Inhuman Hate – Twilight Of A Lost Soul | 2010 | Eisenwald | CD | Black Metal

Twilight of a Lost Soul lautet der Name des dritten Albums von Inhuman Hate. Da ich die Gruppe bisher nicht kannte, hatte ich also keine Vorstellung von der Musik, die mich erwartete. Laut Eisenwald handelt es sich um traurigen Black / Doom Metal. Diese Mischung kann sehr gut und interessant sein, auch wenn ich aufgrund des Gruppennamens eher auf Raserei und Brachialgewalt getippt hatte.

Am Anfang steht mit über 15 Minuten Spielzeit das mit Abstand längste Lied. Es geleitet ruhig und atmosphärisch ins Werk. Anfänglich sind sanfte Klargitarren und Wassergeplätscher zu hören. Irgendwann nimmt die Intensität zu, kraftvolle Riffs, melodische Gitarrenläufe, treibendes Schlagwerk und Gesang kommen hinzu. Dennoch bleibt es ruhig und atmosphärisch, eine gewisse Melancholie breitet sich aus. Inhuman Hate nimmt sich in diesem Auftakt viel Zeit, um mittels Melodik und emotionalem Gesang, eine dichte Stimmung aufzubauen. Bei mir klappt das allerdings nur bedingt, da ich die 15 Minuten als etwas langatmig empfinde. Im zweiten Lied ist das Tempo von Beginn an schnell und treibend. Doch aufgrund des weiterhin ruhigen Gesanges sowie der Melodieführung bleibt es auch hier schwermütig, zumal das Tempo irgendwann gedrosselt und von einer klaren Akustikpassage mit sphärischen Gitarren abgelöst wird. Dieser Part gefällt mir verdammt gut, vor allem, weil diese sphärische Gitarre leise vom variabel gespielten Schlagzeug begleitet und schließlich verdrängt wird, ehe sich die Gitarre dann mit einem melodischen Soli zurück meldet. Das Schlagzeug ist auf dem Album ohnehin ein guter Faktor, der allerdings droht, inmitten der Riffwände und Melodien, unterzugehen. Zum Einen ist der Klang des Schlagwerks sehr gut, da enorm druck- und schwungvoll. Zum Anderen gefällt mir auch die Spielweise, da diese – sofern es das Songwriting vorsieht – durchaus spielerisch anspruchsvoll und vielfältig ist. II ist jedenfalls ein gutes, abwechslungsreiches Lied.

III besteht vor allem aus Stimmen, die entweder geflüstert oder geschrien wurden, und von düsteren Ambientklängen begleitet werden. Das ist ganz nett und kurzweilig auch ansprechend, wenn man es als kurze Überleitung inszeniert. Aber die fünfeinhalb Minuten, die der Titel für sich beschlagnahmt, scheinen mir zu lang. IV beginnt dunkelmelancholisch mit Piano, Cello und dumpfem Donnergrollen. So weit, so gut. Doch dabei bleibt es leider nicht und Inhuman Hate spielt fortan melodisch, rockig und mit gefühlvollem Klargesang auf, was mich ein wenig an Gothic Rock denken lässt. Mir gefällt es überhaupt nicht, und wahrscheinlich wird dieses Lied entweder geliebt oder gehasst werden. Zum Glück gibt es abschließend noch das fünfte Lied, welches den Karren wieder etwas aus den Dreck zieht. Das Lied ist schwer, dunkel und kraftvoll, die angekündigten Doom-Einlagen kommen zum Tragen. Die düsteren Riffs, zum Teil sehr tief und mächtig – die Bassgitarre wabert bedrohlich im Hintergrund – harmonieren exzellent mit dem Schlagwerk. V ist ein tolles Lied das sogar ohne den Gesang genau so gelungen und ansprechend wäre.

Twilight of a Lost Soul ist eine sehr abwechslungsreiche und launische Platte, die keiner klaren Linie folgt. Das Liedgut ist sehr unterschiedlich beschaffen und die einzige Gemeinsamkeit ist wohl die latente Melancholie in der Musik. Es gibt Lieder, die mir auf Anhieb sehr gut gefallen haben (II und V). I und III kann ich noch durchgehen lassen, doch das vierte Lied mit dem Klargesang löst in mir die sofortige Betätigung der Überspringentaste aus. Ein Fazit kann ich deshalb nicht wirklich treffen. Man muss die Scheibe selbst probieren, dafür allerdings eine Neigung für melancholischen Metal mitbringen.

6/10
Aceust

01. I
02. II
03. III
04. IV
05. V

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