Inmitten des Waldees / Mortualia – Split | 2009 | Dunkelheit Produktionen | CD | Black Metal

Ich bin immer skeptisch und mache einen großen Bogen um Gruppen, die aus der depressive Black Metal / Ambient Ecke kommen, deutsche Namen und Titel verwenden und dann auch noch aus einer anderen Sprachregion kommen. Ich bin da voreingenommen, da es in diesem musikalischen Pfuhl einfach viel zu viel Mist gibt, der von niemanden gehört werden sollte. So machte ich auch bisher stets einen abweisenden Bogen um das brasilianische Zweiergespann Inmitten des Waldes. Wie ich nun feststellen muss, zu Unrecht. Jedenfalls ist das, was hier auf der Split zu hören ist, gut gespielter, langsamer, melancholischer und roher Black Metal. Das kurze, einleitende Pianostück hätte man meiner Meinung nach weglassen können, doch das dann erklingende Supreme tragedy of all the times weiß mich zu überzeugen. Mir gefallen die grell und rau gestimmten, hell klingenden Gitarren, die ich so in der Art zwar schon öfters zu hören bekam, mir aber immer wieder gefallen, wenn sie gut gespielt werden. In diesem Fall werden sie es. Die Melodieführung ist durchzogen von einer latenten Melancholie, die nicht zu dick aufgetragen wurde. Stellenweise erinnert sie mich an Marblebog. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass Inmitten des Waldes kein programmiertes Schlagzeug verwendet. Das von Hand gespielte Instrument erweist sich partiell sogar als recht vielfältig, was angesichts der langsamen, schleppenden Spielweise nicht selbstverständlich ist. Mit dem Kreischgesang können mich die Brasilianer gleichfalls überzeugen, da dieser nicht zu extrem oder hysterisch ist und man auf emotionale Befindlichkeiten verzichtet.

Mortualia ist auch eine Gruppe, die ich bisher tunlichst vermied. Der Grund dafür ist, dass dies ein weiteres (Solo)projekt von Shatraug ist. Ich kann es mir nicht so recht vorstellen, dass eine Person soviel Kreativität und Muße haben soll, um in zehn, fünfzehn Black Metal Gruppen anständiges Material zu kreieren, das sich im Idealfall auch noch von allen anderen Projekten abgrenzt und unterscheidet. Das Shatraug befähigt ist, erstklassigen Black Metal zu machen, steht außer Frage. Aber muss man es immer und überall tun, nur weil man es kann?

Wie dem auch sei. Mit Mortualia wird die düstere, depressive Seite ausgelebt. Musikalisch geht es langsam zu, die Gitarren versuchen den Spagat zwischen leichter Melodik und Eingängigkeit, was soweit auch gut gelingt. Was aber, und damit stehe ich wohl alleine dar, gar nicht geht, ist der Kreischgesang, der aus der Ferne zu kommen scheint. Obwohl der Gesang am depressiven Black Metal angepasst wurde und er ordentlich verzerrt ist, ist Shatraugs Stimme unverkennbar. In Choir of arteries ist er sogar klar, wovon ich Kopfschmerzen bekomme. Ironischer Weise gefällt mir die Musik von Choir of arteries ziemlich gut. Sie ist kraftvoll, und trotz der Langsamkeit treibend, ein wenig doomig, was mir gut gefällt. Aber der Gesang gehört verboten, er hört sich an, als würde ein Kätzchen klagend im Schneegestöber um Einlass mauzen. Das abschließende Paine sortie… sagt mir musikalisch auch zu, nur handelt es sich hierbei um einen instrumentalen Ausklang, der dafür aber mit guter, dunkler Melodik aufwartet. Schade, dass man aus solcher Musik kein richtiges Lied gemacht hat.

Diese Split hat ein Vorurteil widerlegt, ein anderes aber bestätigt. Von Inmitten des Waldes bin ich angenehm überrascht worden, da ist auch noch Luft nach oben. Mir gefällt die Bodenständigkeit des Materials, dass man es unterließ, um jeden Preis verzweifelt oder besonders depressiv klingen zu wollen. Mortualia ist für mich allerdings ein Reinfall. In Choir of arteries ist die Musik gut, aber der Gesang wohl ein Witz. Das lange A song of harm and harmony ist solide, mehr aber nicht. Und wenn der instrumentale Abschluss das beste Lied ist, sagt das wohl alles!

Inmitten des Waldes 7,5/10
Mortualia 5/10
Aceust

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