Grisâtre – L’idée de dieu | 2010 | Dusktone | CD | Black Metal

L’idée de dieu ist nach zwei Demos und zwei Splitveröffentlichungen das Debütalbum der französischen Einmanngruppe Grisâtre. Vorgetragen wird atmosphärischer, depressiver Black Metal. In diesem unüberschaubaren Sektor gibt es ja seit Jahren eine schier endlose Masse an mittelmäßigen oder schlechten Veröffentlichungen, zudem ähneln sich viele Gruppen mehr oder weniger stark. Grisâtre ist da keine Ausnahme, denn die drei metallischen Stücke des Albums sind weder originell noch in irgendeiner Form neu. Doch das stört überhaupt nicht, denn L’idée de dieu ist eine überaus unaufgeregte, fast schon sachliche Angelegenheit, auf der jegliche Überspitzung oder plumpe Klischeebedienung fehlt. Es gibt kein extremes, von Kummer und Selbstmitleid getriebenes Gekreische. Der Klang ist sauber und differenziert ohne überproduziert zu sein, denn das Klangbild der Gitarren ist sehr schön grell und rau und auch das Schlagzeug verzückt mit seinem peitschenden Klang. Die drei langen Lieder, die überwiegend langsam und schleppend sind, sind streckenweise vollgepackt mit guten, opulenten Melodieführungen, die sich treffsicher durch die Lieder ziehen. Dabei werden diese Melodiestränge aber niemals zu melodisch oder verspielt, im Gegenteil. Stellenweise sind sie sogar eingängig, hypnotisch und sehr schwermütig geraten. Die Musik ist aber nicht ausschließlich langsam, es werden immer wieder schnelle Passagen eingestreut, die Abwechslung einbringen und den Liedern zusätzliche Würze verleihen.

Zwischen den drei Langen DSBM-Liedern sind kurze Übergänge zu hören, in denen neben Pianogeklimper auch die Akustikgitarre demütig geschwungen wird. Diese Zwischenstücke sind nicht schlecht, hätten für meine Bedürfnisse aber auch nicht sein müssen. Die drei Hauptlieder sind für sich genommen stark und gut genug, sodass man auf die Lückenfüller hätte getrost verzichten können. Ich bin von L’idée de dieu jedenfalls positiv überrascht, da ich aus diesem musikalischen Bereich ohnehin nicht allzu viel erwarte, und mich Grisâtre eines Besseren belehren konnte. Nämlich, dass es doch noch Gruppen gibt die es verstehen, düster und depressiv zu spielen, ohne extreme und künstlich erzeugte Reibungspunkte aufbauen zu müssen.

7,5/10
Aceust

01. V
02. IV
03. III
04. II
05. I
06. L’esquisse des astres

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