In Mourning – Afterglow

In Mourning - Afterglow

In Mourning - AfterglowAls ich in der ersten Zeile des Promoschreibens über „Afterglow“ einen Verweis zu OPETH las, überkam mich ein leichtes Gefühl der Freude. Ich weiß gar nicht so genau weshalb, aber in mir keimte ein zartes Pflänzchen Hoffnung, mit „Afterglow“ womöglich einen würdigen Nachfolger der beiden ersten OPETH-Alben in den Händen zu halten. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde, schließlich war die Existenz von IN MOURNING aus Schweden vor mir bisher verborgen gewesen. Entsprechend unbedarft ging ich ans Werk und ließ mich auf das bereits vierte Album der schon 2000 gegründeten Band ein.

Es stellte sich recht schnell Entsetzen bei mir ein. IN MOURNING spielen melodischen Death Doom Metal, der gemeinhin auch unter der Kategorie Progressive Death Metal firmiert. Tatsächlich gibt es auf dem Album hin und wieder einen Part der an OPETH erinnert, manch ein Riff und die eine und andere stimmliche Einlage lassen den Vergleich zu. Doch es erreicht niemals auch nur den Hauch der grandiosen Intensität und Dramatik der ersten beiden OPETH-Alben.

„Afterglow“ ist ein flatterndes und wechselhaftes Werk. Sehr deutlich lässt es sich an dem Lied „Ashen Crown“ festmachen, welches ganz passabel beginnt und mit schwungvollen Riffs und der einen und anderen Melodie punkten kann. Der kraftvoll arrangierte Death Metal kann sich anfänglich hören lassen, obgleich das melodische Moment der Verspieltheit und (progressiven) Komplexität allgegenwärtig ist. Doch irgendwann ist dann verweichlich anmutender Klargesang zu hören, den ich als abstoßend empfinde. Deshalb mein Entsetzen. Vielleicht denkt jemand an Bands wie KATATONIA wenn er so etwas hört, ich werde schlicht erbost und balle von Grimm und Groll getrieben die Faust und frage mich, ob man so etwas noch Metal schimpfen kann.

In Mourning (Band)Es ist nicht alles per se schlecht was IN MOURNING hier vortragen. Die Herren sind durchaus befähigt ihre Instrumente zu spielen. Wie gesagt, es gibt hier und da mal ein Riff oder Part, was nicht verkehrt ist. Doch empfinde ich das Konzept als solches überaus fragwürdig. In weiten Teilen fühlt sich für mich „Afterglow“ viel zu schmalzig, schwülstig und romantisiert an. Es gibt bombastisch arrangierte Parts, eine astreine und druckvolle Produktion und viele Melodien. „Afterglow“ ist viel zu sehr auf den Mainstream-Geschmack gebürstet und wird in der sogenannten Fachpresse sicherlich bejubelt werden.

Ich habe nichts gegen (gute) Melodien und abwechslungsreiche Kompositionen. Aber ich habe etwas dagegen, wenn solche professionellen Produktionen viel zu glatt und darauf angelegt sind, eine breite Hörerschaft anzusprechen. Ich brauche Ecken und Kanten, ich will das Unvollkommene und Fehlbare, ich will Seele – von allen diesen Dingen finde ich in „Afterglow“ jedoch nichts.

In Mourning – Afterglow
Vinyl / CD / Digital | Agonia Records
20.05.2016 | Death Doom Metal

1. Fire And Ocean
2. The Grinning Mist
3. Ashen Crown
4. Below Rise To The Above
5. The Lighthouse Keeper
6. The Call To Orion

http://www.inmourning.net/ | https://www.facebook.com/inmourningband
http://agoniarecords.com/ | https://www.facebook.com/agoniarecords | https://agoniarecords.bandcamp.com/

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