazwischen stehen mit nach
wie vor deutlicher Tendenz zum Underground. Ehrlich gesagt gefällt mir das
nicht so sehr weil es weder Fleisch noch Fisch ist. Wenn ich so meine Gefühle im
Moment bildlich darstellen müsste, dann würde ich es so tun: Ich bin der
Stürmer in einem Fußballverein namens Fallen Yggdrasil. Dieser hat jahrelang
mit Erfolg in der zweiten Bundesliga gekickt. Nun stehen wir in der Nähe eines
Aufstiegsplatzes und irgendwie schiele ich nach der Bundesliga. Dort werde ich
aber gar nicht so richtig ernst genommen, obwohl ich schon dem einen oder
anderen Bundesligaverein bei Pokalspielen und in der Hallenrunde ordentlich
eingeheizt habe. Außerdem hängt mein Herz doch eher an der 2. Bundesliga, weil
ich mich da jahrelang wohl gefühlt habe, einigermaßen erfolgreich war und mich
alles in allem ganz gut eingerichtet habe in den dortigen Stadien, mit den
dortigen Fans und so weiter.
Simon, ich
hoffe meine Fragen waren interessant und haben nicht so gelangweilt. Ich
wünsche Dir mit Fallen Yggdrasil für die Zukunft viel Spaß und alles Gute und
überlasse Dir an dieser Stelle das letzte Wort.
Hey, das Interview hat Spaß gemacht, hast mir ja
ordentlich auf den Zahn gefühlt … Ich hoffe, Deine Leser werden das Teil mit
Interesse lesen. Vielen Dank für die Gelegenheit, uns bei Hateful Metal
ausbreiten zu dürfen & ganz speziell „Danke“ für die Mühe, die Du Dir
gegeben hast! Wir wissen es sehr wohl zu würdigen, wenn Ihr Schreiberlinge Eure
Zeit dafür hergebt, Interviews und Reviews zu verfassen. Und wenn ich manchmal
so wie oben geschehen über Reviews meckere, dann darf man das nicht persönlich
nehmen. Ich bin eben eine alte Motzkuh und stehe auf dem Standpunkt, dass nicht
nur die Presse die Bands kritisieren dürfen sollte, sondern auch die Bands die
Presse. „Offener Schlagabtausch zum Wohle der Szenekommunikation“ sozusagen –
aber bitte nur verbal, haha.

 

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