Ikuinen Kaamos – The Forlorn | 2006 | Descent Records | CD | Black Metal / Death Doom

Obwohl Ikuinen Kaamos bereits 1997 ins Leben gerufen wurde, gibt es erst jetzt mit The forlorn das Debütalbum. Bestückt ist es mit fünf langen abwechslungsreichen Stücken, die sich stilistisch sowohl dem melancholischen Doom Metal als auch dem Black Metal zuzuordnen sind.

Den Anfang macht Frailty, das längste Lied des Albums, welches ruhig und mit einer traumhaften Akustikgitarrenmelodien, seichten Windgeräuschen und ebenso sanften synthetischen Hintergrundklängen einleitet. Nach etwa drei Minuten von dieser idyllischen Klarheit setzt es überraschend heftig ein. Ein brachialer schneller und hämmernder Takt setzt an, der jedoch alsbald von schleppenden und kraftvollen Arrangements ersetzt wird. Hierbei zeigt Ikuinen Kaamos ein gutes Gespür für wohlklingende Melodien. Kraftvoll, schleppend und aufgelockert durch melodische Gitarren geht es einige Minuten lang weiter. Der Gesang ist ruhig und dunkel verzerrt. Stellenweise erinnert er gar ein wenig an Opeth. Zum Ende hin von Frailty geht es wieder schnell und brutal zu, und aus dem tiefen Gesang wird hellerer Kreischgesang.

Mit Grace geht es dann wieder gemächlicher weiter. Es ist langsam und kraftvoll, dabei von einer melancholischen Atmosphäre geprägt. Aber auch hier gibt es viele Gitarrenmelodien zu hören, die die Schwere etwas auflockern. Nach einigen Minuten kommt eine klare Akustikgitarrenpassage, die quasi als Überleitung zum folgenden Part fungiert, der brutal, schnell und harsch ist. Dieser aggressive Teil ist schön kraftvoll beschaffen, trotz des überwiegend schnellen und geradlinigen Spiels ist er abwechslungsreich gestaltet, beide Gesangsformen kommen zum Einsatz. Vor allem die letzten Minuten haben es in sich. Es ist schnell und eingängig, doch sind im Hintergrund leise, schaurigschöne Melodien zu hören, die dem Ganzen eine besondere Tiefe verleihen.

Delusion beginnt kraftvoll aber melodisch mit hartem Riffing. Diese harten, eingängigen Riffs, der langsame Rhythmik und der tiefe innbrünstige Gesang kreieren hier eine überaus energische Atmosphäre. Angesichts der Langsamkeit der Musik schon beachtlich, wie kraftvoll Ikuinen Kaamos ihre Musik vortragen können. Im weiteren Verlauf wird die Führungsgitarre jedoch sehr spielerisch, was dem ganzen eine komplexe und technische Note verleiht, die mir nicht so gut gefällt, da sie die flüssige und klare Struktur durchbricht. Diese kehrt später jedoch mit einem intensiven schnellen Part zurück, der zunächst rasend schnell geprügelt wird und dann in einer wüst stampfenden, aber immer noch schnellen Variation mündet. Ikuinen Kaamos geht äußerst geschickt mit dem Gesang um, der variabel und nuancenreich eingesetzt wird und somit bestimmte Stimmungen gelungen betont.

Die beiden letzten Stücke Ascent und Fall sind gleichfalls vielschichtig strukturiert, wobei in Ascent melodische und atmosphärische Elemente überwiegen. Fall hingegen, ist ein nahezu durchgängig schnelles Stück, das phasenweise sehr eingängig ist.

The forlorn kann sich in jedem Fall sehen und hören lassen. Es ist ein sehr abwechslungsreiches Album, in dem Elemente aus unterschiedlichen Stilistiken vereint wurden. Zum Teil gelingt diese Verschmelzung meisterhaft doch es gibt auch Momente, die zu überladen wirken. Gerade wenn Ikuinen Kaamos technische Arrangements in den ansonsten sehr klaren und flüssigen Verlauf einbringt, geht die harmonische Atmosphäre ein wenig verloren. Diese Momente sind allerdings rar gesät und fallen deshalb nicht schwer ins Gewicht.

01. Frailty
02. Grace
03. Delusion
04. Ascent
05. Fall

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