Helheim – raunijaR

Helheim - raunijaR

Helheim - raunijaRHELHEIM sind bereits seit über zwei Dekaden aktiv und mit V’gandr, Hrymr und H’grimnir sind auch noch drei Mitglieder der ersten Stunde dabei. Im 24. Jahr ihrer Existenz veröffentlichten HELHEIM gestern das achte Album. Dieses neue Werk hört auf den Namen „raunijaR“ und entpuppt sich recht ruhiges Werk.

Ich bin in Sachen HELHEIM alles andere als ein Experte. Denn die markanten Veränderungen, die mit dem 2000er Album „Blod & Ild“ Einzug in den musikalischen Kosmos der Norweger hielten, sagten mir damals überhaupt nicht zu. Der Bruch mit den beiden tollen Vorgängern „Av Norrøn Ætt“ und „Jormundgand“ war einfach zu groß. Vor allem das Debütalbum mit dem starken und extrem eindringlichen Titellied hatte es mir angetan. HELHEIM verbanden damals Grimmigkeit, Kälte und harsche Hysterie mit einer großartigen nordischen Melodik.

All dies änderte sich und HELHEIM entwickelten sich in ihrer Geschichte zu einer extrem vielseitigen Band, die die Grenzen von Black, Viking, Pagan und Folk Metal ausreizte. Ich kenne zwar nicht jedes Album im Detail, doch wenn ich mich richtig erinnere, sind die Alben in Teilen sehr unterschiedlich ausgefallen. Der vorläufige Höhepunkt dieses Schaffens liegt mir nun in der Form von „raunijaR“ vor.

Helheim (Band)
© Mathis Backe

„raunijaR“ ist ein vielschichtiges Album, welches mit der sehr ruhigen und von Folk geprägten Nummer „Helheim 9“ beginnt. Neben Klargesängen und Akustikgitarre sind auch Chorgesänge, Maultrommel und Streicher zu hören. Im Grunde liegt mir derlei Musik überhaupt nicht, doch es gelingt HELHEIM, den obligatorischen Impuls das Lied überspringen zu wollen, in mir zu unterbinden. Dies liegt einerseits an der Qualität des Liedes, andererseits auch an der Authentizität. „Helheim 9“ kommt meinem Empfinden nach ohne Kitsch und zu dick aufgetragenem Pathos aus, was mir als notorischer Verweigerer von Viking und Folk Metal sehr zugute kommt. Mit „Helheim 9“ wird die „Helheim“-Reihe übrigens beendet. Ebenfalls zu einem Ende kommt die „Åsgards Fall“-Geschichte, welche 2010 mit der gleichnamigen EP begonnen wurde.

Mit dem Titellied „raunijaR“ wird es schwarzmetallischer und getragen von Hörnern und krächzendem Keifgesang kommt eine herrliche norwegische Atmosphäre auf, wie man sie von ENSLAVED oder auch ULVER kennt. Das Titellied ist verdammt gut und bricht den ansonsten sonoren, atmosphärischen, melodischen und weitgehend ruhigen Viking Metal mit hohem Folk-Anteil auf. „raunijaR“ ist das härteste Lied des Albums und auch das einzige, in dem die schwarzmetallischen Wurzeln HELHEIMS durchscheinen. Alle anderen vier Lieder sind durchzogen von klaren Gesängen, hymnischen Epen und melodischen Details.

Handwerklich ist „raunijaR“ ein einwandfreies Album. Ich denke, wer HELHEIM bisher mochte, der wird auch „raunijaR“ mögen. Sogar mir, der Viking Metal meidet wie der Teufel das Weihwasser, sagen die fünf Lieder zu. Einfach deshalb, weil sie hervorragend arrangiert und umgesetzt wurden. HELHEIM gelingt es nämlich, Viking Metal zu spielen, der ohne aufgesetzten Bombast und Kitsch auskommt. Stattdessen überzeugen die Norweger schlicht und einfach mit durchdachten Strukturen und guten Melodien. „raunijaR“ wird sicherlich nicht mein Lieblingsalbum, doch HELHEIM haben mein Interesse geweckt, mich achtzehn Jahre nach „Av Norrøn Ætt“ wieder eingehender mit der Diskographie der Norweger zu beschäftigen.

Helheim – raunijaR
CD | Dark Essence Records
04.12.2015 | Viking Metal

1. Helheim 9
2. raunijaR
3. Åsgards Fall 3
4. Åsgards Fall 4
5. Odr

http://www.helheim.com/
https://www.facebook.com/helheimnorway
https://helheim.bandcamp.com/
http://www.darkessencerecords.no/

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