Fyrnask – Fórn

Fryrnask - Fórn

Fryrnask - Fórn

Verderben viele Köche den Brei? Wer das herausfinden möchte, sollte diese Rezension aufmerksam lesen. FYRNASK war jahrelang das Solorprojekt von Fyrnd, welcher mich 2010 mit der ersten Demo „Fjǫrvar Ok Benjar“ und drei Jahre später mit dem dann schon zweiten Album „Eldir Nótt“ überzeugte. Bei letzterem ließ ich mich sogar dazu hinreißen, es als ein kleines Meisterwerk zu bezeichnen.

2014 wurde FYRNASK massiv umgestaltet und seitdem sind Schlagzeuger Blizzard (BLACKSHORE, NASTRANDIR, PLAGE), Gitarrist Exord (TERMINAL SPIRIT, PLAGE), Svipr (Synthesizers) und Bassist JS (ISOLATION) ein fester Bestandteil. Das erste Ergebnis dieses neuen Gefüges wurde schließlich mit „Fórn“ festgehalten.

Obschon viele Köche zum Zuge kamen, ist FYRNASK auch im Jahre 2016 eine Black-Metal-Band, die dezidierte Rohheit und Aggression mit prachtvollen Harmonien, Melodien und atmosphärischen Klängen verbindet. Die Musik von FYRNASK war schon immer vielfältig und komplex. Dies ist auch mit „Fórn“ so geblieben. Trotzdem gibt es Veränderungen und Entwicklungen, dies liegt wohl in der Natur der Sache. Jedenfalls ist „Fórn“ im Vergleich zu seinen Vorläufern professioneller und abgeklärter, es wurde auf der Evolutionstreppe eine Stufe nach oben gehoben. Auf der einen Seite trugen die erfahrenen Musiker zu einer gekonnten Darbietung bei, andererseits sorgte Patrick W. Engel mit seinem Temple Of Disharmony für den routinierten Feinschliff.

Erneut gibt es lang gezogene Parts, in denen das rasende Schlagzeug auf harschen Kreischgesang oder rituelle Invokationen trifft. Derlei forsche Aggression ist durchaus durchdringend, jedoch nicht so vehement und heftig wie vor drei Jahren. Ich finde (noch immer), dass das Lied „Vigil“ ein grandioses Stück ist. Die dortige Raserei ist zwingend, brachial und primitiv, und die düsteren Klang-Fragmente sorgen für eine obskure Dunkelheit. „Vigil“ ist die perfekte Verschmelzung von primitiver Roh- und Hässlichkeit mit atmosphärischer Aufweichung. Solche Schemata finden sich auch auf „Fórn“, allerdings wirken sie hier nicht mehr so intensiv und nachdrückend.

Dies liegt daran, dass die harmonischen Einsprengsel noch ausgetüftelter sind und ausgeweitet wurden, dass es Klargesänge wie in „Agnis Offer“, einem ganz abscheulichen Lied, gibt, und dass die Härte und Schnelligkeit nicht mehr so rau und kalt, dafür aber etwas glatter und zugänglicher und komplexer ist. FYRNASK setzen vermehrt auf weiche, atmosphärische und rituelle Elemente. Die gab es schon immer, doch das Ausmaß Fyrnask (Band)welches sie nun angenommen haben, ist mir zu groß. Eine Ausweitung weicher Faktoren bei gleichzeitiger Professionalität entspricht überhaupt nicht meinen Erwartungen und Vorstellungen. Meistens bleibt dabei das Archaische und Böse auf der Strecke, wie auch hier. Es sind aber nicht nur die gefühlvollen, rituellen und harmonischen Kontrastierungen die mich stören, ich stoße mich auch an den thrashigen und rockigen Riffs, die immer wieder mal eingestreut wurden. Sie nerven mich ein wenig, da ich sie als absolut unpassend empfinde. Eine morbide Disharmonie würde sich für meine Ohren besser anhören.

Auch wenn mir vieles an „Fórn“ missfällt, so muss ich trotzdem anerkennend festhalten, dass es ein einwandfrei gemachtes Album ist und es durchaus Fragmente enthält, die auch mir gut gefallen. Alle beteiligten Musiker und Techniker verstanden ihr Handwerk. Das kann aber nicht über meine Enttäuschung hinweg trösten. Ich fremdele mit „Fórn“ arg, werde mit der neuen Ausrichtung nicht warm. Ich mag es einfach etwas primitiver, roher und unvollkommener.

Fyrnask – Fórn
Vinyl / CD / Digital | Ván Records
2016 | Black Metal

1 Forbænir
2 Draugr
3 Niđrdrattr
4 Vi er dømt
5 Agnis Offer
6 Urđmađr
7 Blótan
8 Fornsongvar
9 Kenoma
10 Havets Kjele
11. Vitran (Vinyl Bonus)

https://www.facebook.com/Fyrnask/ | https://fyrnask.bandcamp.com/
http://www.van-records.de/ | https://vanrecords.bandcamp.com/

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