Hagazussa – Wintertraum

Hagazussa - Wintertraum

Hagazussa - WintertraumHAGAZUSSA dürfte wohl so gut wie niemandem ein Begriff sein. 2008 erschien still und heimlich das Kleinod „Wintertraum“ auf Kassette in einer Kleinauflage. Acht Jahre später gibt es eine amtliche Neuauflage des Werkes. Es erscheint auf weißem Vinyl in einer Auflage von 300 Kopien. HAGAZUSSA ist das Soloprojekt eines gewissen Ullr, der insgesamt vier Jahre lang am Material tüftelte und es mit einem analogen 8-Spur-Rekorder aufnahm.

Das romantische Gemälde des Frontcovers führt meinem Empfinden nach ein wenig in die Irre. Mit solch einer Zeichnung assoziiere ich melodischere und beschaulichere Klänge, womöglich Pagan Metal, und nicht das was uns HAGAZUSSA hier darbietet. „Wintertraum“ ist scheppernder Black Metal, der grell klingende Gitarrenmelodien, dezente atmosphärische Arrangements und einen energischen Kreischgesang verbindet.

Die Kompositionen sind rau aber bei weitem nicht so roh und schroff wie man es für eine Einmanngruppe der 2000er Jahren erwarten würde. „Wintertraum“ fällt durch einen authentischen und organischen Klang auf, der differenziert ist aber trotzdem Ecken und Kanten hat. Man hört den vier Liedern ihr Alter und den Entstehungszeitraum an.

Mich erinnert „Wintertraum“ hin und wieder an das großartige Debütalbum „Onori Funebri Rituali“ von TENEBRAE IN PERPETUUM. Gerade wenn HAGAZUSSA all seine Kompromisslosigkeit, winterliche Kälte und Grimmigkeit in die Waagschale wirft, erinnern seine grellen Riffs an die Italiener. „Wintertraum“ ist aber mehr als nur schnelles und ruppiges Spiel. Die Lieder sind zwischen neun und vierzehn Minuten lang, das bedeutet natürlich eine gewisse Abwechslung und harmonische Anreicherungen. Doch Ullr setzte nicht auf komplexe Verschachtelungen, ausufernde Instrumentalparts oder romantische Naturgeräusche (was bei dem Frontcover durchaus drin gewesen wäre). Er bleibt stets geradlinig, ehrlich und direkt. Dies schlägt sich auch auf die melodischen und atmosphärischen Passagen nieder, die durch einfache aber überaus wirkungsvolle Gitarrenmelodien und langsame Rhythmen auffallen. Weniger ist mehr, dies bestätigt auch HAGAZUSSA mit „Wintertraum“.

Die atmosphärischen Arrangements sind relativ einfach, erreichen aber eine immense Intensität, die sich aus Komposition und Klang zusammensetzt. Ich liebe diesen Klang, der mich an viele großartige Veröffentlichungen aus den 90igern und 2000ern erinnert, und der sowohl das Raue und Rohe aber auch Melodische und Atmosphärische perfekt miteinander in Einklang bringt. Diese zurückhaltende Melodik in den ruhigen Parts empfinde ich gelinde gesagt als grandios, entfacht sie in mir ein loderndes Feuer, welches durch die schroffen und rumpelnden Parts zusätzlich entfacht wird.

Die Wiederveröffentlichung von „Wintertraum“ ist eine Notwendigkeit. Die Platte überzeugt von der ersten bis zur letzten Sekunde und enthält keine echten Schwächen. Selbstverständlich ist nicht alles perfekt, doch das soll es auch gar nicht sein, das Imperfekte macht einen Teil des Besonderen bei solchen Werken aus und gehört dazu. Für affine Verehrer des Black-Metal-Untergrunds der vergangenen zwei Dekaden ist „Wintertraum“ eine Pflichtveröffentlichung.

Hagazussa – Wintertraum
Vinyl | Astral Nightmare Productions
08.02.2016 | Black Metal

A1. Zorn der vergessenen Götter
A2. Das Wehklagen der verlorenen Wälder
B1. Traum vom ewigen Winter
B2. Erhöre den Klang der sterbenden Sonne

http://www.astralnightmare.com/

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